Was es mit den Facebook-Neuigkeiten wirklich auf sich hat (Rant)

Eigentlich wollte ich ja gar nichts zu diesem Artikel in der Süddeutschen schreiben. Wenn etwas so unkritisch wiedergekäut wird, nur weil einem im Sommerloch die Themen fehlen, dann möchte ich dem nicht noch zusätzlich Aufmerksamkeit verschaffen. Nachdem mich einige Leser und mein Bloggerkollege Sebastian Freitag aber dezidiert um meine Meinung zu der Sache gebeten haben, muss ich nun doch was dazu loswerden. Und ja, ich bin genervt! Ich habe nämlich das Gefühl, dass ich mir schon seit Jahren die Finger zu diesem Thema wund blogge und trotzdem kommt immer wieder dasselbe… also hier NOCHMAL:

1. „Neuigkeiten“ = Best of – und nur das!

Die Neuigkeiten auf der Facebook-Startseite (Neueste Meldungen und Hauptmeldungen) waren noch nie was anderes als ein BEST OF der Updates meiner Kontakte und damit verbundener Meldungen. Dieser Nachrichtenstrom (Feed) ist quasi nur als Einstieg gedacht. Und das hat keine Verschwörungen als Hintergrund und auch keine „Schwäche des Systems“, sondern das IST das System. Denn eine gesamte Liste aller Beiträge die durch und in Verbindung mit meinen Vernetzungen zustandekommen, würde eine unüberschaubare Flut von Meldungen produzieren, der kein Mensch folgen könnte! Also muss Facebook – solange man ihm nichts besseres sagt! – diesen (!) allgemeinen Feed irgendwie filtern.

2. Meine Interaktionen sind der Filter!

Dieses Best of errechnet Facebook aus meinen INTERAKTIONEN innerhalb von Facebook. Dabei „bevormundet“ es mich nicht, sondern reagiert auf das, was ich mache. Wenn man das – wie in dem in der Süddeutschen beschriebenen Fall – systematisch angeht, hat das natürlich den entsprechenden Effekt: Es entsteht – nochmal: nur was diesen (!) Feed betrifft – eine FILTERBLASE. Das ist das Prinzip der allgemeinen Neuigkeiten.

3. ICH bestimme diesen Filter!

Wenn mir nicht passt, was mir in diesem Feed angezeigt wird, dann bin ich nicht hilflos  ausgeliefert, sondern kann das SELBST ÄNDERN, indem ich diesem Feed zu verstehen gebe, was mich interessiert und was nicht. Dazu habe ich mehrere Möglichkeiten vom An- oder Abbestellen der News bestimmter Personen, Gruppen oder Seiten, über die Umfrage, die via Kontextmenü jedes Beitrags erreichbar ist, bis zur Nutzung von Listen. Sprich: Warum sollte ich mich mit dem Einstiegsfeed aufhalten, wenn ich meine eigenen gestalten kann?

4. Abonnieren erfordert Strukturieren!

Eigentlich ist Facebook nichts anderes als ein FEEDREADER. Deswegen steht in den Präsenzen derer, mit denen man sich vernetzt, nach der Vernetzung auch „abonniert“. Die News, die man sich abonniert, sollte man sich dann eigenständig ordnen (denn sonst wird es unübersichtlich siehe Punkt 1). Dafür gibt es in Facebook die LISTEN. Die Listen unterliegen nicht demselben Filter wie die allgemeinen Neuigkeiten.

5. Schluss mit dem Gejammer!

Ich höre es schon, jetzt kommt wieder „dazu hab ich keine Zeit“, „dazu hab ich keine Lust“ blablabla… Klar, es ist einfacher rumzujammern und auf das böseböse Facebook zu schimpfen, statt selbst mal aktiv zu werden.

In Google+ jammert indes keiner, dass er bei jeder Vernetzung angeben muss, in welchen Kreis die reinsoll… Ist haargenau dasselbe! „Ja, da muss ich halt“ kommt dann. Äh, hallo?! Das Geschrei möchte ich mal erleben, wenn Facebook eines Tages die Nutzung von Listen genauso zur Pflicht macht wie Google+ die Kreise! Wobei… vielleicht ist das das Einzige was hilft?

>>> Folgeartikel lesen und mitdiskutieren

UPDATE: Danke für die zahlreichen – auch kritischen – Reaktionen! Folgende beiden Vorschläge an Facebook, die dabei zur Sprache kamen, möchte ich hier festhalten:

Vorschlag 1: Allgemeinen Newsfeed nicht mehr filtern wie z.B. in Twitter (auch wenn er dann noch schneller durchläuft als der Facebook-Liveticker oben rechts).

Vorschlag 2: Ja, Listen verpflichtend machen, aber dann dem Nutzer freie Wahl darüber geben, welche Liste er auf der Startseite vorn angezeigt sehen möchte.

Vorschlag 3: Bitte die Neuigkeiten mobil und für Desktop synchronisieren. Derzeit werden hier verschiedene Beiträge angezeigt.

Weiterführende Leseempfehlungen zu diesem Thema:

 

 

 

 

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

23 Kommentare

  1. „denn eine gesamte Liste aller Beiträge die durch und in Verbindung mit meinen Vernetzungen zustandekommen, würde eine unüberschaubare Flut von Meldungen produzieren, der kein Mensch folgen könnte! Also muss Facebook – solange man ihm nichts besseres sagt! – diesen (!) allgemeinen Nachrichtenstrom (Feed) irgendwie filtern.“

    Dieses lese ich bei ähnlichen Beiträgen auch bei anderen Bloggern immer wieder und widerspreche dem vehement. Ich kann und will alles von Personen mit denen ich befreundet bin und von Seiten die ich geliket habe lesen. Ich habe 166 Freunde und 191 Seiten gelikt. Wenn jede(r) davon durchschnittlich 2 Beiträge am Tag postet, dann sind das knapp 360 am Tag. Das ist doch überschaubar.
    Leider bietet FB mir keine Option dazu. Einzig und allein die Listen zeigen mir alle Inhalte ungefiltert. Daher nutze ich die Listen auch entsprechend, dennoch wurmt es mich, dass es keinen kompletten, ungefilterten, chronlogischen Newsfeed gibt.

      1. Ja, die Listen bieten mir sämtliche Inhalte dieser Liste.
        Aber wenn ich nicht gerade alle Freunde und alle Seiten in eine einzige Liste packe, dann gibt es eben keine Möglichkeit für einen vollständigen Stream, wie ich ihn aber gerne hätte. Dann könnte ich auf Listen auch wieder verzichten.

          1. Wieso? Die von mir geschätzen 360 Beiträge pro Tag ergibt etwa einen Beitrag alle 4 Minuten.

              1. Jetzt drehen wir uns im Kreis. Ich habe ja schon im Eingangsposting geschrieben, dass ich unter *meinen* Rahmenbedingungen alles lesen kann und will, dies aber leider jenseits des Listen nicht kann.

                Ich habe mir gerade mal die Mühe gemacht und gezählt statt nur zu schätzen: zwischen Mitternacht und 12 Uhr mittags haben die von mir gelikten 191 Seiten genau 113 Beiträge verfasst und meine 166 Freunde 21 Beiträge (inkl. Infos über neue Likes und Freundschaften).
                Diese 134 Beiträge habe ich doch locker in 10min durchgeschaut und interessante Dinge angeklickt. Ich brauche dafür keine wie auch immer geartete Filterung.
                In der zweiten Tageshälfte und insbesondere nach Feierabend werden die Beiträge meiner Freunde sicherlich ansteigen. Die werde ich dann auch nochmal nachzählen.

                Es ist für mich ok, wenn es eine Filterung als Option gäbe, um weniger interessante Dinge auszublenden. Aber es stört mich, dass ein vollständiger Feed nicht zum Standard gehört (ja, abgesehen von den Listen).

  2. Hallo Anette!
    Irgendwie regt sich jeder auf.
    Die einen über Facebook, die anderen über die, die sich aufregen…
    Aber warum?
    Die, die sich über Facebook aufregen, könnten doch einfach gehen?
    Hallo? Sie nutzen eine kostenlose Plattform und haben jede Menge Spaß und praktische Vorteile… kein Mensch schimpft so ausführlich über Geschenke, noch dazu, wenn sie gerne genutzt werden. Ich verstehe das nicht!
    Die, die sich über die aufregen, die sich aufregen verstehe ich schon eher, tu ich auch manchmal, aber Sinn macht es nicht… Aufregen ist nicht gesund…
    Also nicht aufregen, nur wundern 😉
    Liebe Grüße + Danke!
    Jana

  3. Danke Anette nochmals für den Hinweis und den interessanten Vergleich zu den „Kreislingen“ bei Google+ gut das ich mir die Arbeit von Anfang an gemacht habe.
    Immer wieder super Deine Artikel mit den vielen wichtigen Tipps.
    LG sendet Daniela

  4. Problem ist und bleibt halt, dass die meisten nicht wissen, dass sie Listen anlegen können. Und dass Facebook so etwas einfach nicht richtig kommuniziert. Facebook führt Änderungen immer still und heimlich durch, dann häufen sich auf Blogs die Gerüchte weil keiner weiß, was genau passieren wird. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Die Leute zu ihrem Glück zu zwingen, das wäre vielleicht wirklich gut. Die Idee gefällt mir 🙂 Danke für diesen Artikel!

    Liebe Grüße!
    Anna

  5. Da mein Kommentar offenbar irgendwo im Datennirvana gelandet ist, nochmal und aus dem Gedächtnis:

    Ich finde die Eingangsaussage:

    „Denn eine gesamte Liste aller Beiträge die durch und in Verbindung mit meinen Vernetzungen zustandekommen, würde eine unüberschaubare Flut von Meldungen produzieren, der kein Mensch folgen könnte! “

    problematisch. Sie mag vielleicht auch nur unglücklich formuliert sein. Ob man einem ungefilterten Stream folgen kann oder nicht hängt von einigen Faktoren ab, u.a. mit wie vielen Menschen man auf Facebook befreundet ist, wie gut einem das selektive Lesen oder Wahrnehmen gelingt, in wie vielen Listen anderer man ist und sicher noch einigen weiteren. Da bin ich der Meinung, dass das jeder für sich entscheiden sollte.

    ————

    Nach nochmaligem Lesen dieses Passus ist mir noch ein anderer Aspekt aufgefallen. Die Bewertung eines ungefilterten Hauptstreams als „unüberschaubare Flut“ basiert – so habe ich das verstanden – auf der Prämisse, dass man dem Stream „folgen“ möchte. Mir ist unklar, was „folgen“ bedeutet? Was ist z. B., wenn das nicht der Anspruch (aller) Nutzer ist und man den Hauptstream „nur“ sozusagen als ad hoc Eindruck von dem, was gerade passiert ansieht?

    1. Diese Aussage bezieht sich auf den dort verlinkten Artikel von futurebiz, in dem gesagt wird, dass ein ungefilterter Stream durchschnittlich zwischen 1.500 und 15.000 Meldungen enthalten würde. Das halte ich – siehe entsprechende Frage in meinem Folgeartikel von gestern – für zuviel, um allem folgen (es bewusst aufnehmen) zu können.

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