Eine Facebook-Seite nur zu haben, reicht nicht! (rant)

Ich wollte ja schon länger mal was loswerden und nachdem Ed Wohlfahrt das Gespräch gerade drauf gebracht hat, möchte ich hier gleich mal daran anschließen:

Liebe Leute, eine Facebook-Seite nur zu haben, ist nicht genug!
Man muss auch was damit TUN!

Viele Unternehmen rennen jetzt zu Facebook, knallen da schnell-schnell eine Seite rein, verballern Geld ohne Ende für superhippe Apps und Gewinnspiele und kaufen sich Fans ein, nur „weil man da jetzt auch sein muss“. Interaktion wird nicht gewünscht, Kommentare würden sie am liebsten auch noch abstellen (geht aber nicht, ÄTSCH!) und nach dem ersten Hype („Wir sind jetzt auch auf Facebook!“) versandet das Ganze – logischerweise…

Bei Social Media (wie das Wort social eigentlich schon sagt) geht es aber gerade um Interaktion. Um KOMMUNIKATION. Um Vernetzung – und zwar gegenseitige! – und um das Weiterempfehlen von Inhalten, die man wirklich (!) gut findet. Nicht um das Faken von Weiterempfehlungen! Vernetzung bezieht sich dabei nicht nur auf das Vernetzen mit anderen Menschen (!), sondern auch auf das sinnvolle (!) Vernetzen der eigenen Kommunikationskanäle untereinander.

Eine Facebook-Seite wird nicht gut bloß dadurch, dass sie hohe Fanzahlen hat. Schon gar nicht, wenn diese Fans nicht interagieren. Sie wird nicht gut bloß weil man eine geile blinkende App hat, über die mal zwei Tage geredet wird und dann nicht mehr.

Eine Facebook-Seite ist dann gut, wenn sie

  • sinnvoll mit den übrigen Kommunikationskanälen dessen vernetzt ist, den sie repräsentiert (das spart im Übrigen auch einiges an Betreuungsaufwand)
  • eine organisch wachsende Fangemeinde hat (die Betonung liegt hier auf organisch – ACHTUNG langfristiges Denken gefragt! – und auf der Community nicht auf der Fanzahl!)
  • den Fans die Möglichkeit gibt, sich aktiv einzubringen (Fragen stellen, diskutieren – ACHTUNG Interaktion!)
  • den Fans einen stetigen Mehrwert bietet und somit
  • die Fans langfristig bindet

Denn eine Facebook-Seite ist eine Dialog-Plattform,
kein Einweg-Werbekanal!

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

23 Kommentare

  1. und schon muss ich nicht mehr Bloggen, danke Anette : ) Scherz beiseite. Ein wichtiger Aspekt sind imho die immens hohen Erwartungen hinsichtlich Viralität, die wir alle an Facebook haben. Ich will mich da gar nicht ausschließen. Für mich seriös mit dem Thema umzugehen, bedeutet nicht zuletzt auch, dass man sich mit dieser eigenen Sicht auf das Werkzeug Facebook kritisch auseinanderzusetzen beginnt. Wie relevant ist im individuellen Fall die Zahl der Fans überhaupt, welche Interaktionen möchte ich auslösen und warum, wovon möchte ich meine Fans überzeugen, was ihnen mitteilen, welche Gespräche führen, etc. Das sind allesamt Fragestellungen, von denen ich nicht selten merke, dass sie bei Kunden Kopfschütteln hervorrufen. Aber es hilft nichts, die, die jetzt den Kopf schütteln werden morgen verwaiste Pages haben. Oder noch schlimmer: Pages haben, die ihnen Agenturen für teures Geld künstlich am Leben halten… Die anderen vielleicht Pages mit einhundert oder zweihundert und fünfzig „Fans“ von denen ein großer Teil aktiv am Thema ist und bleibt. Die Frage was davon langfristiger ist, was davon in der Lage ist mehr Wertschöpfung zu erzielen (Wertschöpfung wiederum für alle, nicht nur das Unternehmen…) liegt meiner Meinung nach auf der Hand.

  2. Das finde ich gerade das tolle an Social Media, es lässt sich schwer ohne persönliches Angagement beherrschen.
    Einfach nur mit Geld lässt sich diese Werbeform kaum instrumentalisieren,…coooool 🙂
    LG
    Bobby

  3. Liebe Frau Schwindt, rant angenommen, für gut befunden und ins Stammbuch geschrieben. 🙂
    Ich bin ein sehr kritischer, professioneller Nutzer von Facebook (was den Nutzen für KMUs betrifft) und empfehle Firmen Facebook nur unter der Voraussetzung, dass man Zeit dafür hat und sich darum kümmert.
    Die Frage wieviel Zeit beantworte ich mit einer Zahl, obwohl das ja eigentlich nicht geht.
    Meistens sage ich, dass man Facebook am besten immer „offen“ hat und so eine Stunde pro Tag einplant. Das hilft Resourcen abzuschätzen und zu klären ob man sich das überhaupt „leisten“ möchte.
    Ist niemand da, der Zeit und Lust hat, eine Facebook Page zu pflegen, rate ich von einer Erstellung ab.

  4. Lust, Zeit und Engagement möchte ich gerne um Professionalität/Kompetenz ergänzen. Die Experimentierzeiten von Social Media sind meiner Ansicht nach schon etwas länger vorbei und damit auch die Zeit des „das ist neu, das probieren wir einfach mal aus“.

    Facebook, Twitter etc. sind inzwischen neben klassischer Pressearbeit, Werbung etc. gleichwertige Instrumente im Kommunikationsmix und sollten auch genau so sorgfältig und professionell ausgewählt, geplant und umgesetzt werden.

  5. Ich denke auch eine Facebookseite bringt nur etwas wenn sie aktuell ist.
    Ich sehe sehr großes Potenzial dahinter und mache wöchentliche Einträge.
    Und durch diese Art der Werbung kann man vor allem Junge Menschen erreichen.

    1. Tja, Herr Mühlbauer… Die Werbung in Ihrem Kommentar habe ich dann gleich mal entfernt… 🙂 Ansonsten lasse ich Ihren Kommentar mal so stehen und spare mir weitere Bemerkungen… – im Notfall einfach das Blogpost NOCHMAL lesen 😉

  6. Viele Mittelständler haben den Hintergrund überhaupt nicht verstanden. Sie haben es an die PR/Marketing Abteilung abgegeben. Diese jedoch denken nach wie vor in schönen Bildern herkömmlichen Texten etc. Diese menschen denken, dass nun das Werbeplakat, die Werbebotschaft noch mal auftauchen muß. Sie haben die Anzeigen und die schöngefärbten Texte nur elektronisiert. Das Denken ist nach wie vor rational, linear statt vernetzt und „chaotisch“, in Wirkungszusammenhängen denkend. Aber dafür sind wir Berater ja da.

    1. Tja, da hat aber jemand PR nicht recht verstanden (denn das bedeuet Public Relations = Kommunikation – und nicht Promotion = Werbung/Marketing), wenn er so denkt. Da empfehle ich mal wieder Brian Solis: Putting the Public Back in Public Relations 🙂

  7. Alles richtig und noch ein Kommentar aus meiner Erfahrung:

    @Thomas Dickert:
    Dass sich die PR/Marketingabteilung oft nicht vernünftig um das Thema Web 2. 0 mit allem was dazu gehört entsprechend kümmert ist wohl richtig. Dabei liegt es meiner Erfahrung nach aber weder am Unverständnis der Agierenden (in den Abteilungen gibt es schon auch kompetente Köpfe) noch am fehlenden Know-how (gute Seminare, Kongresse, Bücher, Blogs & Co. gibt es ja in geraumer Zahl).
    Viel entscheidender scheinen mir die Zielvorgaben der Geschäftsführer inkl. der von ihnen gesetzten Prioritäten und Budgets zu sein:
    Da die GF in vielen Fällen qua Alter und sonstigen Aufgaben oft nicht gerade zu den Experten und Selbstnutzern gehört, wird oft sehr vereinfacht auf den fahrenden Zug aufgesprungen:
    „Wir wollen/müssen auch, weil es ja alle machen“ und „Weil es billig ist einen kostenlosen Kanal von Praktikanten oder einer Werbeagentur ‚mal so nebenbei‘ bespielen zu lassen.“

    Apropos: Nicht zu vergessen sind auch Werbeagenturen, die das Zusatzgeschäft Facebook als selbsternannte Experten gerne mitnehmen 😉

    Gegen „echtes Web 2.0“, also einen offenen Austausch, der ja auch kritischen Äußerungen Raum gibt, finden sich dagegen oft genug Ressentiments. Die Erkenntnis, dass gerade kritische Äußerungen/Diskussionen einen großen kostenlosen Fundus darstellen für Verbesserungen (z.B. im Service, Produktmodifikationen, open innovation etc.) und dass es sich lohnt auf Kritik offen, selbstkritisch und öffentlich zu regieren, setzt sich erst ganz langsam durch. Anm.: Schaut gern mal auf die Facebookseite von W. Schäuble. Irgendwas da zu öffentlich diskutierten persönlichen Fehlverhalten als Vorgesetzter? Irgendeine Entschuldigung/Erklärung? 🙁

    Ich denke, egal welche Medien ein Unternehmen heute nutzt oder nicht nutzt: Es macht vor allem Sinn sich zu fragen, was die potenziellen Kunden (und das sind u.a. auch pot. neue Mitarbeiter) wollen, wie sie zu Informationen kommen, wie und wo sie kommunizieren. Wenn Unternehmen sich diesem sich rasant verändernden Verhalten nicht offen und ernsthaft stellen, Kunden und Mitarbeiter nicht als kritische, aber auch begeisterungsfähige, gut informierte und selbstbewusste Menschen zu sehen, dann bekommen sie über kurz oder lang durchaus ernste Probleme. Nur das Design oder die Plattform zu ändern macht es nicht besser.

    Meine These: Unternehmen, die hier richtig fit und fortschrittlich sind, werden die anderen nicht ‚überholen‘, sie werden sie ‚überrennen‘ …

    VG, Reiner Kolberg

  8. Volle Zustimmung! Danke!
    Manchmal bin ich auch schon genervt von Leuten, die von mir irgendwelche technischen Tools wissen wollen, dass da mehr los ist auf einer Seite. Ich rede dann – fast immer – nur über Kommunikation und Interaktion, über Menschen mit all ihren Emotionen. Ein bisserl Wissen, wie Facebook technisch tickt, schadet überhaupt nicht, aber es gilt die Prioritäten richtig zu setzen. Ich muß ja auch sagen, dass ich mir nicht wirklich vorstellen kann, dass eine Agentur ausserhalb der Organisation eine Fanpage wirklich gut betreuen kann. Eine Agentur kann unterstützen, beraten, vielleicht bei der Technik und beim Design helfen, aber nicht die Kommunikation übernehmen.

  9. Hier ist er nun, mein angekündigter persönlicher Senf.

    Auch vor Facebook, YouTube, Twitter, Blogs und Co. gab es Social Media, nur wurde sie nicht so genannt. In Grunde waren es die Foren, die zu einem Thema angelegt wurden, auf denen sich Gleichgesinnte austauschen konnten (Kommunikation). Gab es kein Forum zum Thema so wurde eins angelegt, von Privat und natürlich auch von PR-Agenturen. Warum ? Kommunikation ! In Erfahrung bringen (Zuhören) was die Interessengemeinschaft zu sagen hat.

    Selbst zu diesen Zeiten ist es den meisten Unternehmen nicht gelungen sich dort einzubringen, daraus zu lernen, sich ihren Kunden zu nähern.

    Heute, mit mehr Social Media Instrumenten und dem Hype, möchte man wohl das jahrelange verschlafen wieder aufholen und das zügig, zu zügig. Hauptsache dabei sein, denken sich viele, dabei ist nicht unbedingt jedes Instrument im Social Media Markt für jeden das Beste.

    Die heutigen SM-Berater (Social-Media-Berater) müssen wohl mit dem SM aus einer anderen Branche (Sado-Maso) einhergehen 🙂

    Die Sadistische Seite:

    Denn es ist aus Sicht des Beraters manchmal von Nöten, dem Unternehmen erst einmal Schmerzen herbeizuführen. Ihm zu sagen, das schon seine interne Kommunikation zwischen Mitarbeitern nicht funktioniert. Die Kommunikation mit den Kunden im realen Leben schon nicht stattfindet.
    Dies ist aber wichtig für den Aufbau einer Strategie im Social Media Markt um Mitarbeiter und Kunden dort mit einfliessen zu lassen. Denn das Ziel wird nur gemeinsam erreicht werden können.

    Die Masochistische Seite:
    Den Schmerz erfahren, wie wenig die Unternehmen bereit sind intern für Klarheit (Mitarbeiter über die Ziele zu unterrichten, mit einzubeziehen) zu sorgen, um mit geballter Kraft eine Strategie zu entwickeln, für das Wohl aller.
    Das Beste für das Unternehmen rausholen will, das Unternehmen hingegen nur das Nötigste will und nicht erkennt wie wenig das jetzt bringt (Facebook-Page und Twitter Account als Newsstream). Wieder keine Kommmunikation. Wieder nicht zuhören will.

    Die Tube Senf ist jetzt leer, dann verbleibe ich mal mit einem Zitat.
    „Das Leben ist ungerecht, aber denke daran, nicht immer zu deinem Nachteil“ John F. Kennedy

  10. Ich glaube, dass die fb-Seiten nicht so schnell versanden würden, wenn sie auch für deren Betreiber eine ordentliche U s a b i l i t y aufweisen würde.

    Das bedeutet für mich vor allem, dass man als Verwalter eine Nachricht bekommt, wenn Fans auf der Seite interagieren! (Sollte es so ein feature inzwischen geben, bitte ich um Aufklärung – ich suchte es jedenfalls vergebens.)

    Gerade kleinere Unternehmen, geschweige 1-Personen-Unternehmungen (deren Hauptarbeitsgerät möglicherweise noch nicht mal der Computer ist), haben doch gar nicht die Zeit, mehrmals täglich die eigene Seite zu scannen und zu schauen, ob jemand einen Kommentar hinterlassen hat.

    Oder dies hier: eine ganze Weile lang schwebte über der Seite die Meldung, dass ich nun einen Spamfilter hätte und diesen Mal prüfen solle. Wie das geht, erfahre ich in „Help“. Nun. Der Klick darauf führte auf eine Seite, die mir sagte, es gebe zu diesem Thema keinen Eintrag. Was es nun mit dem geheimnisvollen Spam-Filter auf sich hat, weiß ich immer noch nicht. Nur die Meldung, die ist verschwunden.

    Es grüßt die
    Leserin

    1. Ja, Facebook kommuniziert seine Neueigkeiten nicht wirklich gut und setzt immer darauf, dass die Nutzer sich selbst informieren. Zu Ihren beiden Fragen: Benachrichtigungen, wie Sie sie ansprechen, kann man über nutshellmail.com bestellen und den Spamfilter findet man unter Optionen (rechts unter dem Was-machst-du-gerade-Feld).

    2. Nutshell ist für EPU’s und KMU’s sicher eine gute Lösung. ich bin für das Überwachen von Fanpages vor kurzem über einen Dienst namens conversocial http://www.conversocial.com/ gestoßen. Er ermöglicht das verwalten mehrerer Seiten, das Definieren einer Blacklist und insgesamt einen guten Überblick über neue Posts, Kommentare und Likes. Auch noch praktisch: Man kann aus dem Tool heraus antworten. Ein Feature, das ich übrigens auch an der Engagement Console von Radian6 sehr schätze, mit der ich hauptsächlich arbeite.

  11. Liebe Frau Schwindt!
    Da gebe ich Ihnen vollkommen recht, einfach nur eine Seite zu haben und nichts damit zu machen, ist wenig zielführend, nur: im Fall einer Kundin hat leider jemand anderer was mit Ihrer Seite gemacht, und nicht sie selber.

    Ein „Stalker“ konnte Ihr Passwort knacken, machte sich selbst zum Admin und entfernte sie als Admin von der von ihr erstellten Seite!
    In einem Test habe ich probiert, ob das tatsächlich so einfach funktioniert! Und ja, mit wenigen Klicks kann jeder Admin dem Seitenersteller den Zugriff zu seiner eigenen Seite unwiederruflich (!) verwehren. Braucht nur das Passwort dafür, was für Hacker nicht allzu schwer sein dürfte!

    Ich bin total schockiert, er beschimpft die Betreiberin übel und kann jederzeit Posts unter Ihrem Namen veröffentlichen!

    Haben Sie schon einmal von so etwas gehört und wie geht man da vor, bevor man den mühsamen und teuren Weg einer juristischen Vertretung einschlägt!
    Wie kann man Facebook dazu bringen, schnell die Seite vom Netz zu nehmen bzw. den falschen Admin zu entfernen?

    Ich freue mich über eine Antwort,
    mich freudlichen Grüßen
    Claro Caro

  12. Hallo Frau Schwindt,

    nachdem ich Ihr Buch gelesen habe, verfolge ich aufmerksam den Blog.
    Mir stellen sich zwei Fragen. Ich habe für unseren Verein eine Seite erstellt und ich glaube es wird mir auch gelingen diese mit Interessanten Inhalten für meine Fans zu gestalten.

    Allerdings frage ich an Fans komme. Der Verein ist auf lokaler Ebene für viele interessant. Allerdings möchte ich nicht alle Leute die aus meinem Ort kommen, als meine Freunde in meinem Profil hinzufügen. Ich hätte sie aber gerne als Fans für meine Vereinsseite. Wie kann ich diese einladen. Ich finde immer nur Freundschaftsanfragen für mein Profil.

    Meine zweite Frage ist, ob die Seite auch sichtbar gemacht werden kann für Leute die keinen Account bei Facebook haben.

    Und dann hab ich doch noch eine dritte Frage. Ich verstehe das nicht mit der Twitter Verknüpfung und den @mentions.
    Ich habe einen Twitter-Account, den ich aber mehr dazu nutze Informationen zu empfangen. Gibts da evtl. nen Link wo man sich einlesen kann.

    Soviel bis hierhin erstmal…. Ich danke schon mal für die Antwort..

    Stefan

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