„Auf Facebook heißt die Währung Sympathie und Unterstützung“

Klaus Wengel über die ersten Erfahrungen mit seiner Fanseite

Kürzlich erreichte mich eine Mail von meinem Kunden Klaus Wengel, in der er mir begeistert von den Fortschritten seiner Fanseite berichtete, die ich mit ihm optimiert habe. Als wir mit der Beratung Ende Juli 2010 gestartet sind, war noch nicht so klar, wie sich das entwickeln würde…

Da dies auch andere interessieren könnte, habe ich ihn gebeten, im folgenden Interview von seiner Herangehensweise und seinen Erfahrungen zu berichten:

Bitte stellen Sie sich kurz vor: Wer sind Sie und  was machen Sie?

Mein Name ist Klaus Wengel. Ich bin 59 Jahre alt und betreibe seit über 30 Jahren einen Großhandel für Räucherstäbchen und  Räucherwerk.

Meine Firma ANANDAM wurde bereits 1975 in Berlin gegründet. Die Betreiber des  Peacefood, eines der ersten Naturkostläden Deutschlands, hatte Kontakte nach Indien aufgebaut und begonnen Räucherstäbchen aus Auroville zu importieren.

Als wir ANANDAM 1979 von Berlin nach Hamburg übernahmen, lieferten wir die Auroshikha Räucherstäbchen ausschließlich an Geschäfte. Wir waren also ein reiner Großhandel. Erst im Herbst 2000 entdeckte ich zufällig in den Regalen eines Kaufhauses ein Computerprogramm mit dem man einen einfachen Internet-Shop einrichten konnte.

Ich habe das lange nicht ernst genommen und nur ein wenig damit experimentiert. Doch als dann die ersten Bestellungen in meinem E-Mail-Postfach eintrafen, war ich wie elektrisiert und arbeitete fieberhaft am Ausbau des neuen Forums im Internet. Seit Sommer 2010 nun mein Start einer Fanseite bei Facebook.

Wie sind Sie auf schwindt-pr gekommen und warum haben Sie sich für eine Beratung entschieden?

Ich hatte mich im Sommer 2009 eigentlich nur bei Facebook angemeldet, um  mit meiner Tochter in Kontakt zu bleiben, die seit Jahren auf Weltreise unterwegs war. Ich fand Facebook ziemlich langweilig und es war für mich schwer zu begreifen, wie man sich dafür begeistern konnte. Da schrieb z.B. jemand „Ich mag Erdbeereis…“ und 3 fanden das gut…, so etwas ergab für mich lange keinen Sinn. Wie konnten andere sich dafür interessieren? Das war doch langweilig, oder?

Im Sommer 2010 las ich dann einige Fach-Artikel über Facebook-Fanseiten und ich bekam ein Gefühl, wie das laufen könnte. Die Seite war schnell angelegt, aber ich merkte bald, dass ich ohne professionelle Hilfe nicht weiterkommen würde.

Da war zum einen die für mich schwer zu verstehende Bedienung von Facebook und ein Wust von Fachausdrücken, die ich nicht verstand. Die Angst war groß, auf irgendeinen falschen Knopf zu drücken und damit alles zu verderben. Und weiter war da eine große Unsicherheit, was und wie man eigentlich Beiträge schreiben sollte, die ankommen würden. Ich kam mir vor wie ein frischgebackener Theaterdirektor, der durch den Vorhang beobachtet, wie die ersten Zuschauer Platz nehmen, der aber weder etwas von Bühnentechnik versteht, noch wusste wie er gleich sein Publikum unterhalten sollte.

Also habe ich mir ein geeignetes Buch bei Amazon bestellt. „Das Facebook-Buch“ von Frau Schwindt.  Es war eine Wohltat diesen Wust einmal systematisch erklärt zu bekommen und zwar wirklich ganz von Anfang an. Das war meine einzige Chance zum Einstieg. Später kam da die persönliche Beratung von Frau Schwindt hinzu. Ohne diese vielen Tipps und den wirklich unendlich geduldigen Erklärungen, hätte ich mein neues Projekt wohl  längst aufgegeben.

Sie haben sich zunächst Rat für Ihre bereits bestehende Facebook-Seite geholt, später auch für Ihr Blog. Mit welchen Fragen sind Sie gestartet und wie hat sich Ihre Sicht auf Social Media mit der Beratung entwickelt?

Die Bedienungslogik von Facebook war einfach nicht für mein Gehirn gemacht worden. Wer immer sich das ausgedacht hatte, musste irgendwie gänzlich anders getickt haben als ich. Es ging also  anfänglich in erster Linie darum eine gewisse Sicherheit im Umgang mit Facebook und seinen für einen Laien manchmal schwer zu durchschauenden Bedienungselementen zu erlangen. Es waren sehr simple Fragen und mir war es  schon etwas unangenehm so etwas zu fragen.

Als dann die ersten Beiträge da standen und die ersten „Likes“ auftauchten, begann es, richtig Spaß zu machen und ich begann öfters nachzuschauen, wie wohl der letzte Beitrag angekommen war.

Worüber schreiben Sie auf Ihrer Facebook-Seite?

Ich stellte bald fest, dass die Beiträge bei Facebook sehr kurz gehalten werden müssen und dass auch die Aufmerksamkeit für einen Beitrag nur wenige Tage anhält. Es gab aber Themen, die mehr Raum brauchten und auch länger halten sollten. Frau Schwindt empfahl mir daher, ein Blog zu starten und längere Abhandlungen dort zu veröffentlichen und über Facebook die kleinen, aktuellen Nachrichten zu vertreiben. Über die Anwendung „NetworkedBlogs“ werden diese Beiträge auch auf Facebook übertragen. Eine sehr schöne Kombination.

Was die Kommunikation anbelangt, empfinde ich mich weiterhin noch als ganz in den Anfängen. Ich experimentiere und sammle Erfahrungen. Mal „gelingt“ ein Beitrag, mal hat er kaum Resonanz. Vielleicht kann man eines Tages eine kleine Kommunikationsbibel für das Social Network schreiben. „Die 10 Goldenen Regel der Kommunikation“ oder so.

Ja, was sollte man nun schreiben? Über so etwas Emotionales wie Duft und Sinnlichkeit muss man eine andere Sprache finden, als wenn man über eine Internet-Browser berichtet. Das ist eine ganz andere Welt. Eine von vielen Welten. Ich glaube, die einfachste Regel ist, so authentisch wie möglich über sich selbst zu schreiben. Aus dem Bauch heraus, auch wenn Fehler passieren. Das ist die einzige Chance glaubwürdig rüberzukommen.

Wer sind die Menschen, die Fan Ihrer Seite werden? Kommen Sie alle aus Ihrem bereits zuvor bestehenden Netzwerk oder haben Sie durch die Fanseite auch neue Kunden gewonnen?

Oh, das ist ganz unterschiedlich. Es ist eine sehr schöne Erfahrung, zu beobachten, dass mit der Zeit und mit zunehmender Anzahl von Fans da wirklich Menschen kommen, die sich mit dem, was man tut und erzählt, identifizieren, es „gut finden“. Es gerät etwas in  Bewegung. Natürlich hat ein größerer Teil der Fans nur ein passives Interesse am Thema. Es tauchen dann aber mit der Zeit immer mehr gute Seelen auf, die ein wirklich aktives Interesse haben und die auch selber etwas schreiben.  Darum geht’s.

Kunden, oh ja, ich erkenne schon den einen oder anderen Kunden auf meiner Fanseite und sicher ist auch der eine oder andere Fan ein Kunde geworden. Aber auf Facebook heißt die Währung sicher nicht „Euro“ sondern „Sympathie und Unterstützung“.

Einen signifikanten Umsatzanstieg kann ich noch nicht feststellen. Es gibt also noch keinen kommerziellen Nutzen. Aber das steht nicht an erster Stelle in diesem Projekt.

Wie hat sich Ihre Fanseite (und in welcher Zeit) entwickelt? Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Als Frau Schwindt mein Projekt auf Ihrer Fanseite ansprach, war die Skepsis über mein Projekt groß. Sollte es wirklich Menschen geben, die sich auf Facebook für Räucherkerzen interessieren?

Nun, inzwischen gibt einen stetigen, gleichmäßigen Zuwachs, der mich selber sehr überrascht hat. Der eigentliche Motor ist eine kleine Anzeige, die ich mit wenig Geld betreibe und seit Wochen nicht geändert habe. Anscheinend berührt das Thema eine Menge Menschen. Mein Eindruck ist, dass noch lange kein Ende des Wachstums abzusehen ist.

Sie haben im Laufe der Beratung Ihre Online-Kommunikation durch ein Blog erweitert. Warum haben Sie sich dazu entschlossen und wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Das Blog bietet die Möglichkeit, auch breitere Themen ausführlich zu behandeln. So ein Beitrag erfordert auch eine viel ausführlichere Recherche. Ich bin da durch die Aufarbeitung der Themen selber noch immer wieder auf sehr interessante, für mich völlig neue Fakten gestoßen. Insofern hat sich die Arbeit auch für mich gelohnt.

Welche Kanäle nutzen Sie inzwischen alles für Ihre Online-Kommunikation und wie sind diese miteinander vernetzt?

Mein Blog und die Fanseite sind von der Shop-Website aus leicht zu finden, die Blogposts werden in die Fanseite importiert und das Blog hat einen eigenen Reiter dort. Außerdem habe ich die Fanseite in meiner E-Mail-Signatur verlinkt.

Ganz neu habe ich auch einen Twitter-Account aktiviert. Meine Facebook-Beiträge werden also auch auf Twitter veröffentlicht.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer bisherigen Social-Media-Nutzung und was würden Sie anderen raten, die ihre Kommunikation auf ähnliche Weise erweitern wollen?

Nun, ich kann nur jedem raten, sein eigenes Projekt zu starten. Diese Anstrengungen sind  in keinem Fall umsonst. Auf Facebook findet jeder Gehör und Unterstützung, der authentisch über sein Projekt berichtet. Allerdings sollten die kommerziellen Erwartungen nicht im Vordergrund stehen.

Es ist ganz einfach. Wer als Kaufmann/frau mehr als nur (beliebige) Produkte verkaufen will, sondern auch eine Idee oder Erfahrung transportieren möchte, in dem wächst auch automatisch das Bedürfnis darüber zu berichten.

Überhaupt ist, nach meiner bisherigen Einsicht, eine Fan-Seite von einer Firma betrieben erst einmal ein Widerspruch in sich. Auf Dauer funktioniert hier nur die authentische und  emotionale Kommunikation zwischen Individuum zu Individuum. Genau das macht, nach meinem Eindruck, das Soziale Netzwerk aus. Es findet momentan also eine Art Demokratisierung der Kommunikation statt.

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

10 Kommentare

  1. Eine gute Fallstudie darüber, wie auch Produkte, die man auf den ersten Blick nicht bei Facebook erwarten würde, Erfolg haben können.
    Interessant ist vor allem, dass eine Anzeige den größten Zuwachs für die Fanpage brachte. Handelt es sich hierbei um eine Facebook-Anzeige?

    Ich versuche nämlich auch gerade, meinen Blog über Facebook bekannter zu machen.

  2. Ich finde solche Berichte wichtig und zeigen, dass die Pages funktionieren können, wenn man sich gut drum kümmert.

    Social Network bedeutet nicht, dass man alles doppelt und dreifach formulieren muss oder soll, sondern sich die Tools zu Hilfe nehmen kann, die angeboten wird.

    Ja und ich nutzte Networked Blogs selbst, denn ich seh nicht ein, warum ich mir mehr Arbeit machen sollte, als notwendig ist.

    Ich hab bereits Blogartikel geschrieben und Networked Blog sorgt für die Verbreitung, in dem zum einem in mein Profil postet und in meiner Fanseite … und es wird sogar noch getwittert.

    Ich kann mich entspannt um die Kommentare und die Dialoge meiner Fans oder Freunde kümmern, denn Facebook ist ja in erster Linie ein Kommunikationstool.

    Wirklich ein toller Artikel und ein positives Beispiel für engagierte Seitenbetreiber.

    Alexandra

  3. Ich kann mich mit meiner Meinung dem Herrn R. (auf Wunsch der betreffenden Person editiert) nur anschließen.
    Und auch aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Beiträge über einen RSS-Feed noch nicht mal halb so oft geklickt werden, wie die anderen.
    Facebook ist nicht Twitter und Facebook-User hassen automatisierung. Aber auch nicht erst seit gestern.

    Ich kann aber auch von mir sprechen. Sobald ich merke, dass eine Fanpage automatisiert Inhalte rausgibt, ignoriere ich sie…

  4. (Anm.) Herr R., auf den Mario Jung in seinem Kommentar Bezug nimmt, hat mich gebeten seine Kommentare zu löschen und seinen Namen abzukürzen. – Hiermit geschehen –

  5. Ich finde solche Berichte wichtig und zeigen, dass die Pages funktionieren können, wenn man sich gut drum kümmert. Social Network bedeutet nicht, dass man alles doppelt und dreifach formulieren muss oder soll, sondern sich die Tools zu Hilfe nehmen kann, die angeboten wird. Ja und ich nutzte Networked Blogs selbst, denn ich seh nicht ein, warum ich mir mehr Arbeit machen sollte, als notwendig ist. Ich hab bereits Blogartikel geschrieben und Networked Blog sorgt für die Verbreitung, in dem zum einem in mein Profil postet und in meiner Fanseite … und es wird sogar noch getwittert. Ich kann mich entspannt um die Kommentare und die Dialoge meiner Fans oder Freunde kümmern, denn Facebook ist ja in erster Linie ein Kommunikationstool. Wirklich ein toller Artikel und ein positives Beispiel für engagierte Seitenbetreiber. Alexandra

  6. Hallo!

    Ich komme immer wieder auf diesen informativen Blog wegen der viele Tipps und bekomme auch die Benachrichtigungen per Mail. Danke.

    Wußte nicht wo meine Frage hinpassen würde und denke hier könnte sie passen.

    Gibt es eine Möglichkeit zu sehen wer „gefällt mir“ angeklickt hat unter den Artikeln in einem Blog?

    LG
    Fred

Kommentare sind geschlossen.