„Weil man da jetzt dabei sein muss“ – ?

Jeder will inzwischen dabei sein, wenige wissen, wie es wirklich funktioniert und noch weniger machen es richtig: Fanseiten auf Facebook sind „in“, aber wirklich Arbeit und Zeit dafür investieren wollen die wenigsten…

Ich weiß nicht, wie viele Anfragen ich schon bekommen habe, wo man von mir erwartete, Facebook mal schnell in ein, zwei Stunden so zu erklären, dass man danach alleine klar kommt. Vorzugsweise fragen sowas Leute, die noch nie in Facebook eingeloggt waren und das auch für sinnfrei halten. Aber eine Fanseite… „das muss man ja jetzt haben“ – muss man wirklich?

Klar, ich als webaffiner Mensch suche schon als erstes im Fanseitenverzeichnis nach eine Marke bevor ich Google bemühe. Und wenn es dann keine gibt, dann erweckt das bei mir schon den Eindruck, dass da jemand nicht die Möglichkeiten der  Online-Kommunikation ausschöpft. Aber hey: besser keine Fanseite als eine miserabel geführte.

Wenn ich Anfragen nach einem Facebook-Crashkurs damit beantworte, dass man das nicht mal eben schnell nebenbei machen kann, sondern zunächst mal Erfahrung als Nutzer haben sollte und das volle Potential von Facebook auch nur ausschöpfen kann, wenn man neben der Fanseite auch als Mensch aktiv ist, wird das nicht von jedem als hilfreich empfunden. 😉 Zu groß sind die Vorurteile und auch die Ängste, die oft jahrzehntelang ungestört praktizierte Nichtkommunikation in Frage zu stellen.

Facebook ist und bleibt dabei nur ein Werkzeug, ein Kanal für Ihre Kommunikation. Dazu kann ich ihnen natürlich Schlagworte wie „transparent“ und „authentisch“ um die Ohren hauen, aber wer sich noch nie auf einen Dialog eingelassen hat, wird das nicht verstehen und auch nicht umsetzen können.

Es gibt kein Pauschalrezept nach dem Motto

X min/Tag + 2,5 Postings um Y und Z Uhr = perfekte Facebook-Nutzung

Facebook ist außerdem so komplex, dass man es nicht mal eben schnell mitnehmen KANN. Ich kann Sie gern in die Funktionsweisen der Plattform einführen, ich kann gern die Faktoren nennen, die man beim Erstellen einer Fanseite beachten sollte oder einen iframeTab für Sie bauen. Das allein macht aber noch keine gute Kommunikation und bereitet Sie auch nur rudimentär auf all die Praxisprobleme vor, die passieren können. Das ergibt sich erst aus learning by doing. Dabei kann ich Sie gern begleiten.

Wenn Sie aber nicht bereit sind, sich auf einen Dialog einzulassen, ständig weiter zu lernen und Ihre einzige Motivation für eine Fanseite heißt „weil man da jetzt dabei sein muss“, dann suchen Sie sich bitte eine von den Agenturen, die Ihnen nach dem Mund reden und dafür noch tausende von Euros berechnen. Bei mir sind Sie mit sowas völlig falsch! 🙂

 

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

14 Kommentare

  1. Ich bin auch der Meinung. Besser KEINE als eine schlechte und vor allem nicht betreute Facebook-Seite. Kommunikation (intern und extern) ist sowieso bei vielen Firmen immer noch NICHT Standard. Wieso soll das dann plötzlich mit Facebook oder Twitter ändern und zur Firmenphilosophie werden? Da habe ich meine Bedenken.

  2. Danke für diese Klarstellung! Als Seiten-Admin einer Automobilmarke muss ich diesen Kanal (fast) jeden Tag neu verargumentieren. Klassiker: „Müssen wir auf diese Kundenanfrage wirklich reagieren?“ Von daher würde ich Ihren Artikel am liebsten allen Vorgesetzten (von denen keiner auch nur ansatzweise onlineaffin ist) mal auf den Tisch legen…

  3. Schliesse mich der Meinung an:
    Besser keine als eine schlecht gewartete Fanseite ….

    Facebook sollte einmal durchmisten … wenn es eine Zeitlang keine aktivitäten gibt …

  4. Dem kann ich mich (leider) nur anschließen.
    Den Satz „wir müssen da halt auch mal rein“ kann ich bestätigen. Wenn man dann aber mal mit „Konzept“, „Strategie“, „Kosten“ und vor allem „Ressourcen“ kontert und nachfragt, was denn das Ziel sei und welche personellen Strukturen vorhanden seien, erntet man erstmal ein kalkweißes Gesicht. Und im Anschluss dann ein „Nene, Geld wollen wir dafür nicht ausgeben. Ist doch alles kostenlos, dacht ich?“ 🙂

    In einem Punkt muss ich dir widersprechen:
    Social Media ist für mich kein Kommunkationskanal. Zumindest nicht für Unternehmen.
    Es ist eindeutig ein Servicekanal.
    Und so muss man es auch Unternehmern an den Mann bringen.

    Die „alte“ Denkweise von Kommunikationskanal wird leider oftmals immer noch mit Printanzeigen, Flyer, Radiowerbung, etc. gleichgesetzt. Was wiederum nur auf eine einseitige Kommunikation – von Unternehmen an Kunde – hinausläuft.

    Wenn man Unternehmen Social Media ganz klar als Service- und Dienstleistungskanal darlegt, wird auch (hoffentlich) die notwendige Einstellung und Arbeitsweise im Social Web klar.
    Ein reines Werben für Angebot oder Produkte funktioniert im Social Web nicht. Weshalb auch die Konversionsrate (Sales) der Facebook Ads gegen 0 tendiert.

    Fans generiert ein Unternehmen nun mal nur im Real Life, nicht auf Facebook. Ein Unternehmen muss erst in Vorleistung gehen – in Form von Qualität und Service – bevor man auf Facebook den „Like“ Button klickt.

    1. Das kommt darauf an, wie man Kommunikation definiert. Ich definiere es als miteinander sprechen (nicht als Marketing) – und das ist für den Service ja wohl oberstes Gebot, oder?

      1. Das ist richtig. Ich definiere es ebenfalls so.

        Nur kann man davon ausgehen wenn man in einem Gespräch hört „Das machen wir seit 30 Jahren so“, dass vor allem bei Unternehmen die eben nicht mit dem Internet „groß geworden“ sind, hier eine andere Einstellung herrscht. 🙂

        Man muss eindeutig klarstellen, dass Social Media für ein Unternehmen zuerst mal Kosten verursacht. Es ist kein direkter Verkaufskanal, was oftmals immer noch fälschlicherweise angenommen wird. Eine der nettesten Aussagen, die ich mal von einem Unternehmer gehört habe, war „Und wieviel Umsatz bringt uns jetzt diese Pressemitteilung?“. 🙂

        Ja, Kommunikation heißt miteinander sprechen und ist eine grundlegende Voraussetzung für Service.

        Viele Unternehmen haben arge Probleme, die Tragweite des Social Web zu erkennen. Die letzten 100 Jahre waren geprägt von einseitiger Kommunikation.
        Ein Unternehmen hat sich auch nicht wirklich auf negative Äusserungen seitens der Kunden einlassen müssen. Denn was ist schon ein Kunde der sich beschwert. Der verpufft.

        Seit einigen Jahren zählt eine einzelne Meinung jedoch sehr viel mehr, als jemals zuvor. Wenn ich mich über die Telekom beschwere und auf deren Facebook Seite poste, erreiche ich mit einem Schlag mehr Menschen, als noch vor 10 Jahren.

        Die Grundvoraussetzung für Unternehmen im Social Web aktiv teilzunehmen ist das „sich lösen“ von alten Gewohnheiten und Denkweisen. Social Media Marketing bedeutet gleichzeitig auch ein Umbruch im Unternehmen. Das ist unumstößlich. Es nützt das beste Facebook Team nichts, wenn im Real Life der DSL Anschluss dennoch Monate auf sich warten lässt (Wie in meinem Fall geschehen. :))

        Social Media ist eine Investition. In jeglicher Hinsicht.

  5. Toll wäre eine Funktion, die alle Pages ohne oder mit nur wenig Aktivitäten der Betreiber ganz nach unten in der Suche sortieren sollte… 😉

  6. Also ich als webaffiner Mensch bemühe immer noch zuerst die Suchmaschine (Google, Bing, …), wenn ich mich über ein Unternehmen informieren möchte. Bei kleineren Unternehmen (meine potenziellen Auftraggeber) schaue ich als nächstes h in XING. Nur, wenn ich tatsächlich in den Dialog treten möchte (z. B., wenn ich einen guten Artikel bei der Firma im Blog gelesen habe) bzw. zeitnah über Neues von dem Unternehmen informiert werden möchte, dann schaue ich, ob die Firma/das Unternehmen auch einen Twitter-Account und einen Facebook-Account bzw. eine Fanpage hat. Okay, da ich mich beruflich auch sehr viel mit Social Media beschäftige, gucke ich inzwischen natürlich auch aus beruflicher Neugierde, wer wo was mit seinen Kunden/Geschäftspartnern/Netzwerk kommuniziert und wie das Unternehmen dabei vorgeht. Man kann ja vielleicht was davon lernen ;-)).

  7. Genau so ist es. Nur weil FB als Plattform kostenlos ist, soll die ganze Sache damit auch nichts kosten und schnell mal so gemacht werden.
    Dazu kommt, wo in Unternehmen erst Guidelines für die Kommunikation „erlassen“ werden müssen, was wundern wir uns dann über fehlende zwischenmenschliche Beziehungsdefizite.

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