Was soll ich bloß posten?

Romanischer Dom

Da hat ein Unternehmen die tollsten verschiedenen Produkte, die alle ihre eigenen Anwendungsgebiete und Hintergründe haben, tolle Mitarbeiter, Anekdoten aus langjähriger Firmengeschichte und was weiß ich nicht noch alles und trotzdem kommt bei Beratungen unweigerlich immer die Frage: „Was soll ich bloß posten?“

Wenn ich dann auf die Fülle an vorhandenen Themen aber auch auf die Tatsache hinweise, dass die Postings den Empfänger ansprechen und für ihn relevant sein sollen, kommt oft: „Aber das sind doch bloß trockene Fakten.“ – Wirklich? Klar, man kann einfach die Fakten runterrasseln und das Ganze im Allgemeinen wabern lassen. Aber haben Sie nicht mehr Begeisterung für Ihre eigene Sache? Können Sie es wirklich nicht so aufbereiten, dass der Empfänger gepackt wird? Hier ein Beispiel:

Geschichten zum Anfassen

Während meines Studiums war ich u.a. als Stadtführerin tätig. Das kommt mir heute in der digitalen Kommunikation zugute, denn dabei habe ich gelernt, dass man die Zuhörer nur dann fesselt, wenn die Geschichte für sie greifbar wird. Sehen sie selbst:

So nicht:

„Der Beispielstädter Dom wurde im romanischen Stil erbaut. Kaiser Kuno III. hat den Grundstein im Jahre X gelegt. Kurz darauf starb er. Sein Sohn Kaiser Kuno IV. hat den Dom im Jahre Y im Alter von XY Jahren weihen lassen. Vater, Sohn und dessen Frau Königin Kunigunde wurden in der Krypta beigesetzt. Die Krypta ist der älteste Teil des Domes und wurde bereits im Jahr XX fertiggestellt. Sie ist 10 Meter breit  und 15 Meter lang. Der Dom selbst ist 20 Meter breit und 100 Meter lang. Seine Türme sind 30 Meter hoch.“

Wie weit haben Sie gelesen? Und sind solche Texte nicht genau der Grund, warum die meisten Leute Stadtführungen meiden? Was aber, wenn die Führung statt dessen wie folgt beginnt?

Dann doch lieber so:

Romanischer Dom„Im Beispielstädter Dom spukt es! Glauben Sie nicht? Mehrere Sakristane haben berichtet, dass die Blumen auf Königin Kunigundes Grab über Nacht verwelken…

Kunigunde, die hier die Säule ziert, war die dritte Frau von Kaiser Kuno IV., der im stattlichen Alter von XY Jahren diesen romanischen Dom, der damals die größte Kirche der Welt war, hat weihen lassen. Kunos Vater Kaiser Kuno III. hatte zur Feier der Geburt des Sohnes im Jahr X den Grundstein für den Bau des Doms gelegt, konnte die Fertigstellung des Gebäudes aber nicht mehr erleben, weil er kurz darauf einer Kopfverletzung erlag, die er sich beim Eberjagen zugezogen hatte.

Sehen Sie das Stadttor da hinten? Bis dorthin musste Erde für eine Rampe aufgeschüttet werden, um die Steine für die 30 Meter hohen Türme nach oben zu schaffen. Es gab ja noch keine Baukräne wie heute! Und weil die Überreste der Rampe bei der Einweihung noch nicht ganz weggeräumt waren, soll sich Kunigunde so mit Kuno IV. gestritten haben, dass sie ihn verfluchte, auf ewig in der Krypta umherzuirren…“

Na, haben Sie jetzt Lust, die Krypta zu besuchen? 😉 Auch in diesem Text sind Fakten untergebracht, aber sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht zusammenhanglos aufgelistet. Manch ein Stadtführungsgast erinnert sich so noch lange an die etepetete Kunigunde. 😉

Ihre Sache schmackhaft machen

Genau dasselbe sollten Sie mit Ihren Postings (egal ob Blog oder Social Media) erzielen. Packen Sie die Menschen bei der Neugier, bei für sie relevanten Interessen. Erzählen sie so, dass es greifbar wird. Sprechen Sie die Menschen emotional an, holen Sie sie bei ihren Bedürfnissen ab. Fragen Sie sich (oder ruhig auch direkt die Leser selbst), was Ihre Leser interessiert, welche Fragen Sie haben, welche typischen Probleme oder Anwendungsfälle. Bieten Sie Antworten und Lösungen!

Wie das im Einzelnen aussieht, entscheidet das Material, das Ihnen zur Verfügung steht und die Sache, um die es geht. Aber je konkreter und persönlicher Sie etwas vermitteln, umso besser kommt es an. Dabei sollen Sie nichts erfinden, sondern einfach von Ihrer Sache und, wenn passend, von einem konkreten Anlass erzählen. Vergessen Sie Werbetexte oder Katalogbeschreibungen. Sellen Sie sich stattdessen vor, jemand kommt offline zu Ihnen und fragt Sie nach etwas. Wie würden Sie es ihm erklären, wie das Produkt schmackhaft machen?

Selbsterklärend schreiben

Vergessen Sie dabei nicht, dass Ihre Beiträge in der Regel außerhalb des Kontextes, der für sie selbstverständlich ist, gelesen werden. Und das sowohl räumlich als auch inhaltlich:

  • Social-Media-Beiträge werden im Feed gelesen, nicht auf der Seite selbst, und Blogbesucher kommen per Link auf einen konkreten Artikel, haben also vorher nicht die Über-Uns-Seite etc. gelesen
  • Gehen Sie beim Schreiben raus aus Ihrem Kopf und rein in den des Lesers, der keine Ahnung hat, worum es geht. Kann er nur anhand dieses Textes verstehen, was Sie sagen wollen?

Dieser Punkt fällt den meisten besonders schwer. Zum Üben ist es daher hilfreich, jemanden, der nicht vom Fach ist, zu bitten, mal ein paar Beiträge zu lesen und Rückmeldung zu geben, ob er/sie alles verstanden hat, oder wo es noch Schwierigkeiten gibt. Bitten Sie denjenigen explizit darum, ehrlich zu sein und Ihnen nicht Honig ums Maul zu schmieren. Gerade Freunde oder Familienmitglieder wollen einen ja nicht verletzen und reden die Sache dann vielleicht schöner als sie eigentlich ist. Alternativ stehe ich natürlich auch gern für Beratungen zur Verfügung. 😉

Zusammengefasst

  • Geschichten greifbar erzählen
  • Relevante Themen und persönliche Ansprache
  • Beiträge selbsterklärend schreiben

Haben Sie Fragen dazu? Dann freue ich mich über Rückmeldung in den Kommentaren! 🙂

 

PS. Ja, das ist der Speyerer Dom auf meinem Foto, denn da war ich Stadtführerin.
Die Spukgeschichte ist allerdings erfunden und dient nur Demonstrationszwecken. 😉

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

3 Kommentare

  1. Prima Beitrag – wie immer. Genau so bekommt man das Kopfkino auf Touren und lässt Filme ablaufen. Das mit der Geistergeschichte ist wirklich super und ein guter Kreativ-Schups für eigene Postings. Danke dafür!

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