Facebook Pro 2015: Werbeanzeigen, Buzzwords und Inspiration

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„Facebook Pro. Dein Unternehmen. Deine Zukunft.“ Unter diesem Motto hatte Facebook am 9. Juni 2015 Mitarbeiter von KMU nach München eingeladen. Das Ziel: Wissen, Tipps und Praxisbeispiele für gutes Facebook Marketing zu vermitteln und so KMU dabei zu helfen, Facebook noch besser für ihr Unternehmen zu nutzen. Für schwindt-pr war Christian Müller vor Ort. Hier sein Bericht:

Agenda

Die Agenda war durchaus ambitioniert, denn alle Vorträge wurden am Stück gehalten. Die vorgegebenen Themen klangen allerdings vielversprechend. Für mich stand eine Frage im Fokus:

Liefert die Veranstaltung nützliche und für KMU anwendbare Tipps und Informationen?

Facebook Pro: Viele Buzzwords, noch mehr Werbeanzeigen

Wer sich das Event in chronologischer Reihenfolge und mit zahlreichen Bildern und Videos anschauen will, kann das via Storehouse tun. In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die – leider recht wenigen – nützlichen Informationen der Facebook Pro:

Für einige Teilnehmer war der Vortrag von Chris von Den Hoff zu den „Bausteinen für erfolgreiches Marketing auf Facebook“ interessant. Er ging unter anderem auf die verschiedenen Mess- und Anpassungsmethoden ein, mit denen KMU ihre Werbeanzeigen gezielt auf die jeweilige Zielgruppe zuschneiden können. (Dazu gehören beispielsweise die Custom Audience und die Lookalike Audience)

Bausteine für erfolgreiches FB Marketing

Andere Tipps aus seinem Vortrag – beispielsweise im Sommer auch mal nach dem Wetter zu schauen, wenn man Eis oder ähnliches verkauft – waren eher banal und wenig hilfreich. Sein Vortrag stand leider exemplarisch für die gesamte Veranstaltung: Es ging primär um Werbeanzeigen. Und viele Vortragende sprachen schönstes Agentur-Denglisch, das nicht unbedingt zur Verständlichkeit beitrug.

Inspiration aus der Kreativabteilung

Zielgruppe

Eine rühmliche Ausnahme – und damit für mich eeiner der Höhepunkte der Veranstaltung – war der Vortrag von Jonas Thaysen, seines Zeichens Creative Strategist bei Facebook. Er konzentrierte sich – der Jobtitel lässt es vermuten – auf die kreativen Aspekte von Facebookbeiträgen.

Zwar ging es auch bei ihm um Werbeanzeigen, doch er war der erste – und aus meiner Sicht einzige – Vortragende, der auch explizit von Inhalten und Facebook-Beiträgen sprach. Seine Botschaft: Bilder und Videos sind auf Facebook wichtiger denn je, Facebook ist ein stark visuell getriebenes Netzwerk.

Thaysen bemühte sich auch, seine Themen in normal verständlichem Deutsch zu formulieren und praxisnah zu halten. So wies er beispielsweise darauf hin, dass es nicht immer Hochglanz-Fotos und Videos sein müssen. Authentische Fotos und kurze Videos, aufgenommen mit aktuellen Smartphones, reichen völlig aus, so lange sie eine Geschichte erzählen oder die gewünschte Wirkung und Atmosphäre vermitteln. Eines seiner besten Zitate:

Facebook ist eine Cocktailparty, auf der Unternehmen (mit ihrer Werbung) nicht stören sollten.

Zudem wies er darauf hin, dass bei der Erstellung von Beiträgen (und Werbeanzeigen) immer die Menschen und Zielgruppe im Mittelpunkt stehen sollten. Seine Frage: „Wen wollt ihr erreichen?“ sollte sich wirklich jeder stellen, der auf Facebook aktiv ist.

Und noch ein Aspekt und Zitat hat mich beeindruckt. Denn Jonas Thaysen erinnerte an eine wichtige Tatsache, die auch für Beiträge gilt:

Wenn ihr auf Facebook werbt, ist eure primäre Konkurrenz nicht die andere Marke. Sondern die primäre Konkurrenz sind alle Bilder und alle Posts im Newsfeed.

Podiumsdiskussion mit gutem Praxisbeispiel

Podiumsdiskussion

Die abschließende Podiumsdiskussion war dann ernüchternd und inspirierend zugleich. Ernüchternd, weil drei der vier eingeladenen KMU-Vertreter ebenfalls Buzzword-Tiraden von sich gaben. Außerdem setzen einige von ihnen fünfstellige Facebook Werbebudgets ein und sind damit, meiner Meinung nach, alles andere als repräsentativ für typische KMU. Inspirierend, weil einer der Vertreter – Friseur Ralf Steinhoff aus Reutlingen – wohltuend pragmatisch und praxisnah war.

Er machte deutlich, dass er – im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen auf Facebook – wirklich nur dann postet, wenn er auch etwas zu sagen hat. Er nutzt die Unterstützung seiner Mitarbeiter, um Bilder und Themen zu generieren. So berichtet er beispielsweise über ihre Fortbildungen, dass er in einer geheimen Facebookgruppe Bilder und Beiträge sammelt, die seine Mitarbeiter zur Verfügung stellen, und so seinen Salon auf positive Art und Weise präsentiert.

Er sponsert jeden Beitrag zunächst mit vier Euro und unterstützt gut laufende Beiträge dann mit etwas mehr Geld. Ein pragmatischer, für ihn sehr erfolgreicher Ansatz. Sein abschließender Tipp gilt aus meiner Sicht allen KMU, Freiberuflern, Künstlern, Vereinen, Bildungs- und Sozialträgern, die sich mit dem Einstieg in Facebook oder andere Netzwerke schwer tun:

Lasst euch nicht von der Professionalität oder den Budgets großer Unternehmen und Marken abschrecken.

Das kann ich nur unterstreichen. Mit einer ordentlichen Strategie und einigen Vorüberlegungen heißt es schlicht: Machen, Loslegen! Erfahrung lässt sich nur in der Praxis sammeln.

Dank Jonas Thaysen und Ralf Steinhoff war die Facebook Pro in München schlussendlich doch noch nützlich und sinnvoll. Das Veranstaltungsformat und die Ausrichtung sind insgesamt jedoch problematisch. Hier sollte Facebook nachbessern und sich auf die Zielgruppe KMU besinnen.

P.S. Wer zusätzlich zum Artikel und zur Storehouse Story noch weitere Eindrücke der Facebook Pro Veranstaltung sucht, wird auf Instagram fündig.