WordPress für Einsteiger verständlich machen – Ein Interview mit Peter Müller

Einstieg in Wordpress 4 von Peter Müller

Heute erscheint das Buch „Einstieg in WordPress 4“ von Peter Müller bei Rheinwerk Verlag, dessen Entstehung ich mit meinen freien Mitarbeiterinnen Ulrike, Rebecca und meiner damaligen Mentee Alexandra begleiten durfte. Wie es dazu kam, habe ich in einem eigenen Artikel im Newsroom von schwindt-pr festgehalten. Ich selbst habe für das Buch als Fachgutachterin fungiert und das Geleitwort geschrieben.

Einstieg in WordPress 4 von Peter MüllerDass es mal zu so einer tollen Zusammenarbeit mit meinem großen Autorenvorbild kommen würde, hätte ich noch vor ein paar Jahren nicht geglaubt… Mehr zum Thema WordPress und zum Buch habe ich Peter im folgenden Interview gefragt:

Man kennt Dich ja v.a. als Fachmann für HTML und CSS. Warum dann jetzt ein Buch über WordPress?

HTML und CSS sind als Basistechniken beim Erstellen von Webseiten ja eher Mittel zum Zweck. In erster Linie interessiert mich aber schon immer das Webpublishing, also das Veröffentlichen im Web. Von daher habe ich auch einige Bücher über die Verwendung von Content Management Systemen geschrieben, von Jimdo.com bis zu Contao.

WordPress hat sich in den letzten Jahren zum mit Abstand meist genutzten Blog- und CMSystem entwickelt und ist inzwischen der Motor hinter mehr als 20% aller Websites. Dabei schafft es den Spagat zwischen leichter Bedienbarkeit einerseits und großer Leistungsfähigkeit andererseits besser als viele andere Systeme.

Ich kenne WordPress schon seit es 2003 der offizielle Nachfolger von „b2/cafelog“ wurde, und als mein Lektor bei Rheinwerk mich fragte, ob ich Lust hätte, nach dem „Einstieg in CSS“ in derselben Reihe ein „Einstieg in WordPress“ zu schreiben, habe ich nicht lange gezögert.

Muss, wer WordPress nutzen will, unbedingt HTML und CSS können?

Nein. Das ist ja das Schöne an der Sache und auch eine Besonderheit an dem Buch. In „Einstieg in WordPress“ gibt es nur ganz wenig HTML, kaum CSS und überhaupt kein JavaScript oder PHP, und trotzdem hat man am Ende eine professionelle Website.

WordPress beziehungsweise das verwendete Theme erzeugen das benötigte HTML und CSS automatisch. Je mehr man seine Seiten anpassen und individualisieren möchte, desto wichtiger werden dann auch Kenntnisse in HTML, CSS und anderen Sprachen und Zusammenhängen, aber der Einstieg in WordPress ist problemlos ohne möglich.

Ist WordPress besser als andere Content Management Systeme (CMS)? Warum?

Bei CMSystemen geht es meist nicht unbedingt um besser oder schlechter, sondern eher darum, was man erreichen möchte und welches System der beste Weg dorthin ist.

TYPO3 zum Beispiel ist bestimmt kein schlechtes CMS, aber für eine kleine Website einfach überdimensioniert. Man nimmt auch keinen Jumbo Jet, um von Köln nach München zu fliegen, aber darum ist der Jumbo kein schlechtes Flugzeug.

Was WordPress so besonders macht, kann man glaube ich in interne und externe Faktoren unterteilen:

Intern sind z. B. das übersichtliche Backend, die eingebauten Filtermöglichkeiten für Beiträge nach Datum, Kategorien, Autoren und Schlagworten und die pfiffige Menüerstellung, bei der man Kategorien und Seiten nach Belieben mischen kann.
Extern ist es das gesamte Ökosystem, das rund um WordPress entstanden ist, mit unzähligen Themes, Plugins und Dienstleistern sowie einer weltweiten Community. Wenn man mit WordPress ein Problem hat, ist man nicht alleine.

Mit dieser Mischung ermöglicht WordPress in der Breite einen leichten Einstieg für kleine Websites und Blogs, ist aber in der Tiefe auch für größere Websites leistungsfähig genug. Mit entsprechendem Know-how kann WordPress auch mehrsprachige Websites, Shops oder große Online-Magazine betreiben.

WordPress.com oder .org – was ist für wen gut?

Der Unterschied wird in „Einstieg in WordPress“ ausführlich erläutert, aber die Kurzfassung ist wie folgt:

WordPress.org ist WordPress zum Installieren auf dem eigenen Webspace. Das ist wie ein Eigenheim. Damit ist fast alles möglich, aber wenn bei klirrender Kälte die Heizung ausfällt, muss man sich selbst drum kümmern.
WordPress.com hingegen ist wie eine Mietwohnung. Man kann dort nicht nach Belieben Wände einreißen, aber um Heizung und Technik kümmert sich der Vermieter.

WordPress.com war bei den Recherchen zum Buch für mich übrigens eine der positiven Überraschungen, denn es hat sich in den letzten zehn Jahren von einem netten Spielzeug zu einem durchaus brauchbaren Werkzeug entwickelt.

Natürlich hat man mit einem selbst gehosteten WordPress mehr Möglichkeiten, aber die Frage ist, ob man die wirklich alle benötigt. Mehr dazu dann im Buch 😉

peter1Setzt Du WordPress auch für Deine eigenen Projekte ein? Wie, warum?

Bei CMSystemen geht es wie gesagt nicht unbedingt um besser oder schlechter, sondern um adäquat:

Wenn bei einer Website ein Blog die zentrale Komponente sein soll, dann ist WordPress dran.
Wenn Beiträge nach verschiedenen Kriterien einfach gefiltert werden sollen – WordPress.
Wenn Interaktion mit Besuchern und sozialen Netzen wichtig ist, hat WordPress ein Heimspiel.
Und auch wenn man ohne viel Aufwand eine kleine Website erstellen möchte, hat WordPress mit seinen unzähligen fertigen Themes und Plugins eine Menge zu bieten.

Aber WordPress ist nicht immer die richtige Wahl. Wenn z. B. bei einer Website die Verwaltung von Seiten zentral steht, dann gibt es bessere Systeme. Auf little-boxes.de z. B. ist der Blog Nebensache. Am Wichtigsten ist dort die Online-Version von „Little Boxes“, und die besteht aus Hunderten von Seiten. Zu deren Verwaltung ist ein seitenbasiertes System mit Inhaltselementen wie Contao einfach besser geeignet.

Natürlich gibt es für WordPress Seitenverwaltungs-Plugins und andere Erweiterungen, aber Contao kann das von Haus aus. Dafür kann man damit nicht so flexibel Beiträge filtern, und es gibt so viele fertige Themes. Alles Handarbeit. Ohne HTML und CSS kommt man da nicht weit.

Welche Funktionen fehlen Dir noch in WordPress?

Out of the box? Das Konzept der Inhaltselemente, so wie es das bei Contao, TYPO3 oder auch Jimdo.com gibt. Definitiv.

Bei WordPress steht normalerweise der ganze Beitrag bzw. die ganze Seite in einem einzigen Editorfenster. Inhaltselemente teilen einen Beitrag oder eine Seite hingegen in mehrere Scheibchen auf.

Ein solches „Inhaltselementscheibchen“ ist dann zum Beispiel eine Textpassage mit einem Bild daneben. Darunter kommt dann als nächstes Scheibchen eine Bildergalerie oder ein Akkordeon (zum Ein- und Ausklappen). Diese Scheibchen kann man dann im Backend verschieben, kopieren, verknüpfen, in anderen Beiträgen oder Seiten wieder einfügen und so weiter.

Ansonsten kann man bei WordPress fehlende Funktionen ja mit Plugins nachrüsten, und es gibt ja wirklich für (fast) jede Anforderung ein entsprechendes Plugin.

Welche sind Deine Lieblings-Themes für WordPress und warum?

Die Standardthemes von WordPress wie Twenty Twelve oder Twenty Fifteen sind zum Kennenlernen von WordPress sehr gut geeignet. Ansonsten gefallen mir persönlich eher schlichte und aufgeräumte Themes wie die von Anders Norén oder Elma Studio gut, aber das passt auch nicht für jede Site.

Die Theme-Auswahl ist inzwischen so groß, dass die Sache sagen wir mal unübersichtlich geworden ist. Die Qual der Wahl, buchstäblich. Gerade hat man sich entschieden, lies man irgendwo wieder „Dieses Theme müsst ihr euch unbedingt anschauen, danach wollt ihr nichts anderes mehr“. Bis jetzt habe ich das „Killer-Theme“ aber noch nicht kennengelernt.

Was sind Deine Lieblings-Plugins und warum?

Auch hier kann ich nicht wirklich Namen nennen. Meine Lieblings-Plugins erfüllen die Aufgabe für die sie geschrieben wurden, sind sicher und sauber programmiert und werden auch lange nach der Erstellung noch mit Updates versorgt.

Hast Du noch einen Geheimtipp für WordPress-Nutzer?

Geheimtipp nicht wirklich, aber eine Empfehlung: Widersteht der Versuchung, am Anfang einfach ein Theme nach dem anderen auszuprobieren und dann irgendwann zu sagen, „Boah, sieht das geil aus! Fertig!“.

Das ist sehr verlockend, aber gutes Aussehen ist nicht alles. Besucher kommen eher wegen der Inhalte. Das Aussehen dient nur dazu, den Inhalt in ein gutes Licht zu stellen.

Lernt am Anfang die Grundprinzipien von WordPress kennen, bevor ihr richtig loslegt. Was ist der Unterschied zwischen Beiträgen und Seiten? Wie benutzt man Kategorien und Schlagwörter richtig? Was kann man mit Widgets machen und wie erstellt man Menüs? Wie verwaltet und optimiert man Grafiken und andere Medien? Wie kommen die Beiträge am besten in die Suchmaschinen? Und wie bereitet man sie so auf, dass man sie auf Facebook & Co. leicht weitersagen kann? Lauter solche Sachen.

Wenn man das nicht macht, steckt man die anfangs gesparte Zeit hinterher zur Ausbesserung oft doppelt und dreifach wieder rein. Genau deshalb habe ich den „Einstieg in WordPress“ geschrieben.

Herzlichen Dank für das Interview
und die großartige Zusammenarbeit, lieber Peter! 🙂

Das Buch „Einstieg in WordPress 4“ gibt es als Print und E-Book.
Leseprobe, Inhaltsverzeichnis und weitere Infos unter
https://www.rheinwerk-verlag.de/einstieg-in-wordpress-4_3627.

Auf Peter Müllers Website gibt es außerdem ein Zusatzkapitel zum Thema SEO:
http://pmueller.de/downloads.html

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

15 Kommentare

  1. hmmm….. 🙂 jetzt werde ich mir das Buch holen müssen.

    aber die Frage bleibt immer noch wie die kleinen wichtigen Details wie XML und nützliche Plugins nutzen kann! oder werden die im Buch beantwortet?

    1. Wenn Sie mit „XML“ das „Daten exportieren“ meinen, das wird in Kapitel 18.2 erklärt. Und nützliche Plugins werden immer zwischendurch erwähnt und ab Kapitel 15 erklärt.

  2. Findet man da auch etwas zum Thema Sicherheit, was über die -normalen- Tipps hinausgeht? WP erscheint mir trotz hochgradiger Absicherung meiner Webseite mit den bekannten Mitteln löchrig und angreifbar wie ein Sieb. Deutlicher Minuspunkt des Systems. Da bietet Contao z.B. besseres.

    1. > etwas zum Thema Sicherheit, was über die -normalen- Tipps hinausgeht?
      Ich nehme an, dass du mit „normale Tipps“ so Dinge meinst wie WP, Themes und Plugins aktuell halten, das Jetpack-Modul Schützen aktivieren, Inhalte nicht als Admin erstellen (sondern als Redakteur), den Admin-Benutzer nicht Admin zu nennen und so weiter. Das ist alles drin. Aber eine Art „Zauberformel“, die WP unangreifbar macht, gibt’s auch in diesem Buch nicht. Du kennst das Plugin „Wordfence Security“?

      > WP erscheint mir trotz hochgradiger Absicherung meiner Webseite …
      Wenn du WP bereits kennst und eine „hochgradige Absicherung“ implementiert hast, dann ist ein Einsteigerbuch vielleicht nicht wirklich die richtige Quelle für weitergehende Maßnahmen 😉

      1. Lieber Peter! Danke für die Auskunft! Ja, das meinte ich damit. Mir fehlt bei allen Systemen ein Fachbuch auf dem Markt, wo das mehr oder detailierter zur Sprache kommt. Ich glaube, Du wärst der perfekte Mann, ein solches Buch zu schreiben!

        Klar, 100% Sicherheit wird es nicht geben. Aber in den meisten Büchern, egal ob zu Joomla, Contao, Typo3 wird das Kapitel Sicherheit oft sehr wenig bis gar nicht angesprochen. Einzig die „Für Dummies“ Reihe hat hier und da dran gedacht, wenn auch nur rudimentär.

        Viel Erfolg für das Buch! Ich werde dennoch mal reinschauen nächste Woche und es ggf. kaufen, weil ich quasi alle Deine Bücher gerne kaufe. Sie bieten immer auch ein schönes Nachschlagwerk! Danke für Deine Mühe!

  3. Also erst einmal ein großes Kompliment für diesen Beitrag, werde mir wohl auch dieses Buch holen:)!

    Das Argument von Ingo, dass WordPress löchrig und angreifbarer als andere Systeme sind, kann ich nun gar nicht teilen. Es kommt ja nun definitiv darauf an, welche Schutzmaßnahmen man im Hintergrund aktiviert und somit wieder der Punkt aufkommt, was ist wirklich adäquat für meine Seite;)

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