Meine Fragen zum Thema Facebook-Neuigkeiten

Offenbar habe ich mit meinem Artikel Was es mit den Facebook-Neuigkeiten wirklich auf sich hat (Rant) einen Nerv getroffen. Das freut natürlich das Bloggerherz. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die Diskussion über den Artikel nicht teilweise hinter meinem Rücken stattfindet und mir darin nicht Dinge in den Mund gelegt werden, die ich nirgends gesagt oder geschrieben habe. Dank meiner aktiven Community finden aber auch solche Beiträge früher oder später den Weg zu mir. Vielen Dank daher nochmal an alle, die mich auf so etwas aufmerksam gemacht haben! Ich würde mich freuen, wenn dieser Folgeartikel zu einer konstruktiveren Diskussion führen würde:

Der Riesenfrust

filterAus den Diskussionen habe ich mitgenommen, dass der Frust über die derzeitige Funktionsweise der Facebook-Neuigkeiten die Bereitwilligkeit der Nutzer, selbst filternd einzugreifen, bei weitem übersteigt. Bei Nutzern, die nicht beruflich mit dem Thema Social Web zu tun haben und für die daher das Feedprinzip nicht geläufig ist, kann ich das noch nachvollziehen. Bei Journalisten und Kollegen aus der Kommunikationsbranche verstehe ich das aber ehrlich gesagt weniger…

Folgende ernstgemeinte Fragen mit der Bitte um ebenso ernstgemeinte sachliche Antworten haben sich für mich aus der bisherigen Diskussion ergeben:

1. Filterkriterien

Ja, ich habe verstanden, dass es den Nutzern nicht gefällt, wie der Algorithmus bei Facebook derzeit die abonnierten Neuigkeiten filtert. Ein Satz, der häufig in den Reaktionen kam, war: „Ich möchte aber, dass Facebook so filtert, wie ICH es will!“.

Okay. Soweit klar.

Meine Fragen dazu: Woher soll Facebook aber wissen, wie es der jeweilige Nutzer haben möchte, wenn er dazu selbst keine Einstellungen treffen möchte? Welche Kriterien wären besser als die jetzigen? Nochmal zur Erinnerung: Derzeit sind es die Interaktionen (also nicht wie vielfach behauptet nur die Gefällt-mir-Angaben, sondern auch Kommentare, Teilen und Aufrufe), die den Algorithmus bestimmen.

2. Zweierlei Maß

Eine Frage, die im eingangs genannten Artikel schon ähnlich gefallen ist: Warum machen sich die Nutzer woanders als in Facebook ohne Murren die Mühe, die Informationsflut, die sie sich durch ihre Vernetzungen hereinholen, zu strukturieren, empfinden dasselbe aber in Facebook als unzumutbar? Bitte erklären sie es mir, ich verstehe es nicht.

3. Technische Machbarkeit

Wäre es für über 1,3 Milliarden Nutzern bei 1.500 bis 15.000 Newsfeedbeiträgen pro Tag (hinsichtlich der nötigen Rechenleistung, Speicherkapazität etc.) technisch überhaupt machbar, die Neuigkeiten ungefiltert durchlaufen zu lassen?

4. Menschliches Aufnahmevermögen

Wie schnell würden die einzelnen Beiträge dann durchrauschen und wäre ein Mensch überhaupt in der Lage, das ungefiltert aufnehmen zu können?

5. Vergleich

Wieviel würde der Nutzer bei ungefiltertem Durchrauschen verpassen und wieviel verpasst er im Vergleich dazu jetzt, wenn er nur die per jetzigem Algorithmus gefilterten Neuigkeiten konsumiert?

6. Filtern

Bei dieser Frage kommt in der Diskussion dann immer: „Ja, ich könnte Facebook ja sagen, welche ich will und welche nicht“. Okay… und auf welche andere Weise als jetzt sollte das gehen (siehe Frage 1)? Und warum wäre das DANN okay, jetzt aber nicht?

Ihre Meinung

Wie gesagt: Ich stelle diese Fragen, weil es mich ehrlich interessiert, wie Sie sich wünschen, wie Facebook es anders machen sollte. Wer also Antworten auf diese Fragen oder ernsthafte Anregungen, oder auch weitere Fragen dazu hat, den bitte ich herzlich, sich hier per Kommentar in ein sachliches Gespräch mit mir und den anderen Lesern einzubringen. Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen und Ideen!

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

14 Kommentare

  1. Hallo,

    die Vorgeschichte nicht kennend gehe ich mal nur auf die genannten Punkt ein.

    Zu 1.
    Wenn Fb nicht weiß wie es filtern soll, dann soll es das Filtern lassen und nur passende Werkzeuge dazu zur Verfügung stellen.
    – Listen, die es mal gab oder noch gibt, die ich seit vorgestern erfolglos versuche zu finden sind/wären das eine)
    – Die Tabs aus „Social Fixer“, die nach Worten, Namen o.a. aus dem Stream Tabs generieren, die man dann abarbeiten kann. Dazu gehört auch das Klicken auf „gelesen und verstecken“

    Zu 2.
    Was andere mit andem machen und sortieren scheint mir zweitrangig. Es könnte aber sein, dass Fb alleine aufgrund der Größe und technischen Möglichkeiten eine Forderung gegenübersteht, die Fb NICHT erfüllen WILL. Es stellt die entsprechenden (komfortablen) Werkzeuge nicht zur Verfügung.

    Zu 3.
    Wenn es den Branchenriesen möglich ist personalisierte Werbung zukommen zu lassen – und der Trend wird / soll sich verstärken – DANN sollte die Rechenleistung kein Problem sein. Für Werbung schafft man es ja schließlich auch. Kundenkomfort bringt aber kein Geld – im Gegensatz zu Werbung. Kundenkomfort wird nur verbessert, wenn man sich als Unternehmer darauf einen wirtschaftlich nurtzbaren Vorteil generieren kann. – Es ist scheinbar keine Grundeinstellung der Hersteller und der Programmierer.

    Zu 4.
    Wenn der User die Werkzeuge zur Verfügung gestellt bekommen würde, mit denen er selber und aktiv steuern könnte sähe ich mit der Masse kein Probem. Schließlich ist die Bandbreite von 10 Freunde bis 5000 Freunde so groß, dass schnell einsichtig ist, dass irgendwann die Grenze erreicht ist, wie viel man als Mensch aufnehmen kann.
    Wenn Fb nicht filtert, dann macht es der User. – Vor allem: Die Regeln, wie Fb filtert sind nicht öffentlich UND nicht steuerbar. Vergleichbar übirgens mit google und deren Suchergebnissen. (u.a. Anbieter z.B. Reiseportale)

    Zu 5.
    Wieviel er verpasst ist irrelevant. Bei fast 8 Millarden Menschen auf der Welt verpasst fast jeder User mindestens 7,9 Milliarden Freunde auf der Welt. 😉 Schade nur, dass „der Mensch“ das vorwiegend zum Krieg nutzt. 🙁

    Zu 6.
    Wenn die Werkzeuge zur Verfügung stehen würden und jeder User seine Wünsche selber einstellen könnte, dann müsste keiner was an Fb mitteilen.

    Fb investiert lieber Kraft darin Tools oder Teile davon zu untersagen, die der Philosophie von Fb (es ist immer alles positiv) zu widersprechen scheinen. Die Diskussion z.B. um den „Friend-Tracker“ aus „social-fixer“, der den User nicht davor beschützt aber immerhin informiert, dass er gerade entfreundet wurde, ist so ein Beispiel. SO bekommt der User es nicht einmal mit! Die Anbahnung einer Freundschaft ist ja auch ein aktiver Vorgang. Wieso sollte die Entfreundung dann so verborgen werden?

    Fb will den User vor schlechten Nachrichten und Erlebnissen innerhalb von Fb beschützen? Oha – was für ein Anspruch! Leider bekomme ich trotz dieser guten Absichten von Fb jeden Tag innerhalb von Fb so viele schlechte Nachrichten und Erlebnisse, dass ich mehr schlechte Laune habe, als mir lieb wäre. – Ich bekomme aber auch DURCH Fb schlechte Laune.

    viele Grüße
    Wolfgang Gosejacob

    1. Hallo Herr Gosejacob, die Vorgeschichte ist der am Anfang verlinkte Artikel. Am Ende desselben finden Sie uach weiterführende Beiträge, u.a. zum Thema Listen.

  2. Liebe Frau Schwindt,

    hier mein Versuch einer sponatnen Beantwortung Ihrer Fragen / Gedanken!

    1. Filterkriterien: Ohne aktives Eingreifen und Ordnen der User kann Facebook aus meiner Sicht nur begrenzt den Feed filtern und usergerecht aufbereiten. Allerdings stelle ich meinen Facebook-Workshops immer wieder fest, dass die meisten Nutzer die Möglichkeiten gar nicht kennen (über Journalisten, die erwarten, dass Facebook ihnen die Arbeit abnimmt …. schweige ich).

    2. Zweierlei Maß: Weil Facebook für das viele Geld, das für die Nutzung fließt, wenigstens etwas tun soll, außer unsere Daten an die NSA, die NASA und an McDonald weiter zu geben (also nein, hier fällt mir auch nichts zu ein).

    3. Technische Machbarkeit: Ob machbar oder nicht – ich möchte es nicht.

    4. Menschliches Aufnahmevermögen: Keine Ahnung – Nein!

    5. Vergleich: Ich hoffe, dass all die Katzenbilder und Selbstdarsteller-Ichkritisierealles-Posts genau deshalb an mir vorüber gehen – weil es zu viel ist und ich mir weitestgehend meine Inhalte!

    6. Filtern: Ich sage es Facebook doch – indem ich Themen, Seiten und Personen blockiere und mit anderen agiere. Wüsste nicht, wie es anders gehen sollte.

    Alles in allem habe ich – mit ein wenig Wissen und Aufwand – die Möglichkeit, meinen Newsfeed inhaltlich so zu beeinflussen, dass es meinen Interessen am nächsten kommt.
    Grundsätzlich finde ich die Diskussionen rund um Facebook (insbesondere die zum Teil abstrusen Artikel in den „Leitmedien“ zum Thema Messenger/App) zur Zeit sehr anstrengend: es wird gemotzt und abgeschrieben, statt zu recherchieren und zu hinterfragen … nichts Neues ….!

    Liebe Grüße – und bitte weiter so
    Klaus Schenkmann

    1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort. 🙂 Zu Punkt 6: Ja, es gibt noch die Listen. Siehe Ausgangsartikel und die dort am Ende verlinkten weiterführenden Artikel.

  3. Liebe Frau Schwindt,

    nun, es wäre in der Tat spannend, würde Facebook einmal auf „ungefiltert“ umstellen. Immerhin läuft es auf Twitter ja auch ohne Filter (noch?).

    Ich kann in jeder Hinsicht mit dem Filter gut leben, denke aber, dass viele Menschen schlichtweg zu bequem sind, sich in die Plattform einzudenken bzw. sich ein Basiswissen anzueigen. Die Geschichte mit den Listen beispielsweise ist ja nicht so kompliziert! 🙂

    Und die Unternehmen: Ja, alle wollen gesehen werden. Je mehr Unternehmen auf FB drängen (und es werden laufend mehr), desto enger wird das Nadelöhr, durch das alle wollen und das „Sichtbarkeit“ heißt. Aber auch da hilft das Jammern nichts. Am besten eben guten Content posten und/oder via Werbung die Sichtbarkeit erhöhen.

    Ich habe Ihren Ausgangsartikel übrigens auf meiner Schreibwerkstatt-Facebook-Seite gepostet. Die Resonanz war gering, was nicht an Ihrem Artikel lag, sondern schlichtweg an der Tatsache, dass die meisten Durchschnittsuser FB einfach nutzen, sich aber nicht im Detail damit beschäftigen wollen.

    So, und nun poste ich diesen Artikel! 🙂

    Danke für die vielen guten Tipps, samt kritischer Stimme!

    Huberta Weigl

  4. Auf die Fragen 1 – 6 zu antworten, fällt mir schwer. Weil aus meiner Sicht Fragen dabei sind, die zu keiner Lösung führen können. Aber angelehnt an die Frage 1 habe ich eine Rückmeldung:
    _Wenn Facebook den Nutzer entscheiden lassen würde, ob er die „Hauptmeldungen“ sehen will oder die „neusten Meldungen“, dann würde bei mir schon mal ein großes Frustpotenzial wegfallen. Diese Bevormundung – dass immer wieder auf Hauptmeldungen zurückgestellt wird – nerven und führen dann irgendwann zum Facebook-Bashing.
    _Wenn Facebook ein wenig Entwicklungspotenzial dafür investieren würde, das Listenmanagement komfortabler und übersichtlicher zu machen, wäre der Frust über die Filterei auch geringer. Es ist doch wirklich schwierig, die Freunde, Seiten und Gruppen, die man wirklich zu Gesicht bekommen will, auch abzuklappern.
    _Dazu kommt, dass es keine Listen gibt, bei denen ich die Filter selbst beeinflussen kann. Denn Interaktion ist einfach ein untaugliches Filter wenn ich einfach nur Informationen bekommen möchte. Ich möchte nicht jeden Beitrag, den ich interessant fand mit einem „super“ kommentieren und bei Posts, die ich zum K..zen finde meine Meinung zurückhalten, da ich sonst von diesem Facebook-Nutzer noch mehr in meinem Stream zu sehen bekomme.

    Kurz: Würde Facebook den Nutzern die Möglichkeit geben, die Filter komfortabel und nachvollziehbar mit zu beeinflussen, dann wäre schon viel gewonnen.

    1. Danke für diese Antwort. Bei mir funktioniert das Umstellen auf neueste Meldungen dauerhaft. Dass es bei anderen nicht funktioniert, weiß ich, kann aber nicht herausfinden, warum.
      Es gibt durchaus Listen, deren Filter man selbst bestimmen kann. Das sind die individuell angelegten. Nur bei den Smartlists Enge Freunde, Bekannte und Eingeschränkt ist der Filter voreingestellt.

  5. 1) Ich fühle mich als Hardcore-FB-User und bin recht zufrieden mit dem was ich zu sehen bekomme und vor allem mit dem, von dem ich verschont werde. Habe trotzdem die Einstellung „Alle Neuigkeiten“.
    2) Ich finde den Umgang der Massen mit FB sehr verwunderlich. Ich tippe auf Degeneration unserer Gesellschaft. Beispiel hierzu die FB-Tests ob Satire nicht als solche gekennzeichnet werden sollte. Es haben sich wohl sehr viele User Beschwert, dass sie selbst zu dumm sind eine solche auch zu erkennen. Ich würde die Leute halt mal in die Schule schicken, anstelle es ihnen auch noch bequem zu machen!
    3) Technisch denke ich schon, aber es würde wohl niemandem gefallen… (Ich denke da auch an die limitierten GB im mobilen Bereich…)
    4) Kommt auf die Anzahl und die Aktivität der Kontakte an. Bei mir (rund 1.500 primär aus dem Onlinemarketing / SEO – Bereich) würde es vermutlich so schnell gehen, dass ich nicht einmal die Titel eines gesharten Beitrages lesen könnte.
    5) Ungefiltert wäre FB reine Zeitverschwendung, weil man sich ausschließlich mit Katzen und Babyfoto SPAM abgeben müsste.
    6) Wie schon in der Frage formuliert: Das gibt es ja! Aber es sind halt keine Buttons sondern ein erstaunlich guter Algorithmus.

    Was mir in letzter Zeit besonders auffällt: Ich bekomme kaum noch Spiele- und Veranstaltungseinladungen und -nachrichten. Wie es scheint, funktioniert das konsequente Blockieren der Spiele und der Personen die ständig irgendwelche Partyeinladungen versenden ebenfalls äußerst gut.

    Was mir noch fehlt: Ich würde gerne blockieren können: 1) nicht mehr in irgendwelche dummen Gruppen hinzugefügt zu werden, und 2) automatischen jeden zu „entfreunden“ der mir Aufforderungen sendet seine bescheuerte Seite „Mit gefällt mir“ zu markieren.

    Zusammenfassend: Die Diskussion ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Für wichtige, relevante und extrem kritische Themen wie Datenschutz, Netzpolitik, Netzneutralität, etc. interessiert sich kaum jemand (weil es die meisten auch gar nicht verstehen (wollen)) – aber wenn es um den völlig belanglosen, unwichtigen und privaten Feed eines Normalos in einem KOSTENLOSEN Netzwerk geht – sind plötzlich alle Experten und versuchen sogar eine eigene Meinung zu formulieren oder verwenden gar Begriffe wie „Bevormundung“ oder „Beeinflussung“ und dergleichen. An diese mein Rat: Gefällt Dir nicht wie das System funktioniert – melde Dich ab! Problem gelöst.

  6. Liebe Frau Schwindt,

    Können sie mir sagen wie ich es einstellen muss, dass ich eine EMail Benachrichtigung erhalte wenn Freunde oder nicht Freunde Fotos von mir liken? Habe keine Einstellung gefunden und das Problem haben mehrere.

    Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße.

  7. Hallo,
    ich bin gerade auf Ihren Blog gestoßen und habe ein Frage, die sich auch auf den Newsfeed bezieht:
    Bis vor kurzem konnte man Freunde, Listen bzw. Abonnements auf Facebook dahingehend „verwalten“, dass man ankreuzen konnte, welche Neuigkeiten angezeigt werden sollten. So konnte man beispielsweise für die Listen einstellen, ob nur Benachrichtigungen oder auch Gefällt-mir-Angaben etc angezeigt werden sollen. Gleiches ging auch direkt für alle Freunde. So konnte man auch einstellen, ob alle Aktualisierungen oder nur die meisten oder gar keine angezeigt werden sollen. Dieser Artikel von Ihnen von 2012 bezieht sich auf diese Funktionen: http://www.schwindt-pr.com/2012/04/26/facebook-meldungsarten-feedabo/
    All diese Funktionen scheint es seit kurzem aber nicht mehr zu geben, was dazu geführt hat, dass mir nun alle möglichen Gefällt-mir-Angaben in der Neuigkeiten Liste angezeigt werden. Eine reinste Überflutung von Informationen!
    Können Sie mehr dazu sagen? Ist es möglich, dies wieder einstellen zu können?

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