Ulrike fragt: Gute Texte fürs Netz – worauf kommt es an? #udfragt (10)

Ulrike fragtWährend meines inzwischen abgeschlossenen Blogpraktikums hier auf schwindt-pr habe ich viel über Tools und Plattformen gelernt. Wir haben viele Themen rund ums Netz angesprochen aber eines hat mich ständig begleitet. Daher handelt mein heutiges #udfragt davon: Texten im Netz.

Nutzerrelevanz

Vor dem ersten geschriebenen Wort steht die Themenfindung. Wie finde ich Themen für mein Blog, welche Inhalte poste ich auf meiner Facebook-Seite, auf Google+, in meinem Youtube-Kanal? Themenfindung ist ein komplexer Prozess, der erleichtert wird, indem man zuerst auf seine Nutzer, Leser oder Zuschauer blickt. Durch Zuhören, Mitlesen und konkretes Nachfragen erschließt sich sehr schnell, wofür sich das eigene Netzwerk interessiert, also welche Themen relevant sind.

Aufbau von Artikeln

Hier gilt die alte Grundregel für journalistisches Texten: das Wichtigste zuerst. Der wichtigste Aspekt steht am Anfang des Textes, dann folgen der zweitwichtigste und der drittwichtigste. Der Leser möchte auf Anhieb verstehen und erfassen, worum es geht. Ist der Anfang des Textes für ihn nicht interessant oder verständlich, steigt er sofort aus. Ein Artikel insgesamt muss selbsterklärend, also aus sich heraus ohne das Lesen von Sekundärmaterial verständlich sein. Zu viele unterschiedliche Aspekte, Themen oder Sichtweisen sollten jedoch nicht in einen einzigen Artikel gepackt werden. Bei umfassenden Themen ist es besser, eine Artikelserie zu planen.

Überschriften und Zwischenüberschriften haben eine wichtige und oft unterschätzte Funktion. Kurze, knackige Überschriften wecken das Interesse des Lesers und laden ihn ein, den Artikel zu lesen. Zwischenüberschriften leiten den Leser als roter Faden durch den Text und erleichtern den Lesefluss. Ebenfalls wichtig für die gute Lesbarkeit ist die Aufteilung des Textes in kurze Abschnitte. Zitate, Grafiken und Bilder veranschaulichen das Geschriebene. Selbstverständlich werden die Quellen genannt und verlinkt.

Grundlagen journalistischen Schreibens

Mein Tipp an alle, die über das Private hinaus im Netz Texte verfassen: eignen Sie Sich ein paar Grundlagen journalistischen Schreibens an. Ich stelle immer wieder fest, dass die Regeln, die ich vor Jahren im Studium für Printtexte gelernt habe, immer noch gültig und hilfreich sind. Eine kurze Auswahl:

  • kurze, einfache, verständliche Sätze
  • Aufgeblähtes vermeiden (telefonischer Anruf)
  • Synonyme sparsam verwenden, denn sie sind schnell lächerlich oder abwertend (Helmut Kohl – der Altkanzler – der Dicke)
  • zu viele Wiederholungen vermeiden
  • wenige Adjektive verwenden
  • Verben sind anschaulicher als Substantive (reservieren statt Reservierung vornehmen)
  • Fachbegriffe und Abkürzungen erläutern
  • positiv formulieren (leicht statt nicht schwer)

Die korrekte Anwendung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik versteht sich von selbst.

Du oder Sie

Die Frage nach dem „Du“ oder „Sie“ sollte einmal grundsätzlich beantwortet werden und dann konsequent beibehalten werden. Was ist aber nun die richtige Ansprache? Die Kommunikation im Netz ist eher informell, richtet sich aber nach der sonstigen Kommunikation mit der eigenen Zielgruppe. In Branchen, in denen das „Sie“ üblich ist, wird das auch in Unternehmensblogs und auf Unternehmensseiten beibehalten. Das „Du“ im Corporate Blog einer Bank werden die Leser genau so befremdlich finden, wie das „Sie“ auf der Facebookseite eines Jugendzentrums.

Das Texten im Netz ist ein umfangreiches Thema aus dem sich eine Artikelserie machen ließe. Wenn Sie an weiteren Artikeln zum Thema interessiert sind, hinterlassen Sie einfach einen Kommentar. Wie oben erwähnt, habe ich mein Blogpraktikum beendet, ich bleibe schwindt-pr und Ihnen aber als freie Mitarbeiterin erhalten.

Meine persönlichen Link- und Buchtipps:

14 Tipps für bessere Überschriften: Das macht sie für Leser interessant (t3n)
Webtexte schreiben ist Beziehungsarbeit (Christa Goede)
7 Tipps für den erfolgreichen Blogartikel: Struktur und Leserlichkeit (Tanja Praske)

Wolf Schneider: Deutsch für Profis
Viola Falkenberg: Pressemitteilungen schreiben (besonders die Kapitel über Schreiben und Pressetexte)

Diesen unter weitere Artikel zum Thema Texten im Netz finden Sie unter http://www.schwindt-pr.com/tag/textenfuersnetz/.

Ulrike Dümpelmann
Ulrike Dümpelmann startete 2013 als Blogpraktikanitin und war danach bis September 2015 als freie Mitarbeiterin bei schwindt-pr tätig. Sie ist zuständig für die On- und Offlinekommunikation der Brotfabrik Bühne Bonn, Social Media Addict und (Ex-) Buchhändlerin.

9 Kommentare

  1. Guter Artikel. Nur „Telefonischer Anruf“ halte ich heutzutage für kein ganz so gutes Beispiel mehr für „Aufgeblähtes“. Es gibt neben dem klassichen Telefon ja mittlerweile Anrufe über Skype, Mumble, VoIP-App etc. Es haben bei mir schon Leute fertiggebracht, Skype zu meinen, während ich Telefon meinte. Grade in netzaffine Kreisen würd ich das differenzieren.

    1. Danke für den Hinweis, Alex.
      Das Beispiel ist wirklich nicht so optimal. Ich werde den Punkt „Aufgeblähtes“ um ein weiteres Beispiel ergänzen.

    2. Die Frage ist doch: Spielt es für einen Leser eine Rolle, ob zwei Leute per Skype, per Telefon oder per Whatsapp-Sprachnachrichten miteinander gesprochen haben? Wenn ich darüber schreibe, dass die Groß-Eltern-Generation das Internet für sich entdeckt, weil sie mit Skype die Enkelkinder sehen kann: Selbstverständlich. Wenn ich schreibe, dass ich mir ein Geschehen von einem Betroffenen habe schildern lassen: Vermutlich nein.

  2. Liebe Ulrike Dümpelmann,

    vielen Dank für diesen Artikel und fürs Verlinken auf meinen Blogpost zum Thema. Eine Artikelserie macht immer Sinn zu dem Thema. Im Kultursektor beobachte ich gute Beispiele und solche, bei denen noch Optimierungsbedarf besteht. Wenn es einfache Kniffe gibt, die Leserlichkeit des Artikels zu erhöhen, Spannung zu erzeugen und damit den Leser zu binden, sollte dies auch umgesetzt werden. Das Schönste ist doch, wir erreichen unsere „Leute“ (Zielgruppen), motivieren zu einer Handlung (plussen, liken, kommentieren …) und erzielen im Idealfall Leserbindung.

    Also, bitte weiter mit den Tipps!

    Sonnige Grüße aus München
    Tanja Praske

    1. Liebe Tanja Praske,

      vielen Dank für das positive Feedback. Ich sehe das ganz genau so. Es gibt einerseits viele gute Beispiele, aber gerade in der Kultur auch viele engagierte Menschen, die sich noch ein paar Tipps und Tricks wünschen, um ihre Einrichtung und ihr Publikum über die sozialen Medien besser zu verbinden. Ich finde das Thema sehr spannend und habe schon Ideen für Folgeartikel.

      Schöne Grüße aus Bonn,
      Ulrike Dümpelmann

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