„Erfahrung wächst durchs Tun“ – Interview mit Christian Müller zu #meinweginsweb

Christian Müller

Ich weiß gar nicht mehr, wie und wann es dazu kam, dass Christian Müller und ich angefangen haben, uns so häufig und intensiv auszutauschen. Ich erinnere mich noch an seinen Podcast zum Thema Blogpraktikum, der schließlich dazu geführt hat, dass sowohl er als auch ich heute als Mentoren unterwegs sind. Inzwischen gehört Christian fest zu meinem Netzwerk. Heute erzählt er uns, wie er seinen Weg nach Digitalien gefunden hat:

Christian MüllerBitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Tätigkeit, Website, Facebook, Twitter, Google+, drei Hashtags)

Christian Müller, wohnhaft in Stuttgart. Kommunikationsberater, Mobile Videograf, Lebenskarriere-Coach und Blogger. Anders formuliert: Ein aktiver Netzbewohner, für den Social Media und die Kommunikation über die verschiedensten Kanäle natürlicher Teil des täglichen Lebens und der zwischenmenschlichen Kommunikation sind – privat wie beruflich.

Seit wann bist Du online unterwegs, wann hast Du angefangen zu bloggen und wann bist Du dem ersten sozialen Netzwerk beigetreten? Wie bist Du dazu gekommen?

Online bin ich seit Anfang der 2000er Jahre. Lange Zeit – ungefähr bis zu meinem 18. Lebensjahr – war ich übrigens Gegner von Handys und Internet, danach kam eine recht radikale Kehrtwende. Mein erstes soziales Netzwerk war StudiVZ, dicht gefolgt von Twitter. Darauf gekommen bin ich über meine Affinität fürs Schreiben, die mich zum Bloggen und schließlich zur Karrierebibel und davor in die sozialen Netzwerke geführt hat.

Der Weg war übrigens keineswegs absehbar. Ursprünglich habe ich Sozialpädagogik studiert und war mir sicher, dass ich auch in diesem Bereich dauerhaft arbeiten würde. Aber Pläne sind ja dazu da, um geändert zu werden.

Gab es Menschen, die Dich persönlich oder durch Ihre Veröffentlichungen bei Deinem Einstieg ins Social Web begleitet haben?

Zuerst muss ich hier ganz klar Jochen Mai nennen, der mich nicht nur durch seine Artikel, sondern vor allem durch die Chance des Praktikums und danach durch die freie Mitarbeiter unterstützt und geprägt hat. Von ihm konnte und durfte ich auch extrem viel lernen – übrigens bis heute. Dafür bin ich nach wie vor dankbar.

Doch auch Annette Schwindt habe ich früh gelesen und von ihr gelernt, auch Jan Tißler habe ich früh – damals noch auf den Blogwerk Blogs – gelesen und von ihm gelernt. Und auch Alex Olma vom iPhone Blog habe ich früh gelesen.

Natürlich gehörte auch Klaus Eck zu den einflussreichen Autoren, das bleibt glaube ich nicht aus.

Wie hat sich Dein Weg in Sachen digitale Kommunikation dann bis heute weiterentwickelt (nenne die wichtigsten Meilensteine)?

Der Beginn bestand aus einem Blog auf Blogspot, darauf folgte das Macoholic Blog, dann die Karrierebibel, dann sozial-pr. Nach und nach kamen Videos und ein eigener Podcast dazu, dann auch das Lebenskarriere Blog und das Chromebookblog. Was sich vor allem verändert hat, ist mein Umgang mit den Netzwerken. Zu Beginn waren sie alle etwas besonders, heute gehören sie selbstverständlich dazu. Zwar faszinieren mich die Möglichkeiten immer noch jeden Tag, doch ich nutze die Kommunikationswege viel selbstverständlicher.

Gibt es Fehler, die Du auf Deinem Weg gemacht hast und wie können andere diese vermeiden?

Ganz klar: Zu viele Baustellen und zu viel Output. Ab einem gewissen Punkt lässt sich eine hohe Frequenz auf zu vielen Kanälen nicht mehr aufrecht erhalten und/oder geht auf Kosten der Qualität. Heute bin ich da viel entspannter. Mein wichtigster Tipp: Befasse Dich nur mit Themen, die Dich wirklich interessieren und voranbringen. Du musst nicht jeden Tag schreiben, aber wenn Du etwas veröffentlichst, muss die Qualität stimmen. Und halte nicht mit Deiner Meinung hinterm Berge. Profile brauchen Persönlichkeit mit Ecken und Kanten.

Und wenn Du bloggst: Produziere nicht einfach Content. Finde Deine Kernthemen, erstelle dazu hochwertige Inhalte und baue diese nach und nach aus. Das kann auch heißen, alte Artikel auszubauen, statt neue zu schreiben. Besetze Deine Themen und verzettle Dich nicht.

Welche Wege empfiehlst Du Einsteigern oder denen, die sich in Sachen digitale Kommunikation fortbilden wollen?

Drei englische Worte: Just do it. Sicher, die Grundlagen der Social Media und der Kommunikation lassen sich theoretisch lernen und anlesen und der eine oder andere Kurs kann auch helfen. Doch echte Erfahrung und Kompetenz wächst erst durchs Tun, durch die Praxis.

Die Betonung liegt hier auf wächst. Denn es handelt sich um einen stetigen Lern- und Entwicklungsprozess und jeder – egal wie lange aktiv oder dabei – kann noch dazu lernen.

Ganz wichtig ist für mich auch das Thema Netzwerken. Beziehungen und Kontakte aufzubauen nimmt Zeit in Anspruch. Und Du musst in Vorleistung gehen. Wenn du mit einer soliden Basis und einer guten Reputation – Tipp: Die Zahl der Follower ist zweitranging, ihre Qualität entscheidet – Kontakt aufnimmst, wirst du meist auf offenen Türen treffen. Übrigens auch bei den so genannten “großen” der Branche. Sie sind auch nur Menschen. Hier gilt: Trau dich, sprich sie an – aber mit klaren Themen und einer guten Basis. Wer kommt und einfach nur will, muss sich über Ablehnung nicht wundern.

Welches ist Dein bevorzugtes soziales Netzwerk und warum?

Am kommunikativsten: Ganz klar Twitter. Am inspirierendsten: YouTube. Am liebsten: Google+. Ich liebe das Niveau der Diskussionen dort und schätze Hangouts sehr. Periscope nimmt gerade übrigens auch einen größeren Stellenwert ein.

Welche aktuellen Entwicklungen in der digitalen Kommunikation findest Du besonders spannend?

Ich finde es enorm spannend, dass Livestreaming auf einmal auf dem Radar vieler Menschen auftaucht. Meerkat und Periscope haben da etwas geschafft, was durch Hangouts on Air nicht gelungen war.

Die zweite spannende Entwicklung betrifft Blogs. Aktuell geht die Entwicklung stark in Richtung von Content Hubs oder Social Mags. Zu deutsch: Das klassische Blog tritt in den Hintergrund, multimediale Seiten zu bestimmten Themen nehmen ihren Platz ein.

Dazu passt auch mein Tipp oben: Es geht nicht mehr darum, ständig neue Artikel zu schreiben. Stattdessen zählt, bestimmte Themen optimal abzubilden und nutzerrelevante, attraktive Inhalte mit viel Informationsgehalt und Wert zu schaffen. Wer sich für diese Entwicklung interessiert, sollte unbedingt mal bei Karl Kratz vorbeischauen.

Gibt es noch etwas, das Du den Lesern zum Thema Social Web oder digitalen Kommunikation allgemein mitgeben möchtest?

Drei Punkte, die jeder, der meine Artikel liest, bereits kennt. Ich wiederhole sie trotzdem, weil sie für mich einfach der Kern der Kommunikation darstellen.

1.   Du sprichst mit Menschen. Immer. Egal ob Du für ein Unternehmen arbeitest oder für Dich selbst kommunizierst: Du kommunizierst mit Menschen. Bring Ihnen den Respekt und die Wertschätzung entgegen, die sie verdienen.

2.   Kommuniziere mit Leidenschaft. Bleib Deinen Themen treu. Spring nicht auf jeden Zug oder auf jedes populäre Thema auf. Reichweite ist nicht alles, Qualität zählt. Für mich ist eine Frage der Maßstab: Kann ich das tun und morgen noch guten Gewissens in den Spiegel schauen? Die Antwort ist meist klar.

3.   Experimentiere. Trau Dich, neue Wege zu gehen, Neues auszuprobieren und auch mal zu scheitern. Fehler gehören dazu, unpopuläre Meinungen und Standpunkte auch. Verbiege Dich nicht für andere, bleib Dir treu und offen für Neues. Es lohnt sich.

 Vielen Dank für Deine Antworten, lieber Christian! 🙂

Diese Interviewreihe geht weiter, derzeit liegen mir aber keine weiteren Antworten vor.
Alle Interviews dieser Reihe können nachgelesen werden unter
http://www.schwindt-pr.com/tag/meinweginsweb.

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.