Mitarbeiter und Unternehmensseiten auf Facebook

Eine Frage, die immer wieder an mich herangetragen wird, lautet: sollte ich als Mitarbeiter, der die Facebookseite meines Unternehmens betreiben soll, ein zweites „Fake-Profil“ dafür anlegen? Als Begründung wird oft angeführt, man wolle nicht mit der Seite in Verbindung gebracht werden und Geschäftliches und Privates sauber trennen.

Teil zwei der Begründung ist verständlich und wird von mir auch so praktiziert. Teil eins ist ganz schlecht… Ein Mitarbeiter ist IMMER Botschafter seines Unternehmens, das war auch schon vor Facebook und vor dem Internet so. In Zeiten des Social Web tritt dies nur noch deutlicher hervor. Aus diesem Grund sollten Unternehmen sich auch professionell mit dem Thema auseinandersetzen und ihren Mitarbeitern entsprechende Richtlinien (sog. Social Media Guidelines) an die Hand geben.

Aber zurück zum Problem: Fake-Account oder nicht?

Facebooks Antwort ist eindeutig: Das ist nicht erlaubt und wird mit Sperrung bestraft!

Meine Antwort: Wozu um Himmels Willen? Begründung:

1. Adminprofile sind von Seiten aus nicht zu erkennen. Das heißt: in den Standardeinstellungen können Fans nicht sehen, wer Admin einer Seite ist. Erst wenn sich derjenige als Seiteninhaber dezidiert sichtbar macht, wird sein Profil für alle ersichtlich mit der betreffenden Seite verknüpft.

2. Adminrechte können jederzeit  neu vergeben werden. Wenn jemand nicht mehr Admin der Seite sein möchte/darf (z.B. weil er das Unternehmen verlässt), dann kann er jemand anderen mit dessen Profil zum Admin machen und derjenige kann danach den alten Admin als solchen entfernen.

3. Nutzen Sie Listen. Wer bestimmte Teile seines Profils nicht für andere sichtbar machen will, kann dies über Listen und Privatsphäre-Einstellungen wunderbar regeln. Facebook hat mit den Smartlists sogar schon die voreingestellte Liste „Eingeschränkt“ zur Verfügung gestellt, in die man die betreffenden Kontakte bloß noch einzusortieren braucht. Diese sehen dann nur noch die öffentlich sichtbar gemachten Bereiche/Beiträge eines Profils. Oder man macht sich ein bisschen eigene Arbeit und erstellt eigene Listen, um mit denen die Sichtbarkeitseinstellungen zu definieren.

4. Ein zusätzlicher Account – wenn er denn erlaubt wäre – würde nur unnötig Arbeit verursachen (einloggen, ausloggen, zweite Mailadresse checken wegen Benachrichtigungen etc.). Und verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie schlauer sind als Facebook und das System austricksen können, nur weil sie einen kennen oder von einem gehört haben, der bislang (!) damit durchgekommen ist. Sollte die Sache entdeckt werden, wird das dazugehörige Konto gesperrt und somit der Zugang zur Unternehmensseite. Und das findet der Chef bestimmt nicht komisch.

5. Wo ist das wirkliche Problem? Wenn ein Mitarbeiter solche Probleme damit hat, mit seinem Unternehmen in Verbindung gebracht zu werden, dann sollten sich beide Seiten mal fragen, ob sie nicht tiefgreifendere Probleme haben als Facebook! Wie schon zu Anfang gesagt: ein Mitarbeiter war schon immer Botschafter seines Unternehmens, auch schon vor den Zeiten des Social Web.