Warum ich nicht mehr auf Xing bin

So, bevor die Gerüchteküche noch weiter brodelt, schreibe ich hier also nochmal ganz offiziell was dazu, warum ich mich gestern endgültig von Xing verabschiedet habe. Es wäre nett, wenn die Diskussion dann hier weiter ginge oder man mich woanders zumindest nach meinen Beweggründen fragen würde…

Zuerst Premium-Mitglied

Xing war eine der ersten Plattformen, auf denen ich mich bei meinem Einstieg ins Thema Social Web registriert habe. Wenn ich mich recht erinnere, wurde ich auch bald Premium-Mitglied und blieb es über eine längere Zeit.Ich finde es durchaus gerechtfertigt, für einen Dienst zu zahlen, wenn ich einen entscheidenden Mehrwert davon habe. Der blieb bei mir jedoch aus…

Folgende Gründe führten dazu, dass Xing für mich nie mehr wurde als ein besseres Adressbuch:

  • meine Gespräche finden auf anderen Plattformen statt
  • ich finde meine Netzwerkpartner bereits woanders
  • ich vergebe keine Jobs
  • ich suche keinen Job
  • die Diskussionskultur in Gruppen hat mich nicht überzeugt
  • ich habe auch ohne Xing bereits mehr als genug Auftragsanfragen
  • ich bin mit denselben Personen auch woanders vernetzt
  • ich kann nicht zu Veranstaltungen gehen

Hinzu kam, dass ich mich u.a. über folgende Punkte wiederholt geärgert habe:

  • der Hinweis in meinem Profil, dass ich auf Xing nur mein tatsächliches Netzwerk abbilden wollte, wurde ignoriert,
  • somit war ich zuletzt nur noch mit dem höflichen Ablehnen von Anfragen mit Verweis auf andere Plattformen beschäftigt
  • Mail-Benachrichtigungen über neue Nachrichten enthalten nicht die Nachricht, sondern erfordern zuerst das Einloggen
  • Kein Opt-out von Veranstaltungseinladungen bestimmter Personen

Also Basis-Mitgliedschaft

Dennoch wollte ich mich nicht ganz von Xing verabschieden, zumal ich Kunden ja auch Fragen zu Xing beantworten können sollte.  Also stufte ich meinen Account auf Basis-Mitgliedschaft herunter. Leider führte das dazu, dass ich Kontaktanfragen, die ich nicht annehmen wollte, nicht mehr mit Nachricht ablehnen konnte.

Zunächst behalf ich mich damit, im Profil des Anfragenden die Mailadresse nachzusehen und ihm dann eine E-Mail mit der Begründung für meine Ablehnung und dem Gesprächsvorschlag auf anderen Plattformen zu schicken. Das wurde auch positiv aufgenommen. Für mich bedeutete dieser E-Mail-Umweg aber immer mehr Arbeit, für die ich irgendwann keinen Nerv und keine Zeit mehr hatte.

Also schrieb ich an Xing, um meinem Unmut Luft zu machen, dass man als Basis-Mitglied doch zumindest Nachrichten, die an einen herangetragen werden, beantworten können sollte. Als Antwort bekam ich nur denselben Standardtext, der schon auf der Website selbst zu lesen steht: Basis-Mitglieder können keine Nachrichten an Nichtkontakte schicken. – Wollte ich ja auch nicht. Aber eine Frage beantworten zu können wäre schon schön gewesen…

Das Ende

Da ich nicht als die dastehen wollte, die Anfragen kommentarlos ablehnt, und aus den zu Anfang genannten Gründen habe ich mich dann gestern entschlossen, Xing besser komplett den Rücken zu kehren. Dies gab ich in meinem Facebook-Profil bekannt, denn das ist die Plattform, auf der mit mir die meisten Gespräche stattfinden und wo auch schon zuvor die Diskussion mit Kollegen, denen es ähnlich ergangen ist wie mir, gelaufen ist.

Ich sehe nicht ein, warum ich für eine Basisfunktion wie das Beantworten von Nachrichten bezahlen soll. Ich will ja gar keine Gruppe gründen oder Nichtkontakte anschreiben. Lediglich antworten möchte ich können. Wenn diese Funktion nur auf eine einmalige Nachricht beschränkt wäre, würde  das ja schon vollkommen reichen. Aber das ist offensichtlich schon zuviel verlangt.

Also bin ich gegangen – weil ich keine Lust mehr habe, mich zu ärgern, und weil ich Xing schlichtweg nicht brauche.

Wer sein existierendes Netzwerken mit mir auf einer rein beruflich orientierten Plattform abbilden will, kann das gern auf LinkedIn tun. Aber auch dort akzeptiere ich nur Anfragen von Personen, mit denen ich bereits irgendwo aktiv im Gespräch war.

Fans, Follower, Leser meines Blogs oder Buchs, die mich zwar kennen, ich sie aber nicht, sind herzlich eingeladen, sich an den Gesprächen auf meiner Fanseite, hier im Blog oder wo auch immer wir ins Gespräch kommen, zu beteiligen. Danach können wir gern über eine Vernetzung reden. 🙂

In meinem Facebook-Profil sind auf die Ausstiegs-Meldung hin übrigens meine Abonnenten-Zahlen gestiegen. Vielleicht wäre das was für Xing, das Follower-Prinzip zusätzlich einzuführen?

 

 

 

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

23 Kommentare

  1. Hi,
    ich habe die Abmeldemöglichkeit bei xing schon lange gesucht aber nciht gefunden. Kannst Du mir sie mailen?

    Lieber Gruß,
    Jürgen

  2. Nutzen des Beitrages für mich: Impulse für Klarheit in einen Mix von Gedanken bringen, die ich ähnlich auch schon hatte. Danke dafür!

    Wobei ich gestehe, dass mir derzeit die Zeit zum Fertigdenken in Sachen Xing schlicht zu schade ist. So wichtig ist das aktuell auch nicht…

  3. Vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Dies sind genau die Dinge, weshalb ich mich bei XING bereit seit über einem halben Jahr nicht mehr eingeloggt habe. Ich werde sicherlich ebenfalls in Kürze meinen Basisaccount kündigen…

    Schönen Gruß,
    Lars Nordmann

  4. Der Artikel spricht mir aus der Seele. Ich habe meinen Xing-Premium-Account vor einem halben Jahr auch aus diesen Gründen gekündigt, allerdings habe ich den Basisaccount bisher noch behalten.

  5. Für mich ist Xing ein etwas glorifiziertes Adressbuch. Ich nutze es seit vielen Jahren – schon zu Zeiten als es noch OpenBC hiess – der Nutzen geht aber auch für mich in letzter Zeit arg zurück, dafür wächst der Nerv. Xing versucht mehr zu sein, als es ist, versucht Facebook und Twitter zu ersetzen. Und das klappt nicht.

    Ein weiteres großes Problem: Xing ist eine quasi rein deutschsprachige Veranstaltung. Ausländer findet man dort kaum – die tummeln sich nämlich alle auf LinkedIn. Wer also über die Landesgrenzen hinaus Business-Kontakte vernetzen will, kommt an LinkedIn nicht vorbei. Und hat dann ZWEI Business-Netze, die er pflegen muss.

    Dennoch bin ich noch nciht soweit, mein Xing zu löschen. Mal sehen, wann die wieder Geld von mir wollen 🙂

  6. Das liest sich wie mein eigener Weg. Ich habe auch einmal bei OpenBC angefangen. Die erste Entwicklung war durchaus positiv. Fanden doch im Rahmen von OpenBC auch ein Stammtisch (in Ulm)statt, der zunächst in kleinem Kreis von 8-12 Leuten begann. Doch zunehmend kamen dann nur noch Krawattenträger, Verkäufer, Marketingexperten, Wichtigtuer. Also habe ich die Besuche eingestellt. In den Gruppen hat man Fragen gestellt. Keine Antwort. Da waren z.T. nur Spanner unterwegs. Ich hatte einmal die Klicks von Beiträgen in einer Gruppe gezählt. Über 1500 Klicks, 15 Antworten. Das ist für mich keine Kommunikation.
    Also bin ich auch von der Profimitgliedschaft zur Basismitgliedschaft zum Löschen.
    XING bietet nur Schein, aber nicht Sein.
    Und letztendlich ist es doch so. Jeder möchte auf XING verkaufen, aber kaufen möchte keiner…
    Ausnahmen soll es natürlich auch geben.

  7. Ich bin zwar noch nicht so lange bei Xing und in anderen Netzwerken tätig, aber ich habe dort (noch) den Premium-Account. Ich habe zuerst gedacht es liegt an mir, dass ich mit Xing nicht glücklich werde, aber nund sehe ich es geht vielen so. Danke für den Artikel.

  8. @ Annette ich kann dich komplett verstehen, ich war selber schon am überlegen meinen Xing-Account komplett einzustellen. Es gibt so viele Plattformen und Möglichkeiten die Kontakte kostenlos zu pflegen. Die Einschränkung mit den Nachrichten ist hirnrissig und dadurch vergraulen sie sich ihre gesamte Kundschaft. Weil wenn die kostenlose Mitglieder abwandern, werden wohl oder übel die kostenpflichtigen Mitglieder sich von ihren Account trennen. Facebook und Google plus machen es sehr vor wie man dies kostenlos gestalten kann, und wenn Xing hier nicht bald mal um denkt, werden sie für immer ein kleiner Player bleiben.

  9. Ich habe mich auch schon länger gefragt, ob und wofür ich den Premiumaccount noch brauche. Sehr skeptisch hat mich ein Referat von Stefan Groß-Selbeck an der EMEX Marketingmesse gemacht, wo er über die Zukunft von XING gefragt wurde. Ein Netzwerk, dass sich mittelfristig nur auf den deutschsprachigen Raum konzentriert, da sehe ich für mich keine (bezahlte) Zukunft darin.
    Ich habe darum den Premiumaccount gekündigt und lass die Basismitgliedschaft noch mal drin. Schliesslich braucht so ein Profilaufbau bei LinkedIn auch seine Zeit 😉
    Danke, Annette, für deinen Beitrag.

  10. Hallo Frau Schwindt, es freut mich, dass wir auf diesem Weg zu späten Austausch über die Xing-Kontaktaufnahme kommen.

    Ich freue mich auch darüber, weil Sie mir HEUTE die Möglichkeit geben ein Blogpost, das HEUTE genau 2 Jahre her ist, nocheinmal aus der Versenkung zu holen und aktualisiert als (quasi) offenen Brief an Xing zu adressieren.

    1. Anmerkung: Die mehrfache Werbung aus Ihrem Kommentar habe ich gelöscht, da selbiger Artikel bereits als Pingback vertreten ist und sie ihn auch noch als Website zu Ihrem Kommentar angegeben haben. Geht’s noch ein bisschen werbe-aggressiver?

      Unter einem Austausch verstehe ich etwas anderes als zunächst mentionlose Tweets über mich und meinen Xing-Ausstieg (danke, dass ich wenigstens später einbezogen wurde). Haben Sie mich vorher nach meinen Beweggründen gefragt? Nö. – Unter anderem deshalb habe ich sie in obigem Artikel niedergeschrieben. Da sollte ich dann wohl eher Ihnen danken, oder? 😉

  11. Liebe Frau Schwindt,
    Sie haben mein schon länger schwelendes Unbehagen mit Xing, das hauptsächlich darin sich äußerte, dass ich fast nie mich einloggte, in klare Sätze und gute Argumente gebracht.
    Vor allem die Diskussionen sind zwar länger als bei Twitter und Facebook aber selten ergiebiger.
    Wenn ich etwas mehr Zeit habe, werde ich mich wohl auch abmelden. Aber ob ich dann zu Linkedin wechsle, weiß ich noch nicht.

  12. Hallo Frau Schwindt,

    gute Entscheidung! Toller Artikel!

    Danke für diesen und die vielen anderen gut geschriebenen und informativen Blogposts!

    Viele Grüße
    Mia Schöbel

  13. ich könnte jetzt viel über Funktionsumfang etc. referieren,macht aber an dieser Stelle kaum Sinn. So lange Xing so was duldet:

    http://www.youtube.com/watch?v=WYC4RQzNIeM

    (ab Minute 2 sehr spannend), wird es eine Menge Spam geben und die Leute vergraulen. Und ansonsten sieht man sich bei Google+, oder demnächst bei socl (nicht noch eins…) wieder…

    lG
    Stephan

  14. Ich denke, jeder Mensch und jede Organisation findet im Social Web die Portale, die passen – und Portale, die nicht stimmig sind. Ich finde es zwar schade, sich bestimmten Quellen zu verschließen – aber bei LinkedIn habe ich auch mein Profil gelöscht, da ich Probleme mit Spam-Mails beakm – so ist das nun mal…

  15. Liebe Frau Schwindt,
    ich kann Ihre Gründe aus Ihrer Sicht gut nachvollziehen, möchte mich hier aber mal als XING-Fan offenbaren. Ich finde es nach wie vor aufgeräumt, leicht zu bedienen (mit öffensichtlichen Mängeln, ja) und das Thema Datenschutz finde ich nicht zu verachten. Ich mag es nämlich zu sehen, wer sich mein Profil angeschaut hat. Ich gebe aber zu, dass ich sicher nicht so in FB drinstecke wie Sie, und irgendwie bin ich wohl doch ein Gewöhnungstier. LinkedIn hat mich noch nicht so überzeugt, aber fürs Internationale sehe ich das klar auf dem Vormarsch, finde es aber schade, dass XING das nicht schafft.

    Beste Grüße
    Ute Blindert

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