Das Märchen vom Tod der Facebook-Reichweite

Der Statistikfluss im Facebookwald

Der Statistikfluss im Facebookwald (Foto:Rebecca Ohm)Es war einmal eine kleine Reichweite, die ging in den großen dunklen Facebookwald, wo der böse Zauberer Edgerank Zuckerberg lebte. Geh nicht dorthin, da wirst Du geschrumpft, hatten ihr die anderen gesagt, und so schloss die kleine Reichweite, die ganz ohne Anzeigenschwert unterwegs war, bei jeder Bewegung hinter einem Beitrag verängstigt die Augen. Doch dann erreichte sie den Statistik-Fluss und betrachete im Wasser verwundert ihr Spiegelbild…

So ähnlich möchte ich antworten, wann immer ich die Mär vom Reichweiten-Tod höre. Die geht bis hin zur Behauptung, man könne keine Facebook-Seite mehr betreiben, ohne Werbeanzeigen zu schalten. Ja, wer Facebook ohne Werbeanzeigen betreibe, der habe ja ohnehin nichts begriffen… Echt jetzt?

Was sich wirklich geändert hat

In der Tat ist die Reichweite von Beiträgen, die früher organisch (= nicht bezahlt) besser gelaufen sind, zum Teil drastisch gesunken. Das liegt aber nicht am generellen Tod der organischen Reichweite, sondern daran, dass Facebook den Algorithmus geändert hat, der beeinflusst, welche Art von Beiträgen sich im Newsfeed eher durchsetzt.

In seinem Artikel „No, Facebook Organic Page Reach is not dead“ erklärt Jon Loomer ausführlich, was es damit auf sich hat. Dabei geht es um die Vermeidung von Click-Baiting (reißerische Überschriften, um Leser zum Anklicken des Beitrags anzuregen), Hoaxes (Falschmeldungen) und um die Höherstufung von qualitativ hochwertigen Inhalten.

Außerdem listet Loomer folgende Durchschnittswerte für die organische Reichweite von Facebook-Seiten auf:

  • Unter 1.000 Fans: 25,1%
  • 1.000 – 10.000 Fans: 13,8%
  • 10.000 – 50.000 Fans: 10,0%
  • 50.000 – 100.000 Fans: 9,8%
  • Über 100.000 Fans: 7,7%

Die Facebook-Seite von schwindt-pr mit knapp 13.750 Fans müsste demnach etwa 10% Reichweite haben. Das wären 1375 Personen pro Beitrag. Die durchschnittliche tägliche Beitragsreichweite liegt jedoch bei über 4000. Das sind ca.30%!

Was sich durch die Algorithmus-Umstellung bei unserer Seite geändert hat:

  • Aufbau der Reichweitenwerte über den ersten Tag hinaus: Die Beiträge scheinen länger im Newsfeed sichtbar zu sein als früher, da die Werte auch noch ein bis zwei Tage nach Veröffentlichung deutlich weiter wachsen.
  • Fotobeiträge mit nur einem Bild werden kaum sichtbar. Auch wenn sie keinen Link enthalten, haben diese Beiträge offenbar keine Chance, sich im Newsfeed zu behaupten. Dagegen greifen der hier bereits beschriebene Workaround (siehe Linktipps unten) oder Beiträge mit mehreren Bildern deutlich besser.
  • Linkbeiträge erzielen weiter eine gute bis überdurchschnittliche Reichweite, je nach Inhalt, da hat sich nicht viel geändert.

Erfüllt die Facebook-Seite weiter ihren Sinn?

Was den Facebook-Auftritt von schwindt-pr angeht, so gibt es also nichts zu meckern. Facebook ist (neben der Google-Suche) weiter Haupt-Trafficlieferant für dieses Blog und die gute Reichweite wirkt sich auch auf die Anzahl der Blogbesuche aus. Die Interaktionsrate auf der Facebook-Seite ist auch nicht gesunken. Damit erfüllt Sie weiter ihren Sinn als Kanal für den aktiven Dialog mit den Lesern und als Zubringer zum Blog.

Was viele beim Geschrei um den vermeintlichen Reichweiten-Tod nämlich aus den Augen verlieren, ist die Frage, ob es hier um Quantität oder Qualität geht. Werden die Fans, die auch aktiv mit der Seite interagieren, erreicht oder nicht? Ist der Traffic von Facebook zu Ihrer Website wirklich gesunken? Und wenn ja, liegt es an der Algorithmus-Änderung oder vielleicht an Ihren Inhalten oder der Art zu posten? Gehen Sie diesen Fragen mal ernsthaft nach!

Wie sieht es mit der Reichweite Ihrer Seite aus?

Die durchschnittliche tägliche Reichweite können Sie auf Ihrer Facebook-Seite übrigens unter Statistiken > Reichweite > Beitragsreichweite > Organisch nachschauen und dann gegen die Fanzahl verrechnen. Wie fällt das Ergebnis bei Ihnen aus und wie stehen Sie damit im Vergleich zu o.g. Liste da?

Weiterführende Linktipps:

Foto: Rebecca Ohm

UPDATE: Inzwischen hat Facebook die Bemessungsgrundlage zur Angabe der Reichweite präszisiert und zählt nur noch die „gesehenen“ und nicht mehr die „ausgelieferten“ Impressions. Mehr dazu bei Futurebiz lesen

Wie Sie für Fotobeiträge in Facebook eine höhere Reichweite erzielen

Fotoreichweite

Dank einer Leserfrage wurde ich kürzlich auf die Tatsache aufmerksam, dass Facebook Fotobeiträge unterschiedlich behandelt, je nach dem ob man nur ein oder mehrere Fotos in einem Beitrag veröffentlicht:

  • Beiträge mit nur einem Foto werden als Fotobeitrag angesehen
  • Beiträge mit mehreren Fotos werden als Statusbeitrag angesehen

Die als Statusbeitrag behandelten Postings (mit mehreren Bildern) erzielen dabei eine deutlich höhere Reichweite als Fotobeiträge (mit nur einem Bild).

Sollte man jetzt also nicht mehr Beiträge mit nur einem Foto posten? Doch, aber vielleicht nicht direkt als Fotobeitrag:

Besonders hoch gewertet werden nach dem letzten Algorithmus-Update aber Beiträge mit Linkanhang! Dies können Sie sich auch für das Veröffentlichen von einzelnen Bildern zunutze machen:

Was Sie bislang als Foto mit Link in der Bildbeschreibung gepostet haben, können Sie jetzt (sozusagen umgedreht) als Beitrag mit Linkanhang erstellen und vor dem Veröffentlichen einfach die Bildvorschau gegen das gewünschte Bild austauschen. Hier ein Beispiel:

Fotobeitrag mit gewünschtem Bild und Link im Text (erzielt keine gute Reichweite):

Fotobeitragm it Link im Bildtext

Dasselbe als Linkbeitrag gepostet, bevor das gewünschte Bild eingesetzt wird (Fototausch geht vor dem Veröffentlichen über Bild hochladen):

Via "Bild hochladen" das Vorschaufoto austauschen

Fertiger Linkbeitrag mit gewünschtem Foto als eingetauschtem Vorschaubild:

Linkanhang mit neuem Bild

Auf diese Weise können Sie Ihr gewünschtes Foto weiterhin posten, der Beitrag wird aber statt als Fotobeitrag als Link gewertet und damit vom Facebook-Algorithmus höher bewertet.

Falls Sie keinen Link zum Foto parat haben, dann nutzen Sie doch Instagram! Laden Sie das Foto dort hoch und nutzen „URL zum Teilen kopieren“, um das Ganze in Facebook als Link zu posten. 😉

Übrigens: Der Bildtausch ist beim Teilen von Beiträgen nicht möglich. Aber geteilte Beiträge ranken derzeit ohnehin schlecht (vermutlich weil das dann kein eigener Inhalt, sondern ein von woanders Übernommener ist). So erzielte bei meinen Tests ein geteilter Seitenbeitrag im selben Zeitraum gerade mal 19,5% der Reichweite wie der selbst gepostete Beitrag mit dem ausgetauschten Bild und eigenem Text plus @mention zur Quelle.

Fazit:

  • Wenn Sie nur ein Bild posten wollen, dann erzielt ein Linkbeitrag, bei dem das Vorschaufoto gegen das gewünschte Bild ausgetauscht wurde, eine höhere Reichweite als ein reiner Fotobeitrag.
  • Wenn Sie nicht zum Verlinken haben, nutzen Sie Instagram für das Hochladen des Bildes.
  • Seitenbeiträge, die auf eine andere Seite (nicht in ein Profil oder in eine Gruppe) weitergesagt werden sollen, erzielen eine höhere Reichweite, wenn Sie ihn manuell mit @mention oder Link zur Quelle und am besten mit eigenem Text verlinken statt über Teilen zu gehen.
  • Beiträge mit mehreren Fotos sollten kein Problem darstellen.

Entspricht das Ihren Erfahrungen mit Seitenbeiträgen oder verhält es sich bei Ihnen anders?

Knackpunkt: Nutzerrelevanz!

nutzerrelevanzIch glaube , ich muss mir mal ein Schild basteln. Ein Schild, das ich immer dann hochhalten kann, wenn es nötig wird. Denn in den vergangenen Wochen habe ich viele Gespräche über alle möglichen Themen rund um das Thema digitale Kommunikation geführt: Vom Facebook-Newsfeed über Reichweite von Fanseiten bis hin zum Thema Bücher – am Ende läuft alles immer wieder auf denselben Knackpunkt hinaus: Die Nutzerrelevanz!

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