Facebook-Werbung: Alles Bot oder was?

Ein neuer Aufreger in Sachen Facebook macht die Runde: Limited Pressing hat die Löschung ihrer Facebookseite angekündigt, nachdem sie a) entdeckt haben will, dass 80 Prozent der Klicks auf ihre Werbeanzeigen von Bots kamen und b) Facebook dem Wunsch nach Namensänderung nur habe nachkommen wollen, wenn das Werbebudget um 2000$ monatlich erhöht werde.

Auf meine Rückfrage erhielt ich folgende Antwort von einem Facebook-Sprecher:

We’re currently investigating their claims. For their issue with the Page name change, there seems to be some sort of miscommunication. We do not charge Pages to have their names changed. Our team is reaching out about this now.

Das trifft ja nun das Problem nicht wirklich… Immerhin wird die Sache aber wohl untersucht.

Für mich stellen sich hier folgende Fragen:

  • Geht das Werbebudget tatsächlich größtenteils für Bot-Klicks drauf?
  • Wie kann sowas überhaupt passieren? Ist das technisch überhaupt möglich?
  • Macht es dann überhaupt noch Sinn, Facebook-Werbung zu schalten?
  • Stimmt es, dass Support nur bei entsprechend hohem Werbebudget gegeben wird? (Und dieses Gerücht hält sich nicht erst seit diesem Vorfall hartnäckig)

Was die Bot-Frage betrifft, habe ich mit meinem technischen Kooperationspartner Alexander Schestag gesprochen. Hier seine Antwort:

Es ist möglich, dass Facebook externe Bots, die die Plattform scannen, nur unzureichend ausfiltert und so die Klicks von Bots zustande kommen. Der Google-Bot ist ein bekanntes Beispiel für so einen Bot. Aber es gibt natürlich noch viele andere Bots. Im Prinzip kann jeder so einen Bot schreiben und damit externe Websites scannen. Wenn ein Bot einem Link folgt, wird das als Klick registriert. Wenn Facebook nun hier nicht ausreichend filtert, erzeugen Bots unter Umständen Klicks auf Werbeanzeigen. Zudem gibt es Hinweise, dass es mittlerweile Bots gibt, die auf sozialen Netzwerken unerkannt interagieren können.

Mein Kollege Frank Tentler, über den ich auf den Vorfall mit Limited Pressing aufmerksam wurde, gab mir zu der Frage „Macht es dann überhaupt noch Sinn, auf Facebook Werbung zu schalten?“ folgendes Statement:

„Sollte sich diese Darstellung bestätigen, kann ich meinen Kunden nur davon abraten, in Facebook-Werbung zu investieren. Sie macht dann keinen Sinn und ginge es nur um sinnfreie Zahlen, ist das Kaufen von „Likes“ wesentlich billiger. Ich kann mir auch vorstellen, dass nicht nur meine Kunden und ich darüber empört wären und uns betrogen fühlten.“

Ich sprach auch meinen Schweizer Kollege Thomas Hutter, der sich intensiv mit Facebook-Werbung und der Frage nach deren Effektivität auseinandersetzt, auf die Sache an. Er sagt:

„Bis heute konnten wir keine Unregelmässigkeiten bei der Schaltung von Facebook Ads feststellen. Sämtliche auf externe Seiten verweisende Kampagnen werden durch Google Analytics oder andere Tracking-Tools gemessen, kleinste Abweichungen sind möglich (wenn z.B. ein Nutzer eine Ad anklickt und vor dem eigentlichen Laden der Seite bereits wieder abspringt). Auch die Umfrage bei befreundeten Dienstleistern sind bis jetzt keine Unauffälligkeiten aufgetreten. Würde Facebook die Werbeausgaben über Bots erhöhen, würde im Gegensatz die Konversionsleistung stark sinken, was wiederum für Facebook ein grosser Nachteil wäre, da heute viele Agenturen die Performance messen und Dienste mit schlechten Konversionsleistungen meiden würden.

Das Umbenennen einer Facebook Seite ist über entsprechende Formulare möglich und funktionierte bei unseren Versuchen in der Vergangenheit in den meisten Fällen auch ohne direkten Kontakt zu Facebook. Ein direkter Kontakt zu Facebook über einen Account Manager ist allerdings tatsächlich nur bei einem Mindestumsatz pro Monat möglich. Der Accountmanager kann entsprechende Änderungen wie das Umbenennen einer Seite vornehmen. Damit der Accountmanager etwas unternimmt, ist ein Werbebudget notwendig.“

Was denken Sie über Facebook-Werbung? Schalten Sie überhaupt Anzeigen dort und wenn ja, wie sind Ihre Erfahrungen damit?

UPDATE: Artikel bei t3n Magazin zum selben Thema

Segeln Sie mit zur stARTconference 2012!

Auch in diesem Jahr findet wieder eine stARTconference in Duisburg statt, diesmal unter dem Motto „navigare“. Und wie schon 2010 bin ich auch diesmal (virtuell) als Sprecher mit von der Partie. Darüber hinaus beteilige ich mich auch am Crowdfunding für die Veranstaltung, die sich richtet an

MitarbeiterInnen von Kulturbetrieben, KünstlerInnen, Agenturen, BeraterInnen, WissenschaftlerInnen und alle, denen Kommunikation im Umfeld von Kunst und Kultur ein Anliegen ist. Natürlich vor allem mit Hilfe von Social Media.

Alles Weitere erklärt Frank Tentler im folgenden Video:

Wer sich also hier angesprochen fühlt, der möge doch bitte mit uns segeln und sich am Crowdfunding für das Projekt beteiligen und Kurs setzen auf http://www.startnext.de/start12. 😉