Onlinereputation – für alle (?) (!) – UPDATED

In letzter Zeit erreichen mich immer wieder Hilferufe von Lesern, die ihre Kommentare auf Blogs oder Fanseiten plötzlich ganz oben in Google finden und mich – wenn der Kommentar auf einer meiner Seiten steht – um Löschung derselben bitten. Manche erscheinen gar richtig verzweifelt und schreiben: „Mein Arbeitgeber hat den Kommentar von mir in Google entdeckt und gesagt, ich muss den löschen lassen.“

In keinem dieser Fälle hatte es sich um verfängliche Aussagen gehandelt. Die Kommentare waren vielmehr Fragen in der Art  „wie stelle ich was wo ein?“. Und auch wenn hierzulande das Recht auf freie Meinungsäußerung besteht und ein Arbeitgeber daher nicht einfordern darf, dass jemand einen Blog- oder Fanseitenkommentar löschen lässt, bin ich den Bitten immer nachgekommen. Leider wollte mir niemand verraten, um welche Art Arbeitgeber es sich da handelt…

Muss jetzt jeder bloggen?

Diese Vorfälle haben mich aber auf ein allgemeines Problem gebracht, über das ich so vorher so nie nachgedacht hatte: als Beraterin für Online-Kommunikation mit Präsenzen auf verschiedenen Plattformen und als bloggender Mensch befülle ich tagtäglich bewusst die Suchmaschinen mit Inhalten von mir und über mich. Das Thema Onlinereputation ist mir bei meinen Aktivitäten dabei allgegenwärtig.

Was ist aber mit all den Menschen, die davon noch nichts gehört haben? Menschen, über die es bislang nichts in Google & Co. zu finden gibt? Es kann doch jetzt nicht jeder ein Blog starten, um aktiv seine Onlinereputation zu pflegen, oder?

Wir können tausend Mal darauf hinweisen, dass das Web ein öffentlicher Raum ist, und man sich dort deswegen nicht anders verhalten sollte als auch sonst in der Öffentlichkeit. Dass Fanseiten öffentlich sind und Blogs auch. Dass ein Suchmaschineneintrag, wenn er sinnvolle Beiträge enthält, nichts ist, wovor man Angst haben müsste. Aber die Menschen, die nicht so wie wir in der Materie drin sind, reagieren immer noch panisch. Was also soll man diesen Leuten raten?

Ein Experiment

Versuchaufbau: Zusammen mit Alexander Schestag von DeinWeb habe ich daher gestern etwas ausprobiert. Alex hat mit einer erfundenen Identität, zu deren Namen es bislang keine Suchmaschineneinträge gab, einen Kommentar hier im Blog und in Facebook auf mehreren Fanseiten hinterlassen. Im dazugehörigen Facebook-Profil hatte er dabei die Öffentliche Suche untersagt.

Ergebnis: nach ein paar Stunden hatte Google den Blogkommentar unter diesem erfundenen Namen indexiert. Und nicht nur den einen Blogpost, zu dem der Kommentar gehört, sondern auch alle anderen Blogposts, vermutlich weil der Kommentar zur Zeit der Indexierung noch in der Sidebar meines Blogs stand. Die Fanseiten-Kommentare hingegen sind erst eine Weile später in Google erschienen.

Fazit

Wer die öffentliche Suche in seinem Facebok-Profil untersagt (Privatsphäre-Einstellungen > Anwendungen und Webseiten > Öffentliche Suche) unterdrückt damit nur die Indexierung seines Profils, nicht aber der öffentlichen Beiträge desselben. So oder so sind diese Beiträge öffentlich und werden von anderen gelesen. Man sollte sich daher trotzdem immer darüber im Klaren sein, was man da tut!

Wer in Blogs kommentiert, aber nicht unter seinem Namen in Suchmaschinen auftauchen möchte, sollte nur seinen Vornamen oder einen nickname angeben (die Mailadresse wird ja nicht öffentlich angzeigt). Und auch hier gilt: was Sie nicht laut auf dem Marktplatz sagen könnten, sollten Sie auch nicht online stellen!

Kommentare mit einem solchen Absender tragen auch nicht zur aktiven Pflege der eigenen Onlinereputation bei und werden ggf. auch nicht so ernst genommen wie Kommentare unter Klarnamen.

Wer darüber hinaus seine Onlinereputation mit wenig Aufwand aktiv pflegen möchte, der sollte sich ein Profil bei Google+ anlegen und dies gezielt ausfüllen. Diese Beiträge werden dann in Google bevorzugt angezeigt.

Und Sie?

Wie halten Sie es mit Ihrer Onlinereputation? Achten Sie darauf, was Sie wo veröffentlichen? Ist Ihnen klar, wann Sie sich auf einer öffentlichen Seite bewegen und wann nicht? Macht Ihnen das Thema Angst?

Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare!

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

20 Kommentare

  1. Das freut mich aber sehr, dass Sie das Thema aufgreifen. Ich habe es vor ein paar Woche am Rande von #sbsm http://sozialebewegungen.org disktuiert und mir ist dabei bewusst geworden, das das wohl eines der Themen ist, wo es den größten Gap im Netz gibt. Das gibts einerseits so Leute wie Sie und ich, die sowieso so präsent im Netz sind, dass das, was da oben in Google steht sich durchaus vorteilhaft auswirkt. Und dann gibt es Menschen, die entweder weil sie sich mit den Mechanismen nicht auskennen oder weil sie gar nicht mal das KnowHow haben, sich in der oft empfohlenen Form eine Online-Reputation aufzubauen, plötzlich vor Google-Suchergebnissen stehen, die im besten Fall verwirrend und im schlechtesten Fall nachteilig sind.
    Nun bin ich sehr für eine möglichst breit angelegte KnowHow Vermittung (wie Sie es ja auch machen), allerdings realistischerweise wird das vermutlich nicht durchgehend was bringen. Eine positive Perspektive wäre für mich, dass wir eine ganze andere Kultur entwickeln, wie wir mit Fehlern, Scheitern, verwirrenden Einträgen im Netz umgehen. Kein Mensch ist perfekt. Da sehe ich auch leichte Anzeichen, die aktuelle Partyfoto-Debatte (dass diese sowieso normal sind und sich deswegen niemand stressen soll) geht in diese Richtung. Aber ob das realistisch ist, weiss ich nicht. Schließlich leben wir ja in einer Gesellschaft, die massiv auf Konkurrenz ausgerichtet ist.

    1. Dem kann ich teilweise zustimmen und würde es gern um einen Aspekt bezüglich der Partyfoto-Debatte erweitern. Das betrifft ja vor allem junge Menschen, und es fällt ihnen dann meistens in Einstellungssituationen auf die Füße. Es kann aber doch auch nicht sein, daß jemand mit 16 ein unvorteilhaftes Partyfoto einstellt, dieses vergißt und ihm das dann mit 20 beim Einstellungsgespräch auf die Füße fällt. Mit Einführung der Facebook-Timeline wird das ja durchaus wieder akut, weil solche alten Fotos wieder auffindbar sind. Wenn ein Personaler jemanden wegen sowas ablehnt, dann muß sich eher der Personaler die Frage stellen lassen, ob er überhaupt für seinen Job geeignet ist, weil er von Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher keine Ahnung hat.
      Nicht ganz zustimmen kann ich bei der Aussage, daß Partyfotos „normal“ seien. Ich sehe darin, wenn sie extrem unvorteilhaft sind, in zweierlei Hinsicht eine große Problematik, die vor allem mit Medienkompetenz, aber auch mit mangelndem Respekt vor der informationellen Selbstbestimmung anderer zu tun hat. Zum einen sollte man Jugendliche schon anhalten, sich genau zu überlegen, ob das, was sie da hochladen, vorteilhaft ist und ob das wirklich alle Welt sehen muß. Zum anderen muß man ihnen aber auch drastisch klarmachen, daß sie gefälligst die informationelle Selbstbestimmung anderer zu achten und solche unvorteilhaften Fotos von anderen nicht ohne Zustimmung der anderen hochzuladen haben. Und da, finde ich, kann man durchaus auch mit Sanktionen arbeiten, wenn es jemand gar nicht kapiert. Manche scheinen nur so zu kapieren, daß das kein Kavaliersdelikt ist, wie sie mit den Daten anderer umgehen.

  2. Volle Zustimmung!
    Eine Äußerung im Netz ist genau so eine Meinungsäußerung, wie jede Äußerung überall sonst und deswegen von der Meinungsfreiheit geschützt. Der Gedanke, dass ein Arbeitgeber (privat oder öffentlich) versucht, seine Mitarbeiter offen davon abzuhalten, ihre Meinung zu äußern, ist ganz einfach erschreckend! Leider wird das in einer Einstellungssituation nicht viel nutzen, da dann ggf. einfach eine Absage erfolgt, die anders oder gar nicht begründet wird. Nur: Wollen wir tatsächlich ausschließlich angepasste Duckmäuser haben, oder wollen wir eine lebendige Demokratie? Wollen Arbeitgeber tatsächlich nut Ja-Sager, die sich dann im innerbetrieblichen Kreativitätsprozess auch nicht trauen, etwas beizutragen?

  3. Wer mich richtig ergooglet, könnte wohl einen exakten Lebenslauf von mir erstellen mit allen postiven und negativen Seiten 😀

    Zum Glück hab ich nen relativen Allerweltsnamen, sodass es für den künftigen Arbeitgeber, wenn er nur kurz mal rumspielt nicht viel interessantes findet.

  4. Ich stimme dir in allen Punkten zu. Zu einem Punkt möchte ich jedoch eine kritische Anmerkung machen, weil ich die gängige Praxis diesbezüglich hochproblematisch finde:

    Du schreibst „Kommentare mit einem solchen Absender tragen auch nicht zur aktiven Pflege der eigenen Onlinereputation bei und werden ggf. auch nicht so ernst genommen wie Kommentare unter Klarnamen.“

    Wenn Kommentare mit Pseudonym nicht ernst genommen werden, ist das aber das Problem des Rezipienten und nicht des Kommentierenden. Wenn der Kommentar Hand und Fuß hat, kann es dem Rezipienten egal sein, ob da ein Pseudonym oder ein *vermeintlicher* Realname steht. Kommentierende sollten sich nicht von diesem schon fast manischen Realnamenszwang, den es faktisch gar nicht gibt und der erst seit der Etablierung großer sozialer Netzwerke künstlich geschaffen wurde, irritieren lassen und stattdessen ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrnehmen. Das ist übrigens auch eine klassische Prämisse des kritischen Denkens, eines Instruments, das hilft, Informationen zu bewerten: Es kommt nicht darauf an, wer etwas sagt, sondern was und wie er es sagt. Die entscheidenden Fragen sind: Wird widerspruchsfrei argumentiert? Kann der kommentierende seine Behauptungen belegen? Werden Quellen genannt? Argumentiert er sachlich und fair? Wenn das gegeben ist, sollte es dem Rezipienten herzlich egal sein, ob da als Absender „Prof. Dr. Jürgen Habermas“ – bei dem sich noch wie bei jedem anderen vermeintlichen Realnamen die Frage stellt: War er es wirklich, der da kommentiert hat? – oder „Fitzliputzli“ steht. Denn darauf kommt es dann letztlich nicht an.

    Sicher kann man argumentieren, daß man bei einer vernünftigen Argumentation auch mit seinem Realnamen dazu stehen kann. Aber ob das ein Kommentierender tut oder nicht und warum er es vielleicht nicht tut, geht den Rezipienten nichts an. Wenn der Rezipient seine gute Argumentation nur wegen eines fehlenden vermeintlichen Realnamens abwertet, hat der Rezipient ein Problem, nicht der Kommentierende.

  5. @Andrea: grundsätzlich sehe ich das auch so. Wer nun keine eigenen Accounts hat, die bei der Google-Suche nach dem eigenen Namen ganz oben erscheinen, geht schon ein Risiko ein, denn ehrlich gesagt möchte ich auch nicht jeden meiner Kommentare an erster Stelle bei Google finden.

    Das heißt nicht, dass ich nicht dazu stehe, aber wir alle wollen ja ein bestimmtes Bild von uns transportieren und da kann ein aus dem Zusammenhang gerissener Kommentar schon mal den gewünschten Eindruck stören. Dies vor allem bei denen, die dann nur mit einer Handvoll Treffer zu finden sind. Bei Dir ist das, denke ich, kein Problem, denn die Menge Deiner Meinungsäußerungen verschafft mir einen Eindruck, der durch einen einzelnen Kommentar kaum ins Wanken geraten wird.

    Ich glaube auch, wie Annette es ja empfiehlt, dass man mit einem Google+ Profil dieser Gefahr am leichtesten begegnen kann, denn Google bemüht sich nach Kräften, diese Accounts möglichst weit oben zu platzieren. Da kann dann ein einzelner Kommentar nur selten mithalten.

    1. Diesem Kommentar kann ich mich mit voller Überzeugung anschließen.

      Ich möchte ebenfalls nicht, dass aus dem Zusammenhang gerissene, zufällige Aussagen von mir unter meinem Namen bei Google zu finden sind. Und ich möchte soweit es geht selbst darüber bestimmen, welche Informationen jemand erhält, der mal eben meinen Namen googelt.

      Schließlich: Wenn ich bei einer öffentlichen Veranstaltung außerhalb des Internets einen Diskussionsbeitrag abliefere (und mich dabei namentlich vorstelle), steht das ja auch nicht am nächsten Tag in der Zeitung.

      Angst macht es mir nicht. Aber ich kann damit halt auch ziemlich gut umgehen und habe jahrelange Erfahrung. Es würde mir vermutlich Angst machen, wenn ich die nicht hätte.

  6. Servus,
    Online Reputation ist ein großes Thema und wird es künftig wohl noch mehr. Denn irgendwann will und sollte wohl jeder gezielt gefunden werden, aber nur mit bestimmten Punkten 😉 Das heute bestimmte Arbeitgeber da noch zurückhaltender sind wundert mich nicht – aber letztlich hat man heute selten ein Angestelltenverhältnis auf Lebenszeit und dem nächsten sind dann wiederum Netzaktivitäten äußerst wichtig.

    Aber zurück zum Thema:
    Bisher war das bei Facebook so, dass selbst wenn ich die öffentliche Suche ausschalte, das dennoch Kommentare auf Seiten gefunden werden. Ich wähnte mich da nämlich auch auf der sicheren Seite, bis ich meinen Namen mal googelte.

    Und ja, ich selbst achte sehr darauf mit was ich gefunden werde. Öffentlich kommunizieren? – Ja. Privates im Netz?- Nur, dass was ich auch meiner Oma erzählen würde 😉

  7. Mir macht in diesem Bereich persönlich nichts Angst. Ganz einfach deshalb nicht, weil ich mich zwar häufig im Netz zu Wort melde, dies aber weitgehend nur zu meinen Spezialthemen Stress und Burnout geschieht. Und diese Wortmeldungen darf ja jeder lesen, je mehr desto besser…;-)) Und wenn mir auch nur eine einzige Person auf diesem Planeten einfällt von der ich nicht möchte, dass sie eine bestimmte Meinung von mir weiß… dann verkneife ich es mir eben, diese Meinung ins Netz zu stellen (kommt sehr selten vor)!
    Der im Beitrag erwähnte Arbeitgeber schneidet sich meiner Meinung nach ins eigene Fleisch und das massiv! So wird allenfalls eine innerbetriebliche Angstkultur aufgebaut und wenn man talentierte Leute halten bzw. gewinnen will, hat man mit solchen Maßnahmen ganz schlechte Karten, das steht fest.

  8. Wer die öffentliche Suche in seinem Facebok-Profil untersagt (Privatsphäre-Einstellungen > Anwendungen und Webseiten > Öffentliche Suche) kann nach unserem Experiment offenbar (wir beobachten das weiter) auf öffentlichen Seiten kommentieren, ohne dass dies indexiert wird.

    Das ist nicht zutreffend. Über den o.g. Weg wird nur das Profil nicht von Suchmaschinen indiziert. Kommentare und Likes auf öffentlichen Seiten werden ganz normal indiziert und sind somit für Jedermann sichtbar. Das war auch schon immer so und wird wohl – leider – auch so bleiben.

      1. Das sollte keine Kritik o.ä. sein, sondern nur die Ergänzung (oder in dem Falle die Vorwegnahme) eines nicht unwesentlichen Aspekts 🙂

  9. Die Problemstellung ist symptomatisch dafür, wie in manchen Unternehmen die Prioritäten aus Unkenntnis falsch gesetzt werden. Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht und die Mitarbeiter leiden darunter.

    Steuern kann man hier so gut wie nichts, denn einerseits wird Google versuchen, immer mehr Daten zu jeder Person zu sammeln, andererseits hinterlassen wir mehr und mehr digitale Spuren, die registriert und dauerhaft gespeichert werden können. Die Frage ist, welche Schlüsse aus einzelnen, schnell mal dahin geworfenen Meinungsbeiträgen gezogen werden sollen.

    Negativ zu Ende gedacht ist diese Entwicklung das Ende der Meinungs- und Redefreiheit. Denn egal wo und wie ich mich irgendwo äußere, es wird immer jemanden geben, der sich davon negativ tangiert fühlen und mir mit unangenehmen Konsequenzen drohen kann. Wollen wir eine solche Kultur haben? Besser wäre es, in Unternehmen würde man lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und Einträge in Suchmaschinen nicht einfach nur für bare Münze zu nehmen, sondern deren Kontext zu sehen und sie dementsprechend einzuordnen.

    1. Mir geht es v.a. auch um die Frage, wie man ein Bewusstsein für Onlinereputation bei den Menschen schaffen kann, die mit dem Thema bislang nicht konfrontiert waren. Die Trennung von On- und Offlinewelt verschwimmt ja immer mehr…

      1. Ein Bewusstsein für Onlinereputation können nur Menschen mit genügend Affinität für die damit verbundenen Vorgänge entwickeln. Die breite Masse wird das nicht tun, nicht zuletzt weil Online-Reputation keine statische, sondern eine dynamische und damit relativ komplexe Angelegenheit ist. Das Thema ist abstrakt und verlangt ein tiefgreifendes Verständnis für die Auswirkungen des eigenen Handelns auf Websites, in Social Networks oder auch Applikationen. Selbst wir sind uns da nicht immer sicher. Deswegen glaube ich nicht, dass man auf breiter Front sensibilisieren und zugleich das Know How für eine gute Onlinereputation aufbauen kann.

        1. Das halte ich – mit Verlaub – für eine ziemlich überhebliche Sichtweise, die aus Sicht der Medienpädagogik auch noch grundfalsch ist. Selbstverständlich kann man dafür auf breiter Front sensibilisieren – wenn man früh genug damit anfängt, nämlich möglichst bereits in der Grundschule. Wenn Menschen von klein auf lernen, mit dem Medium umzugehen, wird auch das Verständnis für Online-Reputation ganz natürlich und selbstverständlich werden.
          Meines Erachtens ist es daher ein Fehler, hier einen Expertenstatus zwingend vorauszusetzen. Es geht hier um angemessenes Sozialverhalten., nicht um „Know How“, das sich nur Experten aneignen können. Und Sozialverhalten ist *immer* ein nicht statische, „dynamische und somit relativ komplexe Angelegenheit“. Das gilt online wie offline. Und trotzdem beherrschen es die meisten Leute offline zumindest einigermaßen. Warum soll man es also nicht auch online lernen können? Genauso, wie man es lernen kann, sich bei Tisch zu benehmen, kann man Verhaltensregeln im Netz lernen. Ich sehe da überhaupt kein Problem. Das Problem war bisher nur, daß viele Menschen im Netz, die erst spät dazu gekommen sind, quasi in eine völlig neue Welt hineingeraten sind, in der sie sich erst mal zurechtfinden müssen. Und wenn ihnen niemand sagt, wie sie sich verhalten müssen und welche Folgen ihr Verhalten haben kann, darf man sich nicht wundern, wenn das schiefgeht.
          Man hat nun zwei Möglichkeiten: Man erklärt die Menschen für dumm und stellt sich auf den Standpunkt, daß sich dort nur Experten zurechtfinden – oder man klärt sie auf. Ich plädiere für Letzteres. Daß das funktioniert, beweisen die vielen Menschen, die schon vor dem Web und erst recht vor den großen sozialen Netzwerken im Netz unterwegs waren, beispielsweise im IRC oder im Usenet. Denen ist das alles bewußt, und sie handeln entsprechend. Vielleicht haben sie dadurch einen Expertenstatus. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß diesen Expertenstatus jeder erwerben kann – und das auch noch in späteren Jahren.

  10. Alles schön und gut, aber wenn mir ein Arbeitgeber verbietet irgendwo in einen Forum oder Blog einen Kommentar zu schreiben, dann würde ich dies hinterfragen.

    Natürlich sollte man im Internet keine Laienfragen veröffentlichen, aber ein nützlicher und sinnvoller Kommentar, ist nicht verwerflich. Jemand der an einer Online- Diskussion dran teilnimmt, sollte auch dafür nicht bestraft werden. Jeder Mensch hat das Recht seine Meinung frei kundzutun.

    Bloß mein persönlicher Tipp ist: Man sollte aufpassen wenn man über einen Arbeitgeber schreibt, muss man nun mal über die Folgen sich im Klaren sein. Aber wenn es was mit dem Beruf zu tun hat, wo man sich zum Beispiel versucht als Experte zu etablieren und in dieser Hinsicht die Onlinereputation stärkt, dann ist nichts Verwerfliches dran.

    Zusätzlich ist man ja auch nicht in jedem Bereich ein Experte, man kann auch diesen Weg dazu nutzen, um sich weiter zu bilden. Bilden ist in unserer Gesellschaft sehr wichtig und sollte überhaupt nicht eingeschränkt werden!

    Aber Nix desto trotz ein sehr schönes Experiment, man sollte hier noch Twitter und Google plus begutachten. Eventuell auch noch die VZ Gruppe.

    Grüße Nico

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