Facebook ändert seine Nutzungsbedingungen: Und jetzt? – Ulrike fragt #udfragt (2)

Ulrike fragtFacebook arbeitet derzeit wieder an Änderungen seiner Datenschutzrichtlinien und löst damit teils heftige Reaktionen aus. Das beobachte ich auf Facebook selbst, in persönlichen Gesprächen und in der Presse. Die offizielle Kommentarphase zu den vorgeschlagenen Änderungen endete am 7. September. In Kürze werden wir erfahren, was dabei herausgekommen ist. Inzwischen spreche ich als Blogpraktikantin und Facebooknutzerin in meiner Reihe „Ulrike fragt…“ mit Annette Schwindt über ihre Einschätzung zur aktuellen Diskussion:

Ulrike: Wie umfangreich sind die Änderungen und worauf beziehen sie sich konkret?

Annette: Facebook selbst hat es so kommuniziert, dass die Änderungen aufgrund der aktuellen Rechtslage notwendig waren. Es geht u.a. darum, dass Facebook Profilbild und Name eines Nutzers, der eine Seite mit „gefällt mir“ markiert, in diesem Zusammenhang als Werbung an seine Freunde darstellen darf, wenn der Betreiber dieser Seite eine solche Werbeanzeige an die Freunde seiner Fans richten möchte. Das ist allerdings nicht neu, weswegen ein Facebooksprecher dazu auch Folgendes verlauten ließ:

„We simplified the explanation to make clear how advertising works on Facebook and what exactly people can expect when it comes to how we use their name, profile picture, content and personal information. Nothing about the choices people have, such as the the option to opt out of the pairing of social actions with ads or the ability to specify the audience for sharing content or information, has changed.“

Deutsche Übersetzung:

Wir haben die Erklärungen vereinfacht, um klarzumachen wie Werbung auf Facebook funktioniert und was die Menschen genau erwarten können, wenn es darum geht wie wir ihren Namen, ihr Profilbild, Inhalte und persönliche Informationen benutzen. Nichts an den Optionen, die die Menschen haben, hat sich verändert, wie etwa die Option soziale Aktivitäten mit Anzeigen zu verbinden oder das Publikum für das Teilen von Inhalten oder Informationen einzugrenzen.

Eine Einordnung in Sachen Anwendbarkeit von deutschem Recht zu diesen Änderungen gibt es bei RA Dr. Carsten Ulbricht.

Ulrike: „Facebook nutzt private Bilder – auch von Kindern – zu Werbezwecken“ – Die Presse schreibt mit einem warnenden Ton über die angekündigten Änderungen. Ist das gerechtfertigt?

Annette: Es kann nur mit dem geworben werden, was der Nutzer zur Verfügung stellt (also wo er und für wen sichtbar etwas postet oder anklickt) und wenn er das Werben damit in seinen Einstellungen erlaubt hat:

Wer sich als verantwortungsvoller Nutzer mit den Privatsphäre-Einstellungen befasst hat, kennt folgende Option schon: Unter Facebook-Werbeanzeigen kann ganz unten „Niemand“ gewählt und damit eingeschränkt werden, wie Werbung mit meinen sozialen Handlungen gemacht werden darf. Einstellung "Niemand" für Werbeanzeigen

Das gilt für jeden Nutzer, egal welchen Alters. Eltern von minderjährigen Nutzern sollten sich mit ihren Kindern zusammen um so etwas kümmern. Für Eltern, die sich damit nicht auskennen gibt es dazu eine eigene Hilfeseite.

Übrigens gibt es unter folgenden Links noch mehr Tipps für Eltern und Familien:

Generell sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die eigenen Aktivitäten auch anderen angezeigt werden können. Egal ob in Werbeanzeigen oder z.B. im Newsfeed. Mit meinem Namen geworben wird ebenfalls an Freunde, nicht öffentlich.

Ulrike: Über Facebook wird in den traditionellen Medien oft kritisch berichtet. Diese Kritik ist in der Regel nicht ausgewogen und sachlich formuliert, sondern eher tendenziös negativ. Ist das Angst vor Konkurrenz oder Unwissenheit oder Desinteresse der alten Medien?

Annette: Facebook-Bashing bringt Quote und vermutlich haben die wenigsten wirklich verstanden, worüber sie da schreiben. Und natürlich spielt da viel Angst vor den neuen Medien mit rein. In letzter Zeit ist es schon um einiges besser geworden, aber da ist noch viel Luft nach oben. 😉 Ich würde in Onlinefragen dazu raten, lieber bei den entsprechenden Online-Medien und seriösen Blogs nachzuschauen, statt zu glauben, was in der Lokalzeitung steht.

Ulrike: In Facebook selbst erscheinen mir die Reaktionen auf Änderungen der AGBs immer ziemlich heftig: Es wird über das Verlassen der Plattform diskutiert und Nutzer verbreiten Warnhinweise im Schneeballsystem. Auf der anderen Seite wird Facebook weiter von vielen genutzt. Ist das kein Widerspruch?

Annette: Naja, wer sich einmal sein persönliches Netzwerk auf Facebook aufgebaut hat, der wird sich schon mehrmals überlegen, ob er das aufgibt und sich woanders die ganze Arbeit nochmal macht. Facebook ist derzeit nun mal das verbreitetste Kommunikationsmedium, um mit anderen online in Kontakt zu bleiben. Das macht es ja auch den anderen Netzwerken so schwer, die Nutzer im selben Maße zu sich rüber zu ziehen.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Leute besser mit dem Medium auseinandersetzen, das sie da nutzen. Aber das Pull-Prinzip ist noch nicht bei den Leuten angekommen. Sie sind gewohnt mit Informationen bedient zu werden, statt die Quellen selbst auszusuchen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Dabei gibt es viele Seiten, über die man sich bequem auf dem Laufenden halten lassen kann. Ich biete dafür gleich mehrere Wege:

Ulrike: Wie geht der Nutzer verantwortungsvoll mit solchen Veränderungen um?

Annette: Jedenfalls nicht, indem er die x-te Grafik oder irgendwelchen vermeintlichen Widerspruchstext in sein Profil kopiert und zum Weitersagen aufruft. Das ist Unsinn und völlig wirkungslos. Wenn man Widerspruch einlegen will, dann muss man das innerhalb der jeweiligen Fristen beim betreffenden Änderungsdokument selbst tun. Um sowas rechtzeitig mitzukriegen, sollte man die Seite https://www.facebook.com/fbsitegovernance liken und deren Neuigkeiten am besten in eine eigene Liste bestellen (die man dann auch regelmäßig checkt).

Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass Facebook eben ein Unternehmen ist. Da kann Mark Zuckerberg noch so hehre Ziele mit der globalen Vernetzung der Menschheit haben. Von irgendwas muss die Verwaltung der Datenberge, die da täglich von derzeit ca. 1,2 Mrd Nutzern weltweit produziert werden, ja finanziert werden. Daher Werbung.

Werbetreibende in Facebook können indes nur auf das zurückgreifen, was die Nutzer von sich preisgeben. Und dazu gehört nun mal auch, welche Seiten ich like und mit wem ich mich als „Freund“ verknüpfe. Aber statt solche Diskussionen wie jetzt zum Anlass zu nehmen, sich zu informieren und die eigenen Aktivitäten mal zu durchdenken, werden lieber unsinnige Bildchen weitergeleitet und danach macht man fröhlich weiter wie vorher.

Die Menschen müssen endlich mal begreifen, dass das Web kein privater Spaß, sondern ein öffentlicher Raum ist. Und dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, sich zu informieren, genau wie im Offline-Leben auch. Dazu ist dringend eine Alphabetisierung in Sachen Medienkompetenz nötig – und das für alle Menschen, egal welchen Alters.

 

 

Ulrike Dümpelmann
Ulrike Dümpelmann startete 2013 als Blogpraktikanitin und war danach bis September 2015 als freie Mitarbeiterin bei schwindt-pr tätig. Sie ist zuständig für die On- und Offlinekommunikation der Brotfabrik Bühne Bonn, Social Media Addict und (Ex-) Buchhändlerin.

3 Kommentare

  1. Ich finde, dass du teilweise recht hast, dass die User mehr Verantwortung übernehmen müssen. Ich bin aber nicht der Meinung, dass die Verantwortung nur bei den Usern liegen darf. Facebook nimmt sich bei genauerer Betrachtung hier neue Rechte heraus, die entweder nicht zulässig sind oder m. E. zu weit gehen. So sind die neuen Klauseln beispielsweise für Werbung mit Minderjährigen ziemlich sicher schlicht unwirksam und in dieser Form nicht erlaubt. Da heißt es:

    „Solltest du jünger als achtzehn (18) Jahre alt sein bzw. gemäß einer anderen gesetzlichen Altersgrenze als minderjährig gelten, versicherst du, dass mindestens ein Elternteil bzw. Erziehungsberechtigter den Bedingungen dieses Abschnitts (sowie der Verwendung deines Namens, Profilbildes, deiner Inhalte und Informationen) in deinem Namen zugestimmt hat.“

    Das dürfte als Zustimmung nicht ausreichen. Der von dir verlinkte Artikel zur rechtlichen Einordnung hat das ja schon generell klargestellt, nicht nur für Jugendliche. Selbst in den USA gehen die Datenschützer deswegen auf die Barrikaden. Und das sind nicht irgendwelche hysterischen User, sondern Leute, die was von der Materie verstehen. Dass Facebook mit den Änderungen nicht nur für Jugendliche möglicherweise gegen die Auflagen der Federal Trade Commission von 2011 verstößt, kommt noch hinzu. Eine Beschwerde dagegen liegt der FTC bereits vor. Last but not least verstößt die Ankündigung, Werbung nicht immer als solche kennzeichnen zu wollen, klar gegen deutsches Recht. In Deutschland muss Werbung als solche gekennzeichnet sein.

    Die von dir genannte Einstellungsmöglichkeit, mit der man verhindern kann, dass mit diesen Informationen geworben wird, wird übrigens in den neuen Nutzungsbedingungen nicht mehr erwähnt. Bisher findet man sie in Punkt 10.1 der Nutzungsbedingungen. In 10.2 heißt es zukünftig zwar noch

    „Wir geben deine Inhalte und Informationen nicht ohne deine Zustimmung an Werbetreibende weiter.“.

    Aber das bezieht sich ja auf die Weitergabe der Daten an die Werbetreibenden selbst und nicht auf die Verwendung in Werbeanzeigen innerhalb Facebooks. Facebook beteuert zwar, dass die Einstellungsmöglichkeit, das abzuschalten, bestehen bleiben soll, kann sie aber nun faktisch jederzeit streichen, was vorher nicht ging.

    Es stimmt: Das Web ist in Teilen – auf keinen Fall aber als Ganzes, auch in Facebook gibt es nicht öffentliche Bereiche – ein öffentlicher Raum. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ein Unternehmen sich grenzenlos selbst meine Zustimmung zur Werbung mit den Informationen, die ich veröffentliche, einholen darf. Spätestens wenn die genannte Einstellungsmöglichkeit wegfällt, ist das inakzeptabel. Und darauf verwette ich mein letztes Hemd, weil nämlich jetzt viel mehr Leute diese Einstellungsmöglichkeit nutzen werden. Ebenso finde ich es auch nicht in Ordnung, dass die genannte Einstellungsmöglichkeit nicht standardmäßig auf „Niemand“ steht. Niemand will sicher Facebook verbieten, seinen Dienst zu monetarisieren und Werbung zu schalten. Ob dafür unbedingt die Nutzer hinhalten müssen, halte ich für fragwürdig.

    1. Bin ganz Deiner Meinung: Die Verantwortung liegt nicht nur beim Nutzer, sondern auch bei Facebook. Mir ging es darum zu zeigen, wo man sich jetzt und künftig informieren kann und welche Einstellungs- und Widerspruchsmöglichkeiten es gibt.

      Und ja, es wird befürchtet, dass die genannte Einstellung abgeschafft werden könnte. Immerhin gibt es sie schon sehr lange…

      Vielleicht sollte Ulrike mal ein eigenes Datenschutz-Interview mit Dir machen? Bist Du dabei?

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