Texten fürs Netz – Twitter

Twittervogel

Twitter kann das vergangene Jahr 2014 – zu mindest in Deutschland – als sehr erfolgreiches Jahr verbuchen: Es ist auf Platz zwei der meist genutzten Netzwerke aufgestiegen. Aus diesem Grund widme ich mich in diesem zweiten Artikel meiner Serie über das Texten im Netz Twitter.

kurz, dialogisch, öffentlich – Grundlagen für das Texten auf Twitter

TwittervogelSie haben bereits ein eigenes Profil auf Twitter und haben sich schon etwas umgesehen? Dann wissen Sie, dass hier Gespräche kurz (in maximal 140 Zeichen), offen, direkt und öffentlich geführt und Informationen ausgetauscht und geteilt werden. Sie finden hier oft den neuesten Wissensstand zu Themen und aktuellen Ereignissen. Aus dieser kurzen Beschreibung ergeben sich die drei wichtigsten Grundlagen für das Texten auf Twitter:

  • Fassen Sie sich kurz!
  • Auf Twitter führt man Gespräche!
  • Die Kommunikation auf Twitter ist öffentlich!

Der Tipp „Fassen Sie sich kurz“ mag im Zusammenhang mit einer Kommunikationsplattform, auf der Sie sowieso nur 140 Zeichen zur Verfügung haben, zunächst seltsam klingen. Der Aspekt „Kürze“ ist aber sowohl in Bezug auf den Inhalt des Tweets als auch bezüglich der Anzahl der Zeichen existenziell wichtig. Packen Sie nicht zu viel in einen Tweet. Eine Information oder ein Aspekt eines Themas, klar formuliert, sodass jeder die Aussage auch unabhängig von einem größeren Kontext versteht, mehr gehört nicht in einen guten Tweet. Von längeren Texten, über mehrere Tweets verteilt, rate ich dringend ab.

Die ideale Länge eines Tweets in Bezug auf die Anzahl der Zeichen liegt bei 100 bis 120. Berücksichtigen Sie beim Verfassen, ob Sie einen Link oder ein Bild einfügen wollen, denn dann stehen Ihnen für den reinen Text weniger Zeichen zur Verfügung. Bilder brauchen ca. 26 Zeichen, Links 22 Zeichen. Längere Links werden von Twitter automatisch auf diese 22 Zeichen gekürzt. Lassen Sie ihren Followern auch ein paar Zeichen Platz, damit sie Sie retweeten oder Ihre Tweets kommentieren können.

Gespräche führen bedeutet dialogisch texten. Überlegen Sie, was Ihre Follower von Ihnen wissen möchten. Welchen Nutzen haben Ihre Follower durch Ihre Tweets? Was möchten Sie von ihren Followern wissen? Wählen Sie für Ihre Tweets einen lockeren und authentischen Stil. Auch wenn sich viele Twitterer noch nie persönlich getroffen haben, unterhalten sie sich doch meistens locker und persönlich. Sprechen Sie Ihre Follower direkt an, stellen Sie ihnen Fragen, bitten Sie sie um etwas. Beispielsweise werden Tweets, in denen aktiv um einen Retweet gebeten wird, tatsächlich öfter retweetet. Gespräche führen heißt auch im Gespräch bleiben. Seien Sie also regelmäßig, möglichst täglich, auf Twitter aktiv.

Gespräche auf Twitter sind öffentlich. Seien Sie sich dessen immer bewusst. Ihre Tweets kann jeder lesen, sogar wenn er keinen eigenen Twitter-Account hat. Diese Öffentlichkeit können Sie zu Ihrem Vorteil nutzen und sich eine Online-Reputation aufbauen indem Sie kompetent und aktuell zu bestimmten Themen twittern. Ein schnell rausgehauener Tweet nach einem Streit mit dem Chef kann dagegen unangenehme Folgen haben.

Kurator für Ihre Follower sein

Neben selbst verfassten Tweets ist das Weitersagen von Inhalten Dritter eine wichtige Funktion und bereichert den Dialog mit Ihren Followern. Schlüpfen Sie in die Rolle des Kurators für Ihre Follower und empfehlen Sie interessante Inhalte, die einen Mehrwert bieten. Auch über solche Empfehlungen können Sie gut Gespräche beginnen. Innerhalb von Twitter sagen Sie Tweets anderer Nutzer per Retweet (Button mit dem Doppelpfeil) weiter. Der Retweet wiederholt den Originaltweet. Der ursprüngliche Absender bleibt dabei bestehen.

Retweet ohne eigenen Kommentar
Retweet ohne eigenen Kommentar

Sie haben auch die Möglichkeit, Tweets per „Tweet zitieren“ (nur mobil) weiterzusagen. Bei dieser Funktion erscheinen Sie selbst als Absender, Sie können den Originaltweet kommentieren und Ihren Followern sagen, warum Sie diesen Tweet empfehlen.

Retweet mit Kommentar - Durch +1 zeige ich dem Urheber des Tweets an, dass ich ihm vogänzlich zustimme.
Retweet mit Kommentar – Durch +1 zeige ich, dass ich dem Urheber des Tweets zustimme.

Aber aufgepasst, bei jeder Form von Retweet gilt: Klasse statt Masse! Zu viele Retweets, womöglich noch direkt hintereinander, empfinden Ihre Follower schnell als lästigen Spam.

Sie können auch Inhalte von außerhalb nach Twitter weitersagen. Wenn Sie Ihren Followern einen Beitrag als lesenswert empfehlen wollen, geht das ganz einfach über die Teilen-Funktion. Die befindet sich in der Regel unter dem Beitrag. Wenn Sie auf den Twitter-Button klicken, öffnet sich ein Pop Up-Fenster mit Link und vorgegebenem Text für den Tweet. Formulieren Sie diesen Text persönlich um, sagen Sie ihre Meinung, Sie können auch eine Frage stellen. So werden Ihre Follower den Tweet eher beachten und mit Ihnen interagieren. „Mein Lesetipp…“, „Auf den Punkt gebracht…“, „Was meinen Sie…?“, „Schon probiert…?“.

@Mention und # Hashtag

Die Masse der Tweets und die Geschwindigkeit der Kommunikation auf Twitter sind beeindruckend, weltweit werden über 1000 Tweets pro Sekunde abgesetzt. @Mention und Hashtags (#) helfen Ihnen, den Überblick zu behalten und die für Sie interessanten Follower und Themen zu finden. Hashtags  (# gefolgt von einem Begriff) verschlagworten Tweets. Tweets mit Hashtag sind über die Twitter-Suche auffindbar und die Hashtags sind klickbar. Wenn Sie Ihren Tweets Hashtags zuweisen, werden diese also potenziellen Lesern angezeigt, die nach diesem bestimmten Schlagwort suchen. Viele Veranstaltungen, Einrichtungen oder Produkte geben sich inzwischen einen festen Hashtag. Das jährliche Beethovenfest in Bonn zum Beispiel gibt #befebo vor.

Andere Hashtags entstehen aus der Kommunikation in der Twitter-Gemeinde. Zu einzelnen Themen kristallisieren sich Hashtags heraus, die in folgenden Gesprächen über dieses Thema von anderen übernommen und immer weiter verwendet werden. Bei aktuellen Themen von großem Interesse kommen schnell sehr viele Tweets zusammen. Unter #facebookdown waren, nachdem Facebook für eine Stunde nicht erreichbar war, innerhalb eines Tages über 190 000 Tweets gelistet. Wenn Sie also einen Hashtag für ihren Tweet vergeben, nutzen Sie nicht Ihre Fantasie sondern die Twitter-Suche. Möglicherweise gibt es zu Ihrem Thema schon einen eingeführten Hashtag.

Per @mention können Sie andere Nutzer finden, ansprechen oder erwähnen. Nach dem @ folgt der Nutzername. Haben Sie einen anderen Nutzer per @mention erwähnt, bekommt dieser eine Nachricht und das Gespräch kann beginnen. Sie können auch auf Tweets antworten. Die Antwort beginnt mit @Nutzername und auch hier bekommt der Angesprochene eine Nachricht. Gespräche über die Antwort-Funktion sind nur für Ihre Follower und die Follower Ihres Gesprächspartners sichtbar. Stellen Sie der @Mention einen Punkt voraus – also .@Nutzername – ist die Antwort öffentlich sichtbar für alle. Die einzelnen Tweets sind durch einen senkrechten Strich verbunden und so im Feed der Follower als Gespräch markiert.

Private Gespräche auf Twitter

Möchten Sie einmal nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Dinge mit einem einzelnen Follower austauschen, können Sie ihm eine Direktnachricht schicken. Die ist ausschließlich für Sie beide sichtbar. Antworten auf die Direktnachricht sind ebenfalls nur für Sie beide sichtbar.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass es grundsätzlich möglich ist, ein Twitterprofil auf „privat“ zu setzen. Ihre Tweets können dann ausschließlich die von Ihnen akzeptierten Follower sehen. Sicher möchten einige von Ihnen ihre Meinungen, Ansichten, Inhalte nicht öffentlich oder nur teil-öffentlich kommunizieren. Das ist verständlich, aber dann ist Twitter nicht die richtige Wahl für Sie. In diesem Fall empfehle ich Ihnen: Schauen Sie sich nach einer anderen Plattform um, die Ihren Wünschen mehr entspricht.

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Ulrike Dümpelmann
Ulrike Dümpelmann startete 2013 als Blogpraktikanitin und war danach bis September 2015 als freie Mitarbeiterin bei schwindt-pr tätig. Sie ist zuständig für die On- und Offlinekommunikation der Brotfabrik Bühne Bonn, Social Media Addict und (Ex-) Buchhändlerin.

7 Kommentare

  1. Hallo Ulrike,

    toller Einführungsartikel. Kann man gut an Leute weitersenden, die vor Twitter immer etwas ratlos zurückbleiben und nicht wissen, was das mit den Hastags, den 140 Zeichen, den Retweets, etc eigentlich soll. Das habe ich gerade gemacht 🙂

    Besten Gruß,
    Moritz

    1. Herzlichen Dank für das Feedback und natürlich auch fürs Weitersagen des Artikels.
      Beste Grüße,
      Ulrike

  2. Hallo Frau Dümpelmann,

    interessanter Artikel, den ich gerne auf Twitter retweeten werden.
    Twitter ist mein Lieblingsnetzwerk, gerade wegen der beschränkten Zeichenanzahl. So ist man gezwungen, das Wichtigste zu schreiben, sich kurz zufassen.
    Nicht so schön finde ich die meiner Meinung nach verstärkte Nutzung des Favorisierens. Es hat sich meines Erachtens eingebürgert, den Fav-Button als eine Art „Zustimmung/ Gefällt mir“-Button zu nutzen.
    Viele Grüße, Nathalie

    1. Hallo,
      über Retweets meines Artikels freue ich mich natürlich.
      Und es stimmt, es wird viel Favorisiert. Das sind viele Nutzer wohl von anderen Netzwerken gewohnt und übernehmen das auch auf Twitter. Ich persönlich finde das nicht so störend aber ein Retweet oder eine Antwort ist im Sinne der Kommunikation auf Twitter viel aussagekräftiger.
      Viele Grüße,
      Ulrike Dümpelmann

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