Facebook: Was bedeutet denn nun „nicht mehr als 20% Text im Titelbild“?

Nachdem ich vor ein paar Tagen über die Aktualisierung der Facebook-Richtlinien für Titelbilder berichtet hatte, die am 15.1.2013 in Kraft getreten sind, gab es einige Rückfragen. Daher habe ich RA Dr. Jan Christian Seevogel gebeten, hier in einem eigenen Beitrag darauf einzugehen. Sollte es weitere Fragen geben, hinterlassen Sie diese bitte in den Kommentaren.

Die aktualisierten Facebook-Richtlinien geben vor, dass Facebook-Titelbilder nicht mehr als 20% Text enthalten dürfen. Aber was genau bedeutet das? Und wie ist das genau gemeint mit den nicht erlaubten Kontakt-Infos im Titelbild? Das Ergebnis lautet leider wie bei den Facebook-Richtlinien so oft: Ganz sicher weiß man es nicht.

Hier die Antworten auf die bisher am häufigsten gestellten Fragen:

1) Zählt ein Text-Logo als Bild oder als Text?

Antwort: Einerseits entsteht ein Logo – auch wenn es Text enthält – in aller Regel durch Design und hat daher in seiner Gesamtheit oft Bildcharakter. Dies kann allerdings keine generelle Einordnung sein, sondern dürfte von Einzelfall zu Einzelfall anders zu bewerten sein. Andererseits ist und bleibt ein Text ein Text. Und wenn man streng nach dem Wortlaut der FB-Richtlinien geht, wird jedenfalls der Text-Bestandteil des Logos den 20% zugerechnet. Wer auf Nummer sicher gehen und keine bösen Überraschungen erleben möchte, sollte sich danach richten.

2) Auf welche Weise werden die 20% berechnet? Allein nach der Fläche? Oder enthält ein Titelbild mit drei Worten und drei Bildern bereits 50% Text?

Antwort: Vermutlich ist das Ausnutzen der Fläche gemeint, ganz sicher ist aber auch das nicht. Nur ergibt sich daraus die Folgefrage, wie ich als Nutzer die Berechnung vornehmen soll? Mit Lineal am Bildschirm und anschließender Dreisatz-Berechnung wie eine Leserin vorgeschlagen hat? Wem das zu umständlich ist, dem bleibt wohl nur auf Nummer sicher zu gehen und mit dem bloßen Auge richtig abzuschätzen, dass er sogar noch Luft nach oben hat, bis die 20% erreicht sind…

3)  Kontakt-Infos im Titelbild sind nicht erlaubt. Was aber ist, wenn z.B eine Fahrschule ihren Ausbildungswagen im Titelbild zeigt und auf dem Fahrzeug sind groß die Kontaktinfos der Fahrschule abgebildet?

Antwort: Ich würde hier von einem Bild ausgehen, da der Bildcharakter m.E. stark im Vordergrund steht. Wie aber das Facebook-Team den Fall beurteilen würde, kann ich leider nicht sagen…

Schlauer? Hoffentlich wenigstens ein bisschen…
Wenn Ihnen weitere Fragen einfallen, stellen Sie diese gern!

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Die rechtlichen Informationen sind stark verkürzt dargestellt. Sie sollen eine erste Orientierung ermöglichen, aber können und sollen eine kompetente Rechtsberatung im Einzelfall nicht ersetzen.
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RA Dr. Jan Christian Seevogel
Dr. Jan Christian Seevogel ist als Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten IT-/IP-, Internet-, Social Media-, Games- und eHealth-Recht in der Kanzlei Lausen Rechtsanwälte in München tätig. Er ist Autor des Buches "Facebook und Recht" im O'Reilly Verlag und betreibt die Internetplattform www.falsch-bewertet.de. Seinen Blog finden Sie unter www.seevogel.de.

25 Kommentare

  1. Für das Titelbild definiert Facebook ein Format von 851 x 315 Pixel = 268.065 Quadratpixel. 20 Prozent davon sind 53.613 Quadratpixel. Dies ist meines Erachtens die Fläche, die Text auf dem Titelbild maximal einnehmen darf.

    Ein guter Grafiker dürfte eher einen Taschenrechner als ein Lineal benötigen, um die entsprechenden Werte für Länge und Höhe zu ermitteln …

    1. Damit dürfte sich dann wohl meine Frage erledigt haben, ob hier „nur“ der direkt sichtbare Teil des Titelbilds gemeint ist, oder das Titelbild, was erscheint, wenn es als Ganzes eingeblendet wird.

      Immerhin scheint es so zu sein, dass der Account dann nicht direkt gesperrt wird, wenn ich die Antwort weiter oben richtig verstehe. Das wird vermutlich mitgeteilt, wenn die ersten Löschungen passiert sind?

  2. zur berechnung: facebook hat ein best practice für die newsfeed-anzeigen veröffentlicht. dort gehen sie auf die 20%-regel bei den anzeigen (bzw. sponsored posts) ein und zeigen, wie man es berechnen kann. klar, haben die titelbilder ein anderes format, aber ich denke, das ist schon mal ein guter ansatzpunkt. müsste man halt mal „umrechnen“. anders werden sie es bei titelbildern auch nicht berechnen…

    artikel zum best practice bei futurebiz: http://www.futurebiz.de/artikel/best-practice-guide-von-facebook-so-mussen-newsfeed-anzeigen-aussehen/

  3. Hallo Herr Seevogel,

    erklären Sie doch mal bitte halbwegs logisch den Unterschied zwischen einem Logo aus (1) dem Sie vorwiegend Textcharakter zuweisen und dem Fahrschulwagen aus (3), dem Sie den Bildcharakter gönnen.

    Diese Frage und die Antworten zeigen, und das ist nicht ihre Schuld, die Krux in der sich mindestens im deutschsprachigen Raum, den ich spachlich nachverfolgen kann, sicherlich aber auch weltweit die gesamte Rechtslage und -sprechung verfangen hat.

    Die verwendete Sprache an die sich die Juristen gewöhnt haben, scheint nicht in der Lage Ziele richtig zu formulieren. Die Unverständlichkeit für Normalbürger kommt noch dazu.
    Rechtsanwälte, Juristen und Parlamentarier scheinen nicht in der Lage an diesem sprachlichen Wahnsinn etwas ändern zu wollen und der Bürger muss sich mit den Folgen rumärgern.

    Ohne platte Branchenschelte an allen Genannten üben zu wollen: Wo sehen Sie Bestrebungen Ihrer Branche daran etwas zu ändern oder zu verbessern? Die verzwickten Zustände einfach durch noch kompliziertere Geseztestexte weiter zu verschlimmberssern kann ja keine Lösung sein.

    Es scheint wirklich so zu sein:
    Vor Gericht und auf hoher See….

    schöne Grüße
    Wolfgang Gosejacob

  4. Hallo Herr Gosejacob,

    herzlichen Dank für die Frage und Ihre Kritik. Ich kann sehr gut verstehen, dass Juristendeutsch sehr abschreckend sein und man sich auch darüber ärgern kann. Deshalb versuche ich eigentlich, eine Sprache zu verwenden, die auch Nichtjuristen gut verstehen können und es tut mir leid, wenn mir das in diesem Fall nicht gut gelungen ist.

    Zu Ihrer Frage:

    Der erste Unterschied zwischen Fall 1) und Fall 3) besteht schon in der Fragestellung:

    Bei Fall 1), dem Text-Logo, geht es um die Frage, ob das Text-Logo den 20% Text, der nach den aktualisierten Facebook-Richtlinien erlaubt ist, zuzurechnen ist oder nicht.

    Bei Fall 3) geht es um die Frage, ob Kontakt-Infos, die nach den aktualisierten FB-Richtlinien eigentlich im Titelbild unzulässig sind (unabhängig davon, ob das Titelbild weniger als 20% Text enthält oder nicht) ausnahmsweise doch sichtbar sein dürfen, wenn sie sich innerhalb eines Fotos z.B. auf einem Fahrzeug einer Fahrschule befinden.

    Ich sehe zweitens den folgenden Unterschied zwischen dem Text-Logo unter 1) und dem Foto unter 3):

    Die Kontakt-Infos auf dem Fahrzeug sind eine Ebene weiter entfernt als der Text des Logos. Das Fahrzeug ist Teil eines Fotos, die Kontakt-Infos sind wiederum Teil des Fahrzeugs.

    Das Text-Logo hingegen wird durch den Seitenbetreiber üblicherweise als weiteres „Element“ in das Titelbild integriert. Dabei gehe ich davon aus, dass Facebook vor allem etwas dagegen hat, wenn die Titelbilder bearbeitet werden und z.B. groß die Kontaktinformationen des Unternehmens direkt über das Titelfoto plakatiert, also in das Foto als „Element“ eingebaut werden. So sprechen auch die Facebook-Richtlinien von „Elementen“, die das Titelbild nicht enthalten darf. Jedenfalls wenn man den Begriff „Elemente“ technisch versteht, also als eingebautes (hinzugefügtes) weiteres Bild-Elemente, kann man diese Auffassung meines Erachtens gut vertreten. Das ist aber nur meine persönliche Einschätzung und ich gebe Ihnen völlig Recht, dass man das auch anders sehen kann. Deshalb weise ich ja darauf hin, dass das Facebook-Team hier möglicherweise anderer Ansicht ist. Und ich gebe Ihnen auch Recht, dass meine Antwort auf Frage 3) unheimlich kurz ausgefallen ist und ich mich vielleicht besser hätte erklären sollen. Ich hoffe, das hiermit nachgeholt zu haben.

    Mit den besten Grüßen
    Jan Christian Seevogel

  5. Hallo Herr Seevogel,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Aber die Kritik mit dem Juristendeutsch ging nicht an Sie, sondern an Ihre Branche. Ich fand Ihren Text schon verständlich und auch nicht zu kurz.

    Der Hintergrund meiner Kritik wird eventuell nach der Lektüre der folgenden Zeilen deutlicher
    🙂
    Die mit „Exkurs“ gekennzeichnete Passage kann bis zu „zurück zum Roten Faden“ übersprungen werden.

    facebook
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    Wenn ich Sie richtig verstehe / interpretiere geht es letztendlich mehr um die von FB festgelegte 20 % Grenze, als um die Tatsache, ob es sich bei dem abgebildeten Text um Kontaktdaten handelt oder einen Firmennamen.
    Insofern sind Auto und Logo wieder vergleichbar.

    Dass die Auslegung im Einzelfall (hier FB) beim Algorythmus des Programms oder des dafür zuständigen Mitarbeiters liegt, ist unbestritten.

    mehr als facebook
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    Meine Kritik ging weit über FB hinaus. Das ist Ihnen eventuell entgangen. 🙂
    Ich sehe auch weniger das Problem im Juristendeutsch per se, sondern dass es der Menge aller Juristen – trotz langjähriger Ausbildung – scheinbar nicht möglich ist Texte zu verfassen, die eindeutiger sind und nicht von der Kommasetzung oder der Rechtschreibung abhängen.

    Vom Erschließen des Sinnes eines Gesetzes
    ————————————————————
    Der Sinn eines Gesetzes und die Entscheidungsfähigkeit eines Richters darf nicht von einem Komma oder einem Rechtschreibfehler abhängen.

    Dann ist der Sinn des Textes nicht klar geworden. (In der Schule hieß das früher: „Thema verfehlt, setzen, 6.“

    (Spezialfälle wie: „Wir essen Opa“ (ohne Komma) und: „Wir essen, Opa“ (mit Komma) einmal ausgeschlossen.) Diese Sinnentstellung (selbst in diesem Fall) darf nicht zu Fehlurteilen führen, die dann durch einen langen Instanzenweg gepeitscht werden, bis sie vom Gesetzgeber verändert werden. Welche Zeiten da ins Land gehen brauche ich nicht zu erwähnen.

    Es kann auch nicht sein, dass der Sinn eines Gesetzes sich nur erschließt:
    – wenn man weiß, wann das Gesetz von wem verabschiedet wurde,
    – welche Gesetze parallel diskutiert, beschlossen oder abgeschafft wurden,
    – was während der Diskussion um das Gesetz wie diskutiert wurde und was nicht den Weg in den finalen Text geschafft hat
    – was von den Politikern versprochen wurde, was das Gesetz erreichen soll
    – wenn man andere Gesetzestexte heranzieht und auf Ähnlichkeiten abklopft (was nur durch ein Studium und langjährige Praxis ermöglicht würde)
    – wenn man die gefühlte Mehrheit der Kommentatoren hinter sich wähnt und die Deutungshoheit an sich zieht
    – o.ä.

    Ein Gesetz muss für sich alleine einen Sinn ergeben.

    ein möglicher Lösungsansatz
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    A – Z.B. durch Einfügen einer Präambel in jedes Gesetz und jedes Kapitel, damit im vorhersehbaren Fall, dass eine unvorhersehbare Situation eintritt das Ziel der Interpretation vorgegenen wird und sich nicht ein Wildwuchs von Richterrecht in verschiedenen Amtsbezirken entwickelt.

    B – Kommentare gehören, wenn sich schon ein Bodensatz von Richterrecht entwickelt hat auf den demokratisch legitimierten Tisch des Gesetzgebers, ob er das „gemeint“ hat, was da entschieden wurde. Danach gehören die Änderungen ins Gesetz geschrieben und die Kommentare werden damit überflüssig.

    C – Ziele werden beschrieben. Ziele, die vermieden werden müssen/sollen werden deutlich formuliert.

    D – Grenzen, die eine Überprüfung des Textes oder der Regelung notwendig machen werden in das Gesetz aufgenommen.
    (Beliebtes Beispiel: Sektsteuer: wurde ins Leben gerufen um ein Projekt ( Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte) zu finanzieren. Das Ende des Krieges würde automatisch das Gesetz zur Überprüfung stellen oder automatisch abschaffen.)

    E – Die Haltbarkeit eines Gesetzes wird festgelegt also eine Überprüfung der Zielerreichung. (vgl. TÜV beim Auto)

    F -Gesetz auf Probe
    Aufgrund der Möglichkeit die Haltbarkeit eines Gesetzes zu limitieren ist diese Variante eigentlich nicht nötig.

    G – Bandwurmdeutsch abgeschaffen
    Beispiel: Rechtsdienstleistungsgesetz
    Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/rdg/__6.html

    § 6 Unentgeltliche Rechtsdienstleistungen
    „(2) Wer unentgeltliche Rechtsdienstleistungen außerhalb familiärer, nachbarschaftlicher oder ähnlich enger persönlicher Beziehungen erbringt, muss sicherstellen, dass die Rechtsdienstleistung durch eine Person, der die entgeltliche Erbringung dieser Rechtsdienstleistung erlaubt ist, durch eine Person mit Befähigung zum Richteramt oder unter Anleitung einer solchen Person erfolgt.“

    Erst die Aufteilung des Bandwurmes in Satzteile mit Anstrichen (zum Abhaken) macht den Text verständlich:
    „(2) Wer unentgeltliche Rechtsdienstleistungen außerhalb familiärer, nachbarschaftlicher oder ähnlich enger persönlicher Beziehungen erbringt, muss sicherstellen, dass die Rechtsdienstleistung
    – durch eine Person, der die entgeltliche Erbringung dieser Rechtsdienstleistung erlaubt ist,
    – durch eine Person mit Befähigung zum Richteramt oder
    – unter Anleitung einer solchen Person erfolgt.“

    Das einfügen von zwei extra Zeilen mit Anstrich kann doch nicht so schwer sein.

    Diese Unsitte findet sich auch bei allerlei Werbe- / Preisangeboten der TK-Branche. Alle Leistungen werden im Fließtext in kleinstmöglicher Schriftart aufgeführt.
    (Um den Kunden abzuschrecken oder einzuschüchtern?)
    Gesetzestexte haben zwar kein Kleingedrucktes, machen es aber durch Masse wett.

    H – einheitliche und logische Struktur in Gesetzestexten
    mein schönes Beispiel:

    Irrsinn mit System
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    Versammlungsgesetz – § 28: „Wer der Vorschrift des § 3 zuwiderhandelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
    Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/versammlg/gesamt.pdf

    Meine Frage:
    – Wer schreibt die Strafzumessung zu einem einzelnen Paragraphen ans Ende des Gesetzes?
    – Wäre es zu schwer gewesen den § 3 anzupassen?
    – Wer hat da nicht aufgepasst?

    Mit nur 33 Paragraphen sollte das kein Problem sein.
    Welch ein Irrsinn!

    Konsistenz / Rechtssicherheit
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    Wenn ich von einem beliebigen Gesetz ausgehe, dass bundesweit Gültigkeit hat, ist es schon verwunderlich, dass die Gerichte in einem Amtsbezirk eine vollkommen entgegengesetzte Meinung / Rechtssprechung entwickeln als Gerichte an anderen Stellen.

    Das führt z.B. bei Firmen dazu, dass sie sich einen Gerichtsort aussuchen können und wen wundert es: Einen, der sogar statistisch berechenbar ein Ergebnis zu Lasten des Beklagten produziert, dass dem Kläger genehm ist. Sonst könnte er die Klage ja auch am Firmensitz oder dem (Wohnort) des Beklagten erheben.

    Ein Justiztourismus sozusagen.
    Ich will nicht einmal unterstellen, dass gewisse Richter eine Rechtspflege betreiben, um Rechtsstreitigkeiten einer gewissen Klientel anzuziehen und damit Arbeitsplätze im Gericht zu sichern.
    Unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten würde der Verdacht allerdings schnell aufkommen und wie weit die Bestrebungen sind auch das Rechts- Gerichtswesen an private „Investoren“ auszulagern muss jemand anderes beantworten.

    Da wäre dann „Rechtsprechung pervers“.

    Kommentare zu Gesetzen
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    Auf welcher Grundlage die Kommentare zu Gesetzestexten entstehen und welche „Manipulationsmöglichkeiten“ in privaten Verlagen bestehen, um „Meinung zu machen“ scheint mir auch nicht durchsichtig. Vor allem sind die Verfasser der Kommentare nicht demokratisch legitimiert. Wenn Meinungsmache oder Manipulationsmöglichkeiten als Begriffe zu streng gewählt sind, stelle ich dennoch in den Raum, dass das Wissen über die Kommentare nicht maßgeblich zur Wissensbildung über den Sinn eines Gesetzes sein kann.

    Die Protagonisten dieser Diskussionen sind nicht gewählte Volksvertreter und damit eigentlich zur Festlegung dieser Meinung nicht berechtigt. Sie sind eine eigene Partei in der Interpretation der Texte. Da dort auch nur Juristen mitdiskutieren steht zu erwarten, dass dort immer aus dem Blickwinkel des „Fachmannes“ gedacht wird.

    Der Jurist als demokratisch nicht legitimierter Fachmann
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    Eines muss man tätigen Juristen wohl zugute halten:
    Sie sind nah an den Menschen, die sich streiten. Vielleicht näher als die demokratisch legitimierten Volksvertreter.

    Aber sie „kennen“ nur diejenigen, die sich schon streiten. Diejenigen, die sich nicht streiten, Streit vermeiden oder mit ihrem Problem nicht öffentlich streiten oder den Rechtsstaat nicht als Gewaltmonopol anerkennen (Stichwort: Organisierte Kriminalität, Rockerbanden, Mafia, Parallelwelten, sowie auch parallele Rechtssysteme: Kirchenrecht oder Sharia, etc.) sind den tätigen Juristen nur magelhaft bekannt. – Sie sind nicht deren täglich Brot.

    Besonders unrühmliches Beispiel von Fachexperte
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    Anne Will – vor einigen Monaten – als über den erschlagenen Jugendlichen in Berlin diskutiert wurde: Die anwesende Schwester ringt mit der Fassung und den Tränen und der anwesende Wifelspütz schwadroniert von den rechtsstaatlichen Prinzipien und vermittelt den Eindruck: Hauptsache es wird bestraft, wann ist egal.
    Über die Wirkung beim Täter (schnelle Bestrafung auf die Tat) und die Wirkung auf die Gesellschaft (na wenn der das kann und nicht belangt wird, dann kann ich das auch) machen sich diejenigen, die den Rechtsstaat so hervorheben gar keine Vorstellungen. In der Folge entwickelt sich dann ein Wettstreit der Straftäter, wer sich am längsten vor den Repressionen des Rechtsstates drücken kann.
    (Wieso fällt mir jetzt die Steuerhinterziehung mit Hilfe der Banken in der Schweiz ein?)

    Und das Opfer ist bei all diesen rechtsstaatlichen Abläufen außen vor. Die Mühlen des Rechtsstaates mahlen langsam aber die mahlen. In der Zwischenzeit sind die “vermeitlichen” Täter, die (in diesem Fall) ein erstes Geständnis abgegeben haben auf freiem Fuß. Und wer Glück hat, dessen Bestrafung fällt der Verjährung zum Opfer oder weil Taten schon gar nicht mehr angezeigt und verfolgt werden.

    andere betroffene Rechtsbereiche (exemplarisch)
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    Die Diskussionen um Patentstreitigkeiten, GEMA, Urheberrechte, u.v.a. Bereiche zeigen ebenfalls, dass die von Juristen „gewählte Form“ der Textgestaltung keine handhabbare Variante ist Recht zu regeln. Von Effektivität bzw. gar einer Verbesserung möchte ich nicht einmal sprechen. Auch als echte Rechtssicherheit kann in der Situation kaum gesprochen werden.

    Zugegeben. Eine Änderung würde viel Umdenken erfordern – schließlich ist der aktuelle Zustand ja einer, der die Arbeitsplätze der Juristen sichert, wenn nicht gar fördert.

    Zurück in die Vergangenheit?
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    Ein „zurück zu den 10 Geboten“ ist sicherlich nicht angezeigt, die Themen sind vielfältiger geworden. Aber vieles, was früher durch Traditionen und gesellschaftliche Normen geregelt wurde, hatte die 10 Gebote (die sich nun fast jeder merken und verinnerlichen kann) als Rahmen. Historiker wären an dieser Stelle hilfreich. 🙂

    Was ich ausdrücken möchte: Den Menschen geht das Bauchgefühl verloren. Sie können sich nicht mehr auf Menschenkenntnis und Erfahrungen verlassen. Es wird zunehmend komplizierter. Ohne Rechtsbeistand kann ich fast keine Entscheidung mehr treffen.
    Etliche Probleme unserer heutigen Gesellschaft führe ich auf diesen Wandel zurück.

    Ich male hier nicht das Bild der schönen alten Zeit (als der Kaiser noch lebte – oder noch früher – Kriege, Mord, Raub und Todschlag gab es früher auch), sondern beklage die Unfähigkeit unsere heutigen Möglichkeiten und Ressourcen dazu zu nutzen einen wirklichen Fortschritt zu machen. Die Rechtssprechung könnte diese Veränderung sicherlich gut vertragen und hätte damit eine maßgebliche Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft.

    Vertragsflut / Massengeschäfte
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    Zu den beklagenswerten Zuständen gehört ebenfalls, dass ich nicht eine handvoll kontrollierbarer Verträge im Jahr abschließe, sondern täglich Dutzende. Bei dieser Anzahl an Einzelverträgen ist es einem Kunden kaum zuzumuten sich, neben den Preisen und politisch korrekten Produktionsbedingungen auch noch mit allen AGBs aller Firmen auseinanderzusetzen. Die vielfältigen Geschäftmodelle, die ihr Abbild in Verträgen und den AGBs finden müssten kontrolliert und deren Wirkungen gegeneinander abgewägt werden. (Stichwort: Das Keingedruckte)
    (Firmen, die Dienstleitungen oder Waren von anderen Firmen beziehen, beziehe ich in den Begriff „Kunde“ mit ein.)

    Besonders die großen Versorgungsunternemen (Energie, Versicherungen, Lebensmittel, Telekommunikation, Banken) zeichnen sich durch kreative Nutzung von Geschäftsbedingungen aus.

    Unternehmen, die in Branchen tätig sind, die alle mit sehr gleichen AGBs auskämen müssten verpflichtet werden sich solchen „Großen AGBs“ anzuschließen (vgl. Tarifverträge). Die Preise dürften unterschiedlich sein. Aber schon die Präsentation der Preise- und Leistungstabellen müsste für Kunden schnell und einfach zu über-/durchschauen sein.

    Bleiwüsten, in denen die Stellung „eines Kommas“ oder einer Schreibweise den Kunden überrascht müssten unterbunden und vereinheitlicht werden.
    (Na das hatten wir doch schon mal an anderer Stelle im Text… Und wieder waren überall pfiffige Juristen zur Formulierung am Werk.)

    Exkurs
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    Trittbrettfahrer der Branchengrößen
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    Die Branchen der Energieversorger, Lebenmittelketten und TK-Unternehmen sind übersäht mit Trittbrettfahrern (entweder eigene Billigketten oder Aufkäufer von Paketen, die Produkte und Dienstleistungen en Block rabbatiert einkaufen und neu zusammengestellt weiterverkaufen. (der Vergleich zu den Finanzderivaten und Zertifikaten AAA drängt sich auf)

    Gesamtwirtschaftlich sind sie ein schlechter Scherz.
    Beispiel Telefonie:
    – Es gibt nur eine Hand voll Anbieter, die physikalisch ein eigenes Netz haben.
    (Telekom, Vodafone, ePlus)
    – Sind durch die Bestandskunden, die Fixkosten erreicht kann der mögliche Überschuß an mittelgroße Abnehmer abgegeben werden. Mit der technischen Entwicklung und den eigentlich sinkenden Preisen wird der Spielraum der großen Player immer größer um immer stärker wachsende Kontingente mit großen Rabatten zu verkaufen.

    Die scheinbare Pluralität am Markt ist aber eben nicht echt, weil einfach die Netze in Hand der großen Anbieter sind und bleiben. Ähnliches gilt bei der DB, die das Netz immer noch besitzt.

    Die Trittbrettfahrer verdienen ihren Umsatz mit der Differenz an massiven Mengenrabatten durch gekaufte Pakete. Letztendlich eine Wette auf mathematische aufgeklügelte Rechenmodelle. Sowohl die Rechenmodelle der großen Anbieter als auch die Rechenmodelle der Trittbrettfahrer.

    Wettbewerb
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    Ein echter Wettbewerb findet nicht statt und alle schauen weg.
    – TK
    – Energieversorger (Strom, Öl, Gas)

    Banken und Versicherungen können in dieser Liste nur bedingt ausgeschlossen werden.
    Sie können sich zahlenmäßig Konkurrenz bieten, die Produkte, die Verträge sind zu ähnlich. Außerdem sind finanzielle und personelle Verknüpfungen zu eng.

    Nur im „schlechten Service“ und dem kundenunfreundlichen Auftreten sind sich (fast) alle gleich.

    Preisentwicklung
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    Für die Bestandskunden der großen Player gehen die Preise hoch bzw. halten sich am oberen Ende der Preisskala, weil eine künstliche Konkurrenz aufgebaut wird UND Preissenkungen durch technische Entwicklungen NICHT an den Kunden weitergegeben werden.

    Entgegen der Entwicklung in allen anderen Branchen geht die Preisentwicklung im TK-Markt durch techn. Entwicklungen nicht nach unten.
    => Vertrags-/Bestandskunden bekommen technisch billig zu realisierende Services oder Mausklicks eines Mitarbeiters als Premiumleistungen verkauft.
    => Prepaid-Kunden balgen sich um die günstigen Preise und werden vertraglich an allen möglichen oder unmöglichen Ecken beschnitten oder begrenzt.
    – Netzneutralität
    – Optionen am Telefon einstellen können
    – u.a.
    Letztlich bieten alle TK-Provider techn. das gleiche Programm an nur die Verträge unterscheiden sich.

    zurück zum Roten Faden
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    Beteiligung der Juristen
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    Auch hier sind Juristen (neben Versicherungsmathematikern und Statistikern) eher an einer Verkomplizierung als an einer Vereinfachung für die Gesamtgesellschaft beteiligt. Und ich rede hier nicht einma von schwarzen Schafen, sondern nur um den kreativen Anteil, der etwas bewegen möchte.

    Ich mag kreative Menschen.

    Aber wenn ich eine junge Jura-Studentin höre, dass sie Rechtsanwalt werden möchte, weil sie was bewegen möchte, bekomme ich Angst, große Angst.

    Die Wirkung auf die Gesellschaft
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    Den Stellenwert, den ich dieser Änderung beimesse ist höher als das Problem der aktuellen Schuldenkriese. Nur komischer Weise sehe ich nur Rechtsanwälte und Juristen, die im bestehenden System noch eine Formulierung finden müssen, die mit anderen nicht kollidiert.

    Es mutet wie ein Waldarbeiter an, der sich nicht die Zeit nimmt, seine Axt zu schärfen, weil er dafür keine Zeit hat. Es stehen ja noch sooo viele Bäume zum Fällen an.

    Schluss
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    Wer bis hierher durchgehalten hat: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
    Selbstverständlich erhebt der Text keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder auf Beachtung aller möglichen Sichtweisen… 🙂
    Ich hoffe, ich konnte erfolgreich viele bestehende Klarheiten beseitigen oder zu neuen, alternativen Sichweisen anregen.

    Aufgrund der Länge hat sich das Einfügen von Zwischenüberschriften hoffentlich gelohnt.

    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie – wie üblich – mit nach Hause nehmen oder direkt, online mit einem wasserfesten Stift am Monitor anstreichen.
    Wer sachliche oder fachliche Ergänzungen oder Korrekturen hat … unten ist das Kommentarfeld. Kommentare erreichen mich per E-Mail. Das Kästchen hab ich angehakt.

    So! Und jetzt …
    Zeit zum Entspannen der Finger und Verdauen der Gedanken… 🙂

    gute Nacht 🙂
    Wolfgang Gosejacob

  6. Verehrter Herr Gosejakob,

    Sie mögen ja ziemlich wütend sein, dazu versiert und schreibfreudig – als Kreative mitten in der Gebrauchspraxis würde ich mir aber wünschen, die Antworten zum von Frau Schwindt hier ursprünglich und dankenswerterweise aufgegriffenen Thema leichter finden zu können!

    Vielen Dank.

    1. Das Bild hält sich ja auch nicht an die inhaltlichen Richtlinien (keine Kontaktangaben). Meiner Information nach wird das Bild in Rasterquadrate aufgeteilt um das mit den 20% zu messen.

      1. …und was ist das unten links in der Abbildung, wenn *keine* Kontaktdaten? Ich sehe da sowohl eine Rufnummer als auch eine Mailadresse.

        Außerdem enthält der betreffende Artikel die mir durchaus spannend erscheinende Info, dass offensichtlich nicht der Account gesperrt wird. Statt dessen erscheint die Prüfung bei neu hoch geladenen Titelbildern zu greifen.

        1. Das meinte Annette ja, auf dem Bild sind Kontaktdaten vorhanden. Aber wie gesagt ist es kein Titelbild, daher sind die Kontaktdaten auch erlaubt.

  7. Ich habe bei einer Non Profit Unterneher Facebookseite im Titelbild die Bankverbindungen eingefügt. Bin darauf aufmerksan gemacht worden das dies nicht zulässig ist. Leider finde ich keine Passage mit so einem Hinweis.
    Kann mir jemand weiterhelfen? Li

  8. Ich überprüfe gerade das Titelbild für unsere Facebookseite und werde nicht ganz so schlau aus der Sache – das Bild enthält zwar mehr als 20% Text, aber der Text besteht aus zusammengesetzten Zeitungsbuchstaben und lautet „Herzlich Willkommen auf unserer Facebookseite“, was ja nun wirklich keine Werbung für uns ist, sondern mehr ein schönes optisches Mittel zur Fanpagegestaltung. Wie schätzen Sie alle die Sache ein?

    Kann man evt. sogar auch aktiv auf Facebook zugehen und das Bild testen lassen? Wir möchten hier unangenehme Überraschungen vermeiden.

    Vielen Dank!

    1. Angeblich werden Texte, die nicht auf das Bild geschrieben sind, sondern die zum Foto gehören, nicht mitgezählt. Aber ich halte ohnehin nicht viel von Text im Titelbild, da das nur Deko ist. Die meisten Interaktionen mit einer Seite finden nur im Newsfeed statt, da sieht man das Titelbild gar nicht (oder nur in klein als hover-Effekt – und da macht „Willkommen auf…“ gar keinen Sinn).

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