Das Feed-Prinzip verstehen

Viele Nutzer im Social Web haben Schwierigkeiten zu verstehen, was sie wo sehen und warum und wie sie dies mitbestimmen können. Das Problem scheint mir meist daher zu kommen, dass Ihnen das Prinzip eines Feeds nicht bekannt ist. Aber alle Dienste im Social Web, ob Blog, ob Facebook, Google+, Twitter oder sonstige basieren genau darauf: auf Feeds.

Was ist ein Feed?

Ein Feed ist ein Nachrichtenstrom, der sich aus bestimmten Quellen speist (= engl. to feed). Welche Quellen das sind, bestimmen Sie durch die Vernetzungen, die Sie eingehen.

Damit Sie nicht von einem Profil zum anderen springen müssen, um zu sehen, was es Neues gibt, werden Kopien der Beiträge Ihrer Kontakte in einem Nachrichtenstrom zusammengefasst. Das heißt, jedesmal, wenn einer Ihrer Kontakte etwas Neues postet, erscheint eine Kopie dazu in Ihrem Nachrichtenstrom.

Dabei werden diese Kopien wie der Originalbeitrag behandelt. Das heißt, wenn Sie die Kopie kommentieren oder liken, dann erscheint das genauso beim Original und umgekehrt.

Folgende Grafik verdeutlicht das am Beispiel von Facebook:

Folgende Liste zeigt, wie dieser allgemeine Nachrichtenstrom (Feed) auf welcher Plattform heißt und ob es dabei Besonderheiten gibt:

  • Facebook: Startseite
    (in Haupt- und Neueste Meldungen unterteilt, zeigt nur die Beitragskopien von Kontakten, mit denen man häufig interagiert, nicht rückwärts chronologisch, sondern nach Beliebtheit bezogen auf den Betrachter. Liveticker oben rechts zeigt Kopien der aktuellen Aktivitäten der Kontakte in Echtzeit.)
  • Google+: Übersicht
    (Beitragskopien aus allen Kreisen gemäß ihrer jeweiligen „Lautstärke„, rückwärts chronologisch nach Interaktion, nicht nach Veröffentlichungszeit)
  • Twitter: Startseite
    (zeigt Beitragskopien aller Kontakte rückwärts chronologisch nach Veröffentlichungszeit)

Da sich dieser Nachrichtenstrom aus den Beiträgen Ihrer persönlichen Vernetzungen speist und auf Ihren individuellen Einstellungen basiert, sieht Ihre Startseite/Übersicht immer anders aus als die von anderen Nutzern (da diese wieder andere Vernetzungen und andere Vorlieben haben).

Die Nachrichtenflut filtern

Je mehr Vernetzungen man mit anderen eingegangen ist, umso mehr Beitragskopien strömen auf einen ein. Das kann sehr unübersichtlich werden. Deshalb gibt es je nach Plattform verschiedene Filtermöglichkeiten, mit denen man selbst bestimmt, welche Meldungen man sehen möchte und welche nicht:

Ordnen Sie Ihre Kontakte in Listen oder Kreise ein – entweder thematisch sortiert oder danach wie interessiert Sie an den Beiträgen der jeweiligen Personen sind. Dann rufen Sie eine konkrete Liste oder einen Kreis auf der Startseite/Übersicht auf, um nur die Beitragskopien dieser Personen zu sehen.

Diese Filter können für andere sichtbar gemacht werden, oder nicht.

Ihr Profil = Ihre Beiträge

Um Ihre eigenen Beiträge anzuzeigen, gibt es das jeweilige Profil. Auf den verschiedenen Plattformen ist dort Folgendes rückwärts chronologisch zu sehen:

  • Facebook: Ihre Beiträge mit Likes, Shares und Kommentaren von anderen sowie Ihre Aktivitäten und sonstigen Informationen (Sie sehen alles – andere nur das, was für sie sichtbar eingestellt wurde). Wenn freigeschaltet, gibt es dort auch Beiträge, die andere an Sie richten.
  • Google+: Ihre Beiträge mit +1, Shares und Kommentaren von anderen (Sie sehen alles, andere nur das, was für sie sichtbar eingestellt wurde).
  • Twitter: Ihre Beiträge

Auch Ihr Profil ist also ein Feed! Nämlich der Ihrer eigenen Beiträge. Wer sich mit Ihnen vernetzt, abonniert sich diesen Feed in seinen allgemeinen Nachrichtenstrom und ggf. Liste/Kreis.

Feeds abonnieren

Der Sinn von Feeds besteht also zum einen in der Bündelung von Nachrichten nach einem bestimmten Gesichtspunkt. Zum anderen ermöglicht dieses Prinzip das Einspeisen eines solchen Nachrichtenstroms in einen anderen (z.B. Profil-Feed in Startseiten-Feed).

In dem Moment, wo Sie sich innerhalb einer Plattform mit jemandem vernetzen, abonnieren Sie also dessen Feed.

Viele Feeds können aber auch extern verfügbar gemacht und damit auch extern abonnierbar gemacht werden, indem man den Link dazu für andere sichtbar zur Verfügung stellt. Das erkennen Sie in der Regel an folgendem Symbol:

Abonnieren kann man solche Feeds entweder über

  • einen sogenannten Feedreader (ein Programm zum Lesen von Feeds, z.B. Feedly)
  • in den Browser integrierte Feedreader
  • eigene Feedreader-Apps (z.B. Google Currents)
  • per E-Mail (muss z.B. via Feedburner eigens verfügbar gemacht werden)

So können Sie sich z.B. mit den neuesten Artikeln dieses Blogs hier bequem beliefern lassen, statt jedesmal herkommen zu müssen, um zu sehen ob und was es hier Neues gibt. Dazu einfach die gewünschte Variante oben rechts in diesem Blog anklicken.

Feeds darstellen

Viele Dienste ermöglichen es, den eigenen Feed woanders einzubinden. Beispiele dafür sind:

Für Fortgeschrittene: Newsrooms

newsroomWer anderen die Übersicht über seine verschiedenen Feeds erleichtern möchte, kann das über verschiedene Dienste (z.B. Netvibes) oder in einem eigenen Newsroom tun, wie ich ihn benutze.  Dort finden Sie (von links oben nach rechts unten):

  • Feed dieses Blogs
  • Feed der News über schwindt-pr (eigenes Blog)
  • Über schwindt-pr mit Links zu den verschiedenen Präsenzen im Social Web und den verschiedenen Optionen für Feed-Abos
  • Feed der Facebookseite von schwindt-pr
  • Feed der Google+ Seite von schwindt-pr
  • Feed des Twitter-Accounts von schwindt-pr
  • Neueste Videos aus dem YouTube-Account von schwindt-pr
  • Feed der Instagram-Bilder von schwindt-pr

Auf diese Weise kann sich jeder einen Überblick über die neuesten Aktivitäten webweit verschaffen, ohne die einzelnen Präsenzen abklappern zu müssen, kann sie aber auch mit einem Klick von hier aus erreichen.

Mehr zum Thema Newsrooms lesen

Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Dann hinterlassen Sie mir einfach hier einen Kommentar:

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

31 Kommentare

  1. Ich sehe hier ein kleinen Verwirrpunkt.

    Vielleicht sollte man nicht von „Kopien“ im Feed sprechen, sondern ehr von Abbildungen. Bei „Kopie“ könnte der Eindruck entstehen, es handele sich um eine eigenständige Kopie, die getrennt gehandhabt wird.
    Aber Interaktionen im Newsfeed ja 1:1 Interaktionen im Originalposting. (zB im Feed geliked = im Posting geliked).

    1. Ich würde von Referenzierung sprechen, denn genau das leistet ein Feed per Definition. Er bildet eine Liste von Links. Vorschautexte, Thumbnails etc. sind alles optionale Teile eines RSS-Feeds.
      Will man mehr ins Detail gehen kann man noch kritisieren, dass Feeds ein Pull-Prinzip abbilden. Zwar aktualisiert die Quellseite das Feed-XML bei Erscheinen eines neuen Beitrags, wann dieser im Feedreader auftaucht ist aber abhängig vom Aktualisierungszeitraum des Readers. 2. Facebook kann nicht deshalb sowohl hie wie da kommentieren, weil es sich um eine Kopie handelt, sondern weil es intern die Inhalte über die URL des Original-Beitrags listet. Dieser wiederum bindet die Facebook-Kommentar-Module ein undliefert dabei die eigene ID mit, worüber Facebook den Kommentarstatus aus seiner Datenbank lesen kann und auf der Fremdseite darstellen.

  2. Ich bin seit längerem auf der Suche nach einem You Tube einbetten, ein einzelnes Video ist klar, aber wie bette ich einen Channel ein? Geht es nur manuell über das neueste Video oder lässt sich das mit einem Feed machen?

    1. In meinem Newsroom habe ich es einzeln gemacht, aber ich glaube mich zu erinnern, dass YouTube das auch als Feed anbietet. Müsste ich jetzt aber auch googlen.

  3. Pingback: Das Feed-Prinzip verstehen « In Sachen Kommunikation | Das Grüne Netzwerk
  4. Seht guter Artikel, wie immer. Dennoch habe ich mehrfach erlebt, dass manche Beiträge, aus mir unbekannten Gründen, nicht angezeigt werden obwohl ich an den Einstellungen nichts geändert habe. Ich habe auch schon erlebt, dass Beiträge in meinen Nachrichtenströmen zeitverzögert, also viel später als bei anderen Facebooknutzern, erschienen. Ich sehe das Problem, warum viele Facbooknutzer nicht verstehen welche Beiträge in ihren Nachrichtenströmen erscheinen eher in den verwirrenden, verschachtelten (ähnlich wie mein Satzbau 😉 ) und aus meiner Sicht nutzerunfreundlichen Einstellungsmöglichkeiten von Facebook selbst und weniger in mangelnder Kenntnis der Nutzer über das Feed-Prinzip.

    P.S. das kleine Smiley unten im Template gefällt mir sehr gut. 🙂

  5. Hallo Annette,

    auch wenn der Artikel schon älter ist, hat er noch nichts an Aktualität verloren. Ich persönlich bin erst vor kurzen auf das Thema Feeds und Feedreader gekommen. Leider. Ich finde es eine gute Möglichkeit, interessante Blogs regelmäßig zu verfolgen, ohne dass ich dazu jeden Blog besuchen, oder jeden Artikel lesen muss. Vom Gefühl her ist es für mich so ein bisschen wie Zeitung lesen.

    Gerade wenn man selber regelmäßig Artikel verfasst, ist es eine gute Möglichkeit, den Markt zu beobachten, neue Anregungen oder andere Sichtweisen als die eigene zu bekommen.

    Ich denke dass ich mit deinem Artikel meine Nutzung des Feedreaders noch deutlich effizienter gestalten kann.

    Vielen Dank dafür
    Rainer

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