„Social Media beginnen und enden stets offline“ – Interview mit Lars Hahn zu #meinweginsweb

Lars Hahn

Ich weiß gar nicht, wie lange mein heutiger Interviewpartner und ich uns schon auf diveresen Kanälen folgen. Ich erinnere mich aber, dass er einer von denen ist, die mich immer wieder von Xing zu überzeugen versucht haben, nachdem ich dieses Netzwerk vor einiger Zeit aufgegeben hatte. Inzwischen bin ich wieder dort, was sicher auch mit Lars Hahns Überzeugungsarbeit zu tun hat. 😉 Wie er seinen Weg ins Web fand erzählt er hier:

Bitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Tätigkeit, Website, Facebook, Twitter, Google+, drei Hashtags)

Lars HahnHi! Mein Name ist Lars Hahn. Weiterbildung, Karriere und Netzwerken sind meine beruflichen Themen. Ich leite im Ruhrgebiet die LVQ Weiterbildung gGmbH. Dort machen wir nicht nur fachliche Weiterbildung, sondern beraten Menschen in beruflichen Umbruchsituationen in Sachen Karriere, Jobsuche und Netzwerken. Wir bloggen dazu sogar in unserem noch jungen Corporate Blog.

Social Media begeistern mich. Neben den geschäftlichen Aktivitäten im Web und meinem Blog Systematisch Kaffeetrinken treibe ich mich besonders gern bei Instagram rum. Seit 2012 veranstalte ich mit Gleichgesinnten – einfach nur mal so – den Instawalk Ruhr, wo per Instagram im realen Leben das Ruhrgebiet spazierend fotografisch eingefangen wird.

Seit wann bist Du online unterwegs, wann hast Du angefangen zu bloggen und wann bist Du dem ersten sozialen Netzwerk beigetreten? Wie bist Du dazu gekommen?

1994 erhielt ich ganz stolz mein erstes E-Mail-Konto nebst Webzugang. Dazu musste ich seinerzeit einen dreifachen schriftlichen Antrag beim Rechenzentrum einreichen. Öffnungszeit mittwochs 9 bis 11 Uhr, Wartezeit auf Mailadresse zwei Wochen. Meine erste Telefonrechnung in Modemzeiten betrug 185 Mark. Nix Flatrate.

1996 eröffnete ich dann mein prähistorisches Blog im Web 1.0, eine Webseite, die mich immerhin offline auf diverse Fach-Tagungen brachte. Irgendwie auch schon social.

Mein erstes ernst zu nehmendes soziales Netzwerk im Web hieß allen Ernstes OpenBC heute bekannt als XING. Ich war grad selbst auf Jobsuche und irgendeiner meinte, dafür sei OpenBC ganz nett. Überschaubar war das ganze damals noch: 250.000 Mitglieder. 2005.

Gab es Menschen, die Dich persönlich oder durch Ihre Veröffentlichungen bei Deinem Einstieg ins Social Web begleitet haben?

Bekanntermaßen sind meine Themen Netzwerken und Karriere. Klar, dass Jochen Mai mit seinem Blog karrierebibel.de direkt beim Start von mir abonniert wurde. Gleiches gilt für das Blog von Karriereexpertin Svenja Hofert. Beide für mich die Wegbereiter des Genres der Berufs- und Karriereblogger.

PR-Doktor Kerstin Hoffmann hat meinen Weg ins und durchs Social Web persönlich wie fachlich am stärksten beeinflusst. Gerade das Thema Positionierung per Prinzip Kostenlos hat mich sehr inspiriert. Systematisch Kaffeetrinken ist letztlich dadurch entstanden. Bei dieser Gelegenheit kann ich ja mal Danke dafür sagen, Kerstin!

Wie hat sich Dein Weg in Sachen digitale Kommunikation dann bis heute weiterentwickelt (nenne die wichtigsten Meilensteine)?

XING und LinkedIn nutze ich beruflich auch beratend für Menschen während des Jobwechsels. Mittlerweile halte ich dadurch über das Thema Berufliches Netzwerken regelmäßig Vorträge.

Bei Facebook bin ich eher Spätzünder. Erst 2008 kam ich richtig dazu.

2010 begannen wir dann bei uns, die Social Media Weiterbildung zu konzipieren. Parallel gab’s das erste Smartphone. Spätestens da war der Knoten geplatzt und Lars Hahn fand sich auf vielen Kanälen. Neben Twitter kamen Google Plus, foursquare/swarm, Pinterest, Instagram und allerlei andere Plattform teils temporär hinzu.

Seit 2013 blogge ich gleich zweifach.

Gibt es Fehler, die Du auf Deinem Weg gemacht hast und wie können andere diese vermeiden?

Lange Zeit habe ich mich in den diversen Kanälen rumgetrieben und virtuell quasi verstreut, ohne dass Lars Hahn und das, was ich den Menschen mitteilen wollte, wirklich greifbar wurde. Virtuelles Verzetteln sozusagen. Erst durch eine persönliche „Strategie“, das was ich gerne Karriere-SEO nenne, und durch das Bloggen hat sich das geändert. In den einzelnen Social Media Kanälen mache vielleicht sogar weniger als früher, aber die Sichtbarkeit hat wohl eher zugenommen.

Welche Wege empfiehlst Du Einsteigern oder denen, die sich in Sachen digitale Kommunikation fortbilden wollen?

Was Fortbildung angeht? Natürlich bin ich als Weiterbildungsmann ein Verfechter für formale Kurse und Seminare. Eine berufliche Weiterbildung beispielsweise zum Social Media Manager kann eine konzentrierte Wissensvermittlung sein, die Du sonst nur mit viel Zeitaufwand und weniger Systematik allein hinbekommst. Allerdings: Die Praxis kommt stets nur durch die Praxis.

Falls Du aber eine Weiterbildung beabsichtigen würdest, dann würde ich darauf achten, dass die Trainer live agieren und dass sie Praktiker sind. Ansonsten bin ich ja befangen, denn bei uns kann man ja solche Sachen lernen.

Welches ist Dein bevorzugtes soziales Netzwerk und warum?

Mein Lieblingsnetzwerk ist Twitter. Es ist rasant und Du bist bei 140 Zeichen gezwungen, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Welche aktuellen Entwicklungen in der digitalen Kommunikation findest Du besonders spannend?

Interessant finde ich, dass immer mehr Kommunikation im Social Web bewusst vor der breiten Öffentlichkeit verborgen wird. Whatsapp ist das Paradebeispiel.

Noch spannender wird es werden, wenn ein zweites gesellschaftliches Grundbedürfnis neben der Kommunikation so richtig digitalisiert wird: Die Mobilität. Google Driverless Car lässt grüßen.

Gibt es noch etwas, das Du den Lesern zum Thema Social Web oder digitale Kommunikation allgemein mitgeben möchtest?

Social Media beginnen und enden stets offline. Die ganze Digitalisierung der Kommunikation ist spannend, hilfreich, bisweilen vielleicht auch ein wenig verwirrend und beunruhigend. Aber letztlich spiegelt sich darin stets genau das, was die Menschen vorher schon offline taten. Nur viel transparenter und nachvollziehbarer.

Nur: Atmen, essen, schlafen, küssen – manche Dinge sind und bleiben offline einfach schöner. Dazu gehört übrigens auch Systematisch Kaffeetrinken.

Vielen Dank für Deine Antworten, Lars. 🙂

In der kommenden Woche wird uns Johannes Lenz von seinem Weg ins Web erzählen.
Alle Interviews dieser Reihe können nachgelesen werden unter
http://www.schwindt-pr.com/tag/meinweginsweb/

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank, Frau Schwindt, für Ihren engagierten Einsatz in Sachen Social Media. Ich bin Ihr Fan!
    Und vielen Dank, lieber Lars. Als Teilnehmer eines der LVQ-Kurse wurde ich vielfach sozial-medial inspiriert und kämpfe mich nun durch die Wirren von SoMe. Rückblickend hätte ich mir zwar etwas mehr Orientierung gewünscht – die, die du dir seinerzeit wohl selbst erarbeiten musstest. Aber vielleicht muss man das ja auch immer für sich selbst?!? Besonders schön der Satz „Nur: Atmen, essen, schlafen, küssen – manche Dinge sind und bleiben offline einfach schöner.“ Der erdet. Man schaut aus dem Fenster und sagt sich: Heut ist schönes Wetter, ich geh an den Rhein. Und dann kommt der nächste RSS-Feed …
    Beste Grüße, F. Wengenroth

  2. Danke für die Komplimente, Frank. Bisweilen sorgen Social Media-Weiterbildungen durch die Komprimiertheit vielleicht mehr für Des- als Orientierung. Und der Rest kommt später: Die Praxis kommt stets nur durch die Praxis eben.

    Dir liebe Annette noch einmal Danke für die Möglichkeit zum Interview. Mit Abstand gelesen ganz spannend, wie der Lars so durchs Web wandelt. Insgesamt ne tolle Serie. Macht Spaß zu erfahren, wie die anderen dieses Internet erfahren.

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