Selbsterklärend muss es sein

Den ersten Satz, den ich als freie Mitarbeiterin bei der Zeitung und später als Volontärin eingebläut bekam, lautete: „Schreib für Idioten“. Was abwertend klingt, ist keineswegs so gemeint. Vielmehr geht es darum, sich in die Perspektive einer Person zu versetzen, die nicht das Wissen desjenigen hat, der etwas schreibt: Kann der Leser das, was ich schreibe, verstehen, ohne in meinem Kopf zu sein?

fragezeichenIm Social Web wird dieses Mantra noch viel wichtiger und ich beobachte gerade bei Anfängern oft, dass nur im eigenen Saft gedacht wird. Denn vielen ist nicht klar, dass Beiträge im Social Web in der Regel nicht auf der Seite gelesen werden, von der sie stammen. Statt dessen erreichen ihre Leser zusammen mit Beiträgen von anderen Absendern im Newsfeed (auf Facebook sind das die Neuigkeiten auf der Startseite, in Google+ ist es die allgemeine Übersicht, in Twitter die Timeline). Sie stehen also für sich allein und müssen daher so allein wie sie da stehen verstanden werden können.

Das bedeutet, dass Beiträge, die nicht selbsterklärend sind, durch das Aufmerksamkeitsraster fallen. Denn die wenigsten Leser werden sich die Mühe machen, erstmal zu recherchieren, was Sie ihnen eigentlich sagen wollen. Was nicht das Interesse des Lesers weckt, wird aussortiert.

Das wirkt sich auch auf die Interaktionen aus: Wenn die Leser Ihren Beitrag nicht verstehen, werden sie ihn auch nicht kommentieren, liken, oder weiterempfehlen. Und wenn sowas öfter passiert, werden künftige Beiträge vielleicht gar nicht mehr angezeigt, weil sie absichtlich oder automatisch ausgefiltert werden.

Stellen Sie sich also vor dem Veröffentlichen von Beiträgen folgende Fragen:

  • Wenn ich von dem, worum es im Beitrag geht, noch nie gehört hätte, könnte ich ihn trotzdem verstehen?
  • Würde mich der Beitrag zu einer Interaktion anregen?
  • Würde ich ihn gern weiterempfehlen?

Wenn Sie diese Fragen nicht mit Ja beantworten können, sollten Sie den Beitrag besser nochmal überarbeiten. 😉

 

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

2 Kommentare

  1. Das spricht mir aus der Seele! Ich selbst versuche genau diesen Grundsatz, für Idioten zu schreiben, zu beherzigen. Aber oft bekomme ich Texte oder Vorschläge, oder lese selbst etwas online, was diesem Grundsatz überhaupt nicht entspricht. Am schlimmsten finde ich Abkürzungen, die nur Insidern bekannt sind.

Kommentare sind geschlossen.