Wie Sie mich als Bloggerin (nicht) ansprechen sollten

Auf karrierebibel.de findet sich eine schöne Liste der häufigsten Fehler, die beim Ansprechen von Bloggern gemacht werden. Auch mir passiert es immer wieder, dass ich kontaktiert werde, weil jemand möchte, dass ich über sein Produkt schreibe. In den meisten Fällen verärgert mich das nur, weil folgende Fehler begangen werden:

Wie ich NICHT angesprochen werden möchte

  • Der Absender behauptet, mein Blog zu lesen, oder mir irgendwo zu folgen, lässt aber in der Mail erkennen, dass er gar nicht weiß, was ich wirklich mache oder wer meine Leser sind.
  • neg_smilieDer Absender liest mein Blog zwar tatsächlich oder folgt mir irgendwo, hat sich aber noch nie in Gespräche eingebracht.
  • Der Absender hat sich noch nie in Gespräche mit mir eingebracht, kommt mir in der Mail aber plump vertraulich als wären wir alte Freunde.
  • Der Absender möchte, dass ich über ein Produkt schreibe, das weder für mich noch für meine Leser einen Mehrwert hat.
  • Der Absender möchte, dass ich etwas teste, ich bin neugierig und tue es, gebe Feedback, das jedoch abgewiegelt oder gar nicht beantwortet wird. Stattdessen kommt die wiederholte Rückfrage, wann ich denn endlich darüber schreibe.

Ehrlich gesagt bin ich generell nicht geneigt, auf Aufforderung hin über etwas zu schreiben. Wenn ein Produkt interessant ist, dann findet es seinen Weg über meine Timeline sowieso zu mir und dann werde ich aus eigenem Antrieb nachfragen und darüber schreiben.

Wie ich angesprochen werden möchte

  • Machen Sie sich die Mühe, meine Über-mich-Seite sowie meine Newsroom-, Blog- und Social-Media-Beiträge wirklich zu lesen, um ein Gefühl für meine Haltung und meine Leserschaft zu bekommen. Am einfachsten erreichen Sie alles über meinen Newsroom.
  • pos_smilieBringen Sie sich sachbezogen und nicht für sich werbend in die Gespräche auf meinen verschiedenen Kanälen ein, damit ich Sie positiv wahrnehme noch bevor Sie mit Ihrem Anliegen an mich herantreten.
  • Schicken Sie mir dann eine Privatnachricht an meine Facebookseite oder eine Mail, in der Sie mich kurz fragen, ob ich Interesse daran hätte, etwas über Ihr Produkt zu erfahren, und in der Sie mir einen weiterführenden Link zu einer aussagekräftigen Seite anbieten, auf der ich schnell und einfach alles Wichtige erfassen kann.
  • Wenn ich daraufhin mein Interesse als Antwort bekunde, habe ich vermutlich auch gleich erste Fragen und wir können in ein produktives Gespräch einsteigen.
  • Wie Sie hier in meinem Blog und auf meinen Seiten auf Google+ und Facebook sehen, sieze ich diejenigen, die ich nicht persönlich oder über meine privaten Profile kenne. Ich möchte daher in einer Mail, die einem geschäftlichen Anliegen dient, nicht ungefragt geduzt werden. Ausnahme: Wir haben und bereits privat unterhalten und da geduzt.

Wenn Ihnen das zuviel Aufwand ist und zu lange dauert, dann lassen Sie es einfach gleich bleiben. 🙂

Ein gutes Beispiel

RebelMouseAls Best Practise sei hier der Fall von RebelMouse genannt: Über einen Kollegen, der den damals neuen Dienst gerade entdeckt hatte, wurde ich auf RebelMouse aufmerksam. Es klang interessant, also schaute ich es mir genauer an, probierte es aus und schaute mir die RebelMouse-Präsenzen auf Facebook und Co. an.

Meine ersten Fragen, die ich via Facebook-Nachricht an RebelMouse schickte, wurden auf sehr freundliche und persönliche Weise (trotz Wochenende und Zeitverschiebung) prompt und hilfreich beantwortet. Ich bekam sogar Vorabinfos über Funktionen, die zu dem Zeitpunkt noch in der Entwicklung waren, die ich in mein Blogpost schon ankündigen konnte!

Seitdem sind wir in regelmäßigem Kontakt, ich bekomme jederzeit persönlichen Support und kann auch Kritikpunkte direkt mit den Machern diskutieren. Umgekehrt sage ich – freiwillig und unaufgefordert! –  deren Neuerungen weiter, die ich für besonders gut befinde.

Genau SO stelle ich mir nachhaltige Blogger Relations vor!

Mehr Lesestoff

Weitere Infos finden Sie bei Mike Schnoor, der auch andere in einer Blogparade dazu zu Wort kommen lässt.

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

27 Kommentare

  1. Hallo,
    ich freue mich über den Beitrag.
    Scheint offenbar ein Dauerthema zu sein…
    Für meine Aktivitäten würde ich noch ergänzen, dass der Absender berücksichtigen müsste, ob man Vollzeit, beruflich, im Social Web unterwegs ist oder das, durchaus mit großem Engagement, nebenberuflich macht. Im zweiten Fall ist man (oder ich) nicht immer in der Lage sofort und über alle interessanten Themen zu berichten…
    LG,
    Stefan Hoffmeister (@Geistreich78)

    1. Da stimme ich Stefan zu – nebenberuflich fehlt mir oftmals die Zeit, etwas so schnell zu bemustern, wie man sich das vielleicht beim Label (für mein Musikblog) oder der Firma xy vorstellt. Dann bekomme ich nervige Nachfragen in regelmäßigen Abständen und bin schon so genervt, dass ich dann nicht über das Produkt schreiben möchte, weil es einfach nur noch schlecht werden kann. Wenn die Kommunikation also im Vorfeld schon nicht stimmt, entscheide ich mich meist – auch zum Wohl des Produkts/der Firma – gegen einen Beitrag, da ich natürlich auch transparent über die Kommunikation schreiben würde.

      Aber noch schlimmer sind so Dienste wie rankseller. Habe mir das jetzt sein paar Tage angesehen und es wird einem schlecht, wie und wofür Firmen Blogger suchen und für was sie bezahlen. Ja, damit kann man Geld machen, aber es wirkt schmutzig und unehrlich auf mich. Lieber blogge ich weiterhin ohne Geld zu verdienen oder ohne netten Gimmicks von Firmen, als mich so zu verkaufen, wie es dort gängig ist.

      1. ich nutze Rankseller schon für meinen Blog. Allerdings gebe ich recht, dass es hier wie immer auf die professionelle Zusammenarbeit ankommt.

        Ergänzend: Ich finde Einladungen zu Bloggertreffen und Firmenbesichtigungen toll – aber kann sie nicht wahrnehmen, wenn diese tagsüber, zu den Arbeitszeiten meines Arbeitgebers stattfinden. Hier würde ich mir auch ein bisschen mehr Kreativität wünschen

  2. Hallo,
    auch ich werde oft sehr unprofessionell kontaktiert.
    Was mir auch unschön auffällt: Mails von xyz85@gmail.com oder ähnlichen freien Anbietern ohne Absenderangaben.
    Und wenn ich das moniere kommt meistens nichts zurück… Seriös ist anders 🙂

    Sonnige Grüße
    Heike

  3. Ich bin über Facebook auf den Eintrag gestoßen und habe ihn mit sehr großem Interesse gelesen. Besonders ein Punkt ist mir besonders ins Auge gefallen, nämlich, dass fremde Menschen einen duzen. :/
    Fast nahm ich schon an, dass nur ich damit ein Problem hätte und ‚uncool‘ wäre. Es ist beruhigend zu wissen, dass es nicht nur mich stört. 😉

  4. Danke für den Beitrag. Ich wollte letztens wegen eines Themas, das mir sehr am Herzen lag, auch Kontakt zu Bloggern aufnehmen und war eigentlich ein bisschen überfordert. Da ich selbst sowohl in meinen privaten Blogs als auch früher im corporate Blog meines Arbeitgebers immer sehr genervt reagiert habe, wenn jemand mit Anfragen „Könnt ihr nicht mal…“ auf mich zu kamen, war ich total verunsichert, wie ich das jetzt am besten anfange. Am Ende habe ich es dann gelassen. Vermutlich habe ich mir viel zu viele Gedanken gemacht.

    Ich freue mich über jeden Blogbeitrag, der mir da Hilfestellung gibt.

  5. Hallo Frau Schwindt,

    Sie sind in zahlreicher Gesellschaft, auch wenn das vielleicht kein Trost ist. Ich habe in letzter Zeit von mehreren Bloggern gelesen, die regelrecht zugespamt werden.

    Übrigens habe ich in der Bloggerszene, auf Facebook und Twitter bisher immer geduzt und mich duzen lassen, während ich auf Platformen wie XING oder LinkedIn eher sieze. Ich hatte mir aber bisher nur wenig Gedanken darum gemacht, das kam intuitiv.

    Ich vermute, dass dieser Beitrag an der Problematik nicht viel ändern wird, da hilft nur der Delete-Button. Meine Laufseite erreichen auch regelmäßig Mails, zwar nicht von Buchautoren (ich bin ja selbst eine davon), sondern von Sportartikelherstellern. Social Marketing und Empfehlungsmarketing steht immer öfters in der Agenda von Unternehmen, fast immer werden Praktikanten mit dieser Aufgabe betraut, entsprechende Blogs anzuschreiben.

    Eines würde mich nach dem Besuch Ihrer Seite aber noch interessieren, falls Sie antworten möchten: Würden Sie Buchautoren Google+ empfehlen?
    Ich war zu Beginn der Platform dort kurz aktiv, fand aber ’nur‘ meine XING-Kontakte wieder, so dass ich die Platform wieder verließ.

    Freundliche Grüße,
    Anja Dostert

    1. Ja, das würde ich. Schon allein wegen authorrank und SEO. Und dann natürlich wegen der tollen Möglichkeiten zum Vernetzen und Recherchieren von Themen.

  6. Ich bin mittlerweile von solchen plumpen Anfragen derart genervt, dass ich mir nicht mal mehr die Mühe mache, darauf zu antworten, obwohl ich den Absendern eigentlich gerne mitteilen würde, was sie besser machen könnten. Beim nächsten Mal verlinke ich einfach diesen Beitrag – da ist nichts hinzuzufügen. Vielen Dank, Frau Schwindt 🙂

  7. Ja, da ist viel Wahres dran! Manchmal würde es doch sogar genügen, wenn der Absender eine Mail schickt, in der er erst einmal anfragt, ob man überhaupt belästigt werden will … Und bei RebelMouse bin ich jetzt auch 😉

  8. Liebe Annette,
    danke für diesen wunderbaren Beitrag! Die obige Idee, in einer Antwort-E-Mail auf solcherlei Anfragen auf deinen Beitrag zu verlinken, finde ich übrigens großartig!
    Liebe Grüße und bis zum nächsten SMCBN,
    Kristine

  9. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Er ist genau zum passenden Zeitpunkt – zur Fertigstellung einer Einsendeaufgabe zu diesem Thema – auf meinem Bildschirm aufgetaucht und war mir eine interessante (und sehr willkommene) Hilfestellung.

    Sonnige Grüße und einen schönen Abend
    Sisa

  10. Hi Anette,
    schöner Beitrag, nur das mit dem duzen und siezen fand ich jetzt doch etwas verwirrend. Ich habe eigentlich bisher immer das Gefühl gehabt, daß man unter Bloggern, bei Twitter und sonstigen Social Media Kanäle, mit Ausnahme von Xing, das „Du“ verbreitet ist. Ich fände es komisch, in einem Kommentar plötzlich jemanden zu siezen.
    LG Michaela

    1. Es kommt darauf an, ob ich privat oder geschäftlich kommuniziere und welche Anrede der „Hausherr“ für seine Präsenz gesetzt hat. Privat ist das Du üblich, ja. Aber hier ist ja nicht privat. 🙂 Ich habe im Artikel weiterführende Infos dazu verlinkt. Bitte dort weiterlesen.

  11. Herzlichen Dank, liebe Annette.
    Das Angesprochenwerden hält sich bei mir zwar relativ in Grenzen, alle von Dir dargestellten Fehler habe ich aber schon live und in Farbe erleben dürfen. Gerade diejenigen Leute, die behaupten, meine Seite regelmäßig zu besuchen, während Ihr Schreiben das genaue Gegenteil belegt, nerven mich kolossal. Weil sie offenbar glauben, mich veräppeln zu können.

    Künftig werde jedenfalls auch ich, wie weiter oben vorgeschlagen, einen Link zu diesem Artikel meiner Antwort hinzufügen. Sofern ich denn eine schreibe.

    Viele Grüße und bis demnächst noch einmal.
    Christoph

  12. Sehr geehrte Frau Schwindt,

    ich bekomme auch sehr viele dieser Anfragen. Mich ärgert es am meisten, wenn die Anfragenden mir nicht auf Augenhöhe begegnen und versuchen mich erst mal für blöd zu verkaufen. Daher kann ich Ihr Anliegen sehr gut nachvollziehen.

    Aber wer mich nett anschreibt, individuell formuliert und offen und ehrlich erklärt, was sein Anliegen ist und mir auch meinen Nutzen aufzeigt und das Produkt auch zu meinem Blog und Lesern passt, der kann gerne egal wie auch immer mit mir Kontakt aufnehmen und mich auch gerne duzen.

    Aber wie Sie angesprochen werden möchten, halte ich doch für sehr umständlich und für eine Bloggerin im Bereich Kommunikation mehr als unüblich. Der unkomplizierte und unformelle Umgang ist doch gerade das, was das Bloggen ausmacht. Und vor allem im Marketing oder wie bei mir im Bereich Outdoor. Ich denke nicht, dass wir Blogger Regeln für eine formal korrekte Ansprache aufstellen sollten. Ein offener und ehrlicher Umgang auf Augenhöhe reicht mir persönlich vollkommen aus.

  13. In großen Teilen gebe ich Recht. Aber die Sache mit der Anrede finde ich auch verwirrend. Blogger duzen sich, das war eine der ersten Sachen, die ich gelernt habe, als ich vor 2 Jahren startete.
    Ich fände es auch als Kommentator sehr irritierend und viel zu aufwändig, immer erst im Prodil des Bloggers nach dem alter zu schauen, und sich dann für eine Anrede zu entscheiden. Gerade beim Kommentieren geht es ja meist weniger um den Blogger als um das Thema an sich.
    Im Gegenteil, wenn ich Anfragen von Agenturen o. Ä. erhalte, in denen ich gesiezt werde, ist das für mich sogar ein Hinweis darauf, dass sich der Schreiber nicht auskennt.

  14. Ich bin durch Google hier gelandet und finde diesen Blogpost sehr inspirierend. Zum Thema „duzen“ möcht ich noch erwähnen, dass es Unterschiede gibt. Ein Blog, der primär eine jugendliche Zielgruppe anspricht (z.B. sehr Hobbylastig ist) wäre mit „Sie“, „Ihre“ etc. falsch. Da passt das „du“ meines Erachtens nach eher.
    Ich selbst betreibe zwei Blogs. Einmal meinen oben verlinkten Hobbyblog und meinen gewerblichen. Aber auch im gewerblichen Blog duze ich meine Leser, weil diese eig. durch die Bank weg jung bzw. jung geblieben sind oder einer Personengruppe angehören, in denen das Duzen üblich ist (Rocker, Gothics, Motorradfahrer, etc.). Dann kommt hinzu, dass ich Fotografien anbiete und auch in diesen Kreisen ist das Duzen eher üblich als das Siezen.
    Ich denke, es ist von Fall zu Fall unterschiedlich, ob man jemanden duzt oder siezt (ich spreche z.B. meine Leser auch immer direkt an. Also 2. Person singular und nicht wie viele 2. Person plural).

  15. Hallo, guiten Morgen, ist alles schon ein paar Jahre alt, hat aber nicht an Aktualität verloren, wie ich regelmäßig feststellen darf.

    Vorweg… bei Rankseller einfach die Preise anheben. Diejenigen, die den eigenen Blog richtig einschätzen können, werden trotzdem anfragen. und die von Euch zitierten „Nullnummern“ scheiden freiwillig aus. Aber man verbaut sich nicht die Chance auf gute Artikel.

    Wegen der Anrede…. was ich nicht nachvollziehen kann ist die angebliche Verwirrung. Ich handhabe das wir im realen Leben: ich dutze auch nicht jede Verkäufern weil Sie sich für den Einkauf bedankt hat und ebenfalls nicht jeden, mit dem ich einmalig Smalltalk in der Bahn hatte. Von daher bleibe ich beim Sie.

    Wenn ich von Agenturen immer gleich gedutzt werde, schreckt mich das ab und frage auch schon mal nach, woher wir uns denn kennen. Gute Agenturen reagieren darauf 🙂

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