Interview zum Thema Google+ Hangout On Air

Eine der tollsten Funktionen in Google+ ist sicher der Hangout. Nachdem bereits vor ca. einem Jahr der erste Hangout On Air online ging, mussten die Nutzer außerhalb der USA noch eine ganze Weile auf die Funktion warten. Deutschland sogar besonders lange. Gerhard Schröder beschäftigt sich seit einiger Zeit intensiver mit Hangouts und der On-Air-Funktion. Daher habe ich ihn gebeten, hier in einem Interview darüber zu berichten:

Bitte stelle Dich kurz vor:

Als Geschäftsführer der KreativeKK beschäftige ich mich mit dem Thema Werbeformen im (Social) Web: Mein Unternehmen betreut einige Verlage in dem Bereich, aber auch weitere Unternehmen. Entsprechende Kreationen und deren Umsetzung, inklusive den Verlag mit den Kunden zusammenbringen, so etwas übernimmt meine Firma.

In dem Zuge nutze ich seit einigen Jahren Video-Konferenzsysteme für nationale und internationale Projekte.

Was ist das Besondere an einem Hangout (z.B. gegenüber Skype)?

Skype und Hangout erlauben eine Video-Konferenz mit mehreren Teilnehmern. Meines Wissens nach kann man bei Skype bis heute keine Bildschirmfreigabe bei mehr als zwei Teilnehmern in einer Konferenz durchführen. Anders ist die Situation bei Hangout von Google+, dort können bis zu neun Personen einen Bildschirm oder ein Programm eines Nutzers sehen.

Weiterer Vorteil von Hangout gegenüber Skype: Ein Hangout kann via Google+ als Event angelegt werden und taucht in den Kalendern der Teilnehmer auf. Zum Start der Video-Konferenz erhalten alle Teilnehmer dann eine automatische Einladung.

Was kann man darüber hinaus mit einem Hangout On Air machen?

Neben Hangout gibt es noch „Hangout On Air“, bei dem nicht nur neun Personen in der Videokonferenz miteinander sprechen, sondern die Sendung wird in einem Live-Stream angezeigt wird, so das auch eine reine Zuschau-Funktion, z.B. als Website-Einbindung möglich ist. Dabe können beliebig viele Google+-Nutzer und Youtube-Account-Inhaber via Textchat mitdiskutieren.

Wozu kann so ein Hangout On Air genutzt werden?

Verschiedene Privatpersonen und Unternehmen nutzen in den USA schon seit einer Weile Hangout On Air. Zur Zeit sind die meisten deutschen Hangouts On Air leider nur Podcast mit Video-Funktion. Siehe als Beispiel dazu „Das Digitale Quartett“.  Daniel Fiene aus dem Quartett zeigte aber schon an anderer Stelle, das MEHR möglich ist. Statt langer Texte zur Beschreibung von Beispielen verweise ich gern auf diese drei Videos:

Von einem Einsatz in einer Nachrichtensendung bis zum gemeinsamen Erleben einer Foto-Safari – mit ein wenig Zusatztechnik sind die technischen Möglichkeiten fast Unbegrenzt.

Aber ist das in Deutschland so ohne Weiteres erlaubt?

Das ist die andere Seite dieser Medaille: Die Landesmedienanstalten sind für Web-TV verantwortlich. In dem Bereich fällt in der Regel ein Hangout On Air – dies betrifft NICHT einen Hangout ohne On-Air-Funktion.

RA Thomas Schwenke greift meine Fragestellungen – inklusive dem Thema Abmahnung durch Mitbewerber – dazu in einem tollen Beitrag auf: Googles Hangout on Air – Drohen Abmahnungen bei fehlender Rundfunklizenz?

Wie sollte man vorgehen, wenn man einen oder mehrere Hangouts On Air veranstalten möchte?

Zunächst einen Google+-Account einrichten und mit einem Youtube-Account verknüpfen. Dazu die Freigabe für Videos über 15 Minuten länge einrichten (Handy-Nummer erforderlich.)

Als zweites die Checkliste der Landesmedienanstalten für das eigene Vorhaben überprüfen. Hangout On Air erlaubt auf jeden Fall mehr als 500 Zuschauer, daher sollte ein Unternehmen die folgenden Wege bedenken:

  1. Eine rechtliche Unbedenktlichkeitsbescheinigung bei der Landesmedienanstalt beantragen, damit das eigene Streaming-Angebot nicht als Web-TV erachtet wird. Die Kosten belaufen sich auf circa 500 Euro. Man sollte zusätzliche ein bis zwei Monate zur Sicherheit als Vorlauf für das ganze Projekt berücksichtigen.
  2. Eine Lizenz für ein Web-TV-Angebot beantragen. Der Zeitraum zum Erhalt der Sendelizenz kann einige Monate betragen und liegt dann zwischen 1.000 und 10.000 Euro.

Außerdem sollte man zunächst einige Test-Hangouts durchführen, ohne On-Air-Funktion. Wenn man sich dann in das System eingearbeitet hat, schlage ich erste on-air-Tests im kleinen Kreis vor. Mein Video HowTo:  Hangout on Air zeigt das System, erklärt das gesamte Menü etc. Es geht jedoch nichts über eigene Proben. Gerade das Thema Event-Einladung via Google+ sollte man vor dem wichtigen Hangout on Air selbst ausprobieren.

Welche Alternativen gibt es, seinen Hangout aufzuzeichnen und online zu stellen?

Meinen ersten Hangout „iOS im Auto – mit Johann Jungwirth von Daimler-Benz“ habe ich manuell online gestellt. Dazu nutzte ich auf dem Mac das kostenlose ScreenCapture-Tool Quicktime. Es gibt für Windows auch passende Lösungen. Die Video-Datei habe ich dann als reguläres Youtube-Video hochgeladen.

Vorteil: Man kann so die Datei noch editieren und es gibt keine Sendelizenz-Bedenken mehr. Dafür entfällt die Live-Diskussion mit den Zuschauern. Wobei man natürlich via Google+, Twitter-Hashtag etc. auch eine Vor-, eine begleitende und/oder Nachberichterstattung vornehmen kann.

Welche Tipps hast Du außerdem für die Hangout-Nutzung? (Apps etc.)

Viel Licht für jede Kamera: Die aktuelle Software von Hangout on Air legt viel Wert auf eine gute Ausleuchtung des Raumes. Mein kleines Hangout-Studio stelle ich in einer Foto-Galerie auf Google+ vor. Außerdem: Ein gutes Headset hilft bei der Tonqualität.

Die Einladung zu dem Hangout On Air sollte in zwei Versionen erfolgen: Eine öffentliche Veranstaltung und eine persönliche Einladung nur an die Gesprächsteilnehmer. Die Links zum Video sollten dann zur festgelegten Stunde in das öffentlich Event eingepflegt werden.

Einer der Teilnehmer sollte zum Chat-Beauftragten ernannt werden. Er sollte die leider noch getrennten Chats bei Google+ und Youtube im Auge behalten und ggf. die dortigen Fragen vorlesen. Er sollte auch direkt im Chat antworten können, also einen eigenen Google+ und Youtube-Account besitzen, möglichst unter dem gleichen Namen.

(Anmerkung: Es gibt zwar eine Zusatzlösung für das Chat-Zusammenführen, aber das sprengt den Rahmen dieses Interviews.)

Für Video-Konferenzen sollte die Teilnehmer die App „Lower Third“ einsetzen. Damit kann jeder Teilnehmer seine eigene Bauchbinde erstellen. Wie das System funktioniert habe ich in einer Präsentation erklärt, in der auch das 45-Minuten How-To-Video eingebunden ist. Weitere Infos befinden sich in meinem persönlichen Blog.

Vielen Dank, für das Interview! 🙂

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.