„Experimentiert wie wild!“ – Interview mit Björn Eichstädt zu #meinweginsweb

Björn Eichstädt

Einer der ersten deutschen Twitterer, denen ich bereits seit meinen Anfangszeiten folge, ist @storymaker Björn Eichstädt. Bei vielen anderen PR-Menschen ist es heute noch nicht selbstverständlich, das Social Web zu nutzen, während er schon früh damit experimentiert hat. Deshalb war ich besonders gespannt darauf, zu erfahren, wie er seinen Weg in die digitale Kommunikation gefunden hat:

Björn EichstädtBitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Tätigkeit, Website, Facebook, Twitter, Google+, drei Hashtags):

Ich heiße Björn Eichstädt, 40 Jahre alt, lebe in München und bin als Geschäftsführender Gesellschafter bei der Storymaker GmbH, einer Kommunikationsagentur für story-getriebene PR und Digitalkommunikation für Technologieunternehmen und -themen mit Büros in Tübingen, München, Berlin und Beijing.

Seit wann bist Du online unterwegs, wann hast Du angefangen zu bloggen und wann bist Du dem ersten sozialen Netzwerk beigetreten? Wie bist Du dazu gekommen?

Seit dem ersten Semester an der Uni, das war 1994. Durch einen Kommilitonen bin ich auf das Rechenzentrum der Universität aufmerksam geworden. Da gab es einen „Online-Raum“, der vor allem von Informatikern für ihre Studienarbeit genutzt werden durfte. Aber abends, ab 20 Uhr durften auch Nicht-Informatiker (ich habe damals Jura studiert, später dann Biologie) in den Raum und „ins Internet gehen“. Das ging aber nur zu einer bestimmten Uhrzeit, da machte der Hausmeister die Tür auf, später kam man nicht mehr rein. Wir waren so 3-4 Leute, die das dann regelmäßig gemacht haben.

Erste Aktivitäten im Netz hatten dann ziemlich bald mit „Social Networks“ zu tun. Es gab damals einen sehr frühen Chat – den KangaChat aus Australien (den es wohl schon lange nicht mehr gibt, ich konnte zuletzt keine Online-Spuren mehr finden). Da trafen sich Onliner aus aller Welt, natürlich war alles auf Englisch und man lernte viele Menschen kennen. Aus Kanada, Irland, Australien, den USA, England – vor allem englischsprachige Länder. Ein buntes Völkchen, das sich da online traf und austauschte. Und anfangs war das dann noch sehr spannend, weil man anfing sich mit Leuten, mit denen man sich gut verstand, Briefe zu schreiben. Besonders gute Chatpartner hat man dann auch mal um einen Gefallen gebeten, etwa die neuesten Episoden von „The Simpsons“ im englischsprachigen TV auf VHS-Kassetten auszunehmen und einem zu schicken. Ich habe erst vor kurzem die letzten dieser Tapes weggeworfen. Und mit einigen der Leute aus dieser Zeit bin ich heute immer noch über Facebook befreundet.

Später kam dann eine tolle Mailingliste zu meiner 90s-Lieblingsband Mr. Bungle dazu. Auch aus dieser habe ich noch heute Kontakte. Und so lief das dann immer weiter: Amazon, Ebay etc. schon lange bevor es die in Deutschland gab. 1999 hatte ich meinen ersten Berührungspunkt mit der PR beim Bundespresseamt in Berlin als Praktikant. Dort habe ich den ersten berichterstattenden Artikel geschrieben, der jemals auf deren Website erschienen ist – über eine Pressekonferenz zur Zwangsarbeiterentschädigung. Und dann ging es Anfang der 2000er bei Storymaker los. Und das Web begleitete mich weiter. 2005 begann ich dann mit storyblogger.de. Und dann eben immer das, was gerade neu war: Twitter, Yammer, Facebook, Instagram…

Gab es Menschen, die Dich persönlich oder durch Ihre Veröffentlichungen bei Deinem Einstieg ins Social Web begleitet haben?

Sicherlich. Die frühen Medienleute, die gebloggt haben: Thomas Knüwer, damals beim Handelsblatt, Sascha Lobo, Björn Hasse von Edelman in Frankfurt, der damals schon viel privat gebloggt hat, Patrick Breitenbach, der den Werbeblogger aufgebaut hat. Und dann natürlich der ein oder andere Amerikaner – vor allem diejenigen, die das Social Web und größere Wirkzusammenhänge gebracht haben, wie etwa Chris Anderson mit seinem Long Tail.

Wie hat sich Dein Weg in Sachen digitale Kommunikation dann bis heute weiterentwickelt (nenne die wichtigsten Meilensteine)?

Nun, 2005 als ich mit bloggen anfing; da war ich ganz sicher, dass Bloggen, das Social Web (wir haben damals noch oft Web 2.0 gesagt), dass das alles verändern würde. Und zwar ganz ganz schnell. Also: nächste Woche, in einem Monat etc. Und ich habe anfangen, das den Storymaker-Kunden zu erzählen. Und ihnen den Film „Epic 2014“ zu zeigen, der 2004 herauskam und die kommende Revolution sehr passgenau vorzeichnete (https://www.youtube.com/watch?v=Bt3TmUW90B8). YouTube kam 2005 und wir haben gleich eine Videoabteilung aufgemacht. Ich war sicher, dass sich das komplette Business drehen würde und wir innerhalb kürzester Zeit keine klassische PR mehr machen würden. Aber: das war nicht ganz so.

Es hat alles viel länger gedauert und die größte Herausforderung war, einfach immer weiterzumachen. Ich habe dann viel beraten, wir haben ein Digitalteam bei Storymaker aufgebaut, für erste Kunden wie PONS erste Awards gewonnen. Ein Highlight war sicher 2011 den erstmals ausgelobten Social Media Preis im Rahmen der PR Report Awards mit unserem Kunden ZEISS zu gewinnen. Jeder neue Kunde war dann ein Highlight. Dozenturen an der BAW in München und der DEPAK in Berlin auch. Und natürlich das Buch „Erste Hilfe für Social Media Manager“, das ich letztes Jahr mit Meike Leopold von salesforce.com herausgegeben habe. Ach, und bevor ich das vergesse: mein iPhone-Musik-Performance-Projekt, das ich 2009 mit Nadia Zaboura auf der CeBIT gegründet habe und mit dem ich auch nochmal viel über die Wirkmechanismen des Social Webs gelernt habe, darf ich natürlich auch nicht unterschlagen.

Gibt es Fehler, die Du auf Deinem Weg gemacht hast und wie können andere diese vermeiden?

Und ja, ganz viele. Ich habe mich zum Beispiel am Anfang zu sehr von meiner eigenen Begeisterung für das Thema „Social Media“ treiben lassen und habe gedacht, dass das doch für alle offensichtlich sein müsse, dass das DIE kommunikative Entwicklung der Zukunft sein würde. Ich habe auch viele Dinge nicht verfolgt, die ich hätte verfolgen sollen, andere habe ich zu intensiv betrieben. Ich habe mich am Anfang zu lange „für umsonst“ als Speaker zu Veranstaltungen einladen lassen, wegen der „tollen Kontakte“ etc. Aber vermutlich gehört das alles dazu.

Welche Wege empfiehlst Du Einsteigern oder denen, die sich in Sachen digitale Kommunikation fortbilden wollen?

MItten rein ins Getümmel, beobachten und interagieren und vieles ausprobieren. Und Kontakte knüpfen mit Leuten, die man interessant findet. Googeln, wenn man etwas nicht versteht. Eigene Dinge tun und damit auf sich aufmerksam machen. Und nicht immer mit dem Strom schwimmen. Dann fällt man eher auf. Klar, man kann auch Seminare besuchen und Bücher lesen. Aber mittendrin lernt man am meisten und das Internet bietet alles, was man braucht.

Welches ist Dein bevorzugtes soziales Netzwerk und warum?

Die relevanten Netzwerke haben alle etwas. Auf Facebook verbringe ich am meisten Zeit und kommuniziere am meisten. Instagram macht mir am meisten Spaß. Und selbst XING finde ich irgendwie gut. Für mich ist das Social Web eher eine Infrastruktur als eine Ansammlung einzelner Tools, deshalb gehören zu dieser vernetzten Struktur unterschiedliche Plattformen. Und natürlich sind auch die angrenzenden Content-Plattformen wie Soundcloud oder YouTube nicht zu verachten.

Welche aktuellen Entwicklungen in der digitalen Kommunikation findest Du besonders spannend?

Eigentlich alle. Die Mobilisierung (ist ja schon ein älterer Trend), die Verknüpfung von allem mit allem, die Visualisierung, die Messenger. Das Tolle an der digitalen Kommunikation ist, dass da dauernd etwas Neues passiert. Mal durch neue Tools, mal durch Hardward- oder Infrastrukturentwicklungen, mal aus sich heraus, mal von außen.

Gibt es noch etwas, das Du den Lesern zum Thema Social Web oder digitale Kommunikation allgemein mitgeben möchtest?

Nutzt digitale Kommunikationsmöglichkeiten ohne Scheu. Und experimentiert wie wild. Es lohnt sich.

Vielen Dank fürs Mitmachen, lieber Björn! 🙂

In der kommenden Woche wird Leander Wattig diese Fragen beantworten.
Alle Interviews dieser Reihe können nachgelesen werden unter
http://www.schwindt-pr.com/tag/meinweginsweb/

Social Media Marketing und die gute alte Kommunikation

Als ich zu Beginn des Jahrtausends mein Studium für Public Relations absolvierte, war darin von Facebook und Social Media noch keine Rede. Aber schon damals gab es das Problem, dass Public Relations (PR) von Unternehmen als reine Werbung missverstanden und der Kommunikation keine größere Bedeutung beigemessen wurde. Beides wurde gern unter dem Begriff Marketing verwurstet.

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NGOs und das Social Web: fundraising 2.0 CAMPING Essen

Annette Schwindt via skype und Beamer zugeschaltet beim fundraising Camp Essen
Alexa Gröner und ich im Gespräch mit den Teilnehmern (Foto: Stefan Evertz)

Heute war ich live beim fundraising2.0 CAMPING Essen für eine Gesprächsrunde über Kommunikation versus Marketing, über Social Media und natürlich Facebook zugeschaltet. Organisatorin Alexa Gröner hatte meinen Vortrag bei der stARTconference 2010 besucht und mich daraufhin für ihre fundraising-Camps angesprochen.

Bei unseren Vorgesprächen haben wir dann den Gedanken an einen reinen Vortrag aber verworfen und uns statt dessen auf ein offenes Gespräch zu den Fragen geeinigt, die zwischen uns beiden schon für Diskussionsstoff gesorgt hatten und auch um Raum für die Fragen zu lassen, die vor Ort aufkommen würden.

Im Anschluss an die Zuschaltung zur Gruppe habe ich dann noch eine kurze „Sprechstunde“ für Einzelfragen abgehalten. 😉

Hier ein paar Stimmen aus dem Feedback via Twitter (Fotos und auch Videos folgen demnächst):

Alles geschäftliche muss lt. Facebook-Richtlinien über Fanseiten laufen. @schwindtpr per Skype beim #frc20

Erkenntnis aus der Session mir Frau Schwindt: Organisationen brauchen Fanpages, keine Profile. Wir haben viel zu tun! #frc20

Frau Schwindt: geballte Facebook-Kompetenz!! #frc20RT @stiftblog: "Viele rennen los, machen alles gleichzeitig, und wenn das schief geht, sind die Plattformen schuld." @schwindtpr beim #frc20"Man muss davon ausgehen, was man selber auf Facebook erleben möchte" - Anette Schwindt #frc20@schwindtpr danke für eine spannende Session ;) #frc20 #facebook

@Alexa: vielen Dank für die schöne Veranstaltung und ja, ich würde mich freuen, bei den nächsten beiden fundraising 2.0 camps in Frankfurt (23.9.) und München (6.10.) wieder dabei zu sein. 🙂

Wenn Sie mich auch gern bei Ihrer Veranstaltung für einen Vortrag oder eine Gesprächsrunde zuschalten möchten, schreiben Sie mir eine Mail an office@schwindt-pr.com. 🙂

schwindt-pr bloggt jetzt auch auf Deutsch

Nach längerem Hin und Her habe ich mich nun endlich entschlossen, ein eigenes Blog nur auf Deutsch einzurichten. Das bedeutet für mich zwar mehr Arbeit, aber was tut man nicht alles für seine Leser… 😉

In letzter Zeit wurde ich immer wieder gebeten, Grundbegriffe und die einzelnen Tools des Social Web auf Deutsch zu erklären. Dieses Blog bietet mir nun die perfekte Plattform für derlei Ausführungen. Fragen oder Anmerkungen dazu können dann per Kommentar gestellt werden.

Außerdem wird natürlich das Beste aus dem englischen Blog hier in Übersetzung erscheinen.

Ich freue mich auf einen regen Gedankenaustausch! 🙂