Facebook: Was durch den Like-Button auch passieren kann… UPDATED

Achtung, jetzt wird’s kompliziert! Aber ich finde es wichtig, auch auf diese möglichen Folgen der Einbindung eines erweiterten Like-Buttons hinzuweisen.

Der Ausgangspunkt

Kürzlich wandte sich die PR-Verantwortliche eines Kulturzentrums hilfesuchend an mich, die beim privaten Surfen in Facebook auf einen Sucheintrag einer – wie sie zunächst dachte – Fanseite zu diesem Kulturzentrum gestoßen war, die nicht von diesem Zentrum erstellt worden war. Beim Anklicken dieses Sucheintrags in Facebook, wurde sie jedoch nicht facebookintern zu einer offiziellen Seite geleitet, sondern auf eine externe Plattform für Musiker und Musikveranstalter, auf der es eine eigene – allerdings nichtssagende – Unterseite (Webpage) zu ihrem Kulturzentrum gibt (die sie ebenfalls nicht angelegt hatte).

Wie kann das sein?

Dieses Phänomen eines Suchergebnisses in Facebook, das nach außen führt, kommt dann zustande, wenn man den Like-Button nicht nur mit dem unter http://developers.facebook.com/docs/reference/plugins/like-box erhältlichen Code einbindet, sondern der Webpage, auf der man ihn einbindet, auch noch bestimmte meta tags im header des Quelltextes mitgibt (Anbindung an den Open Graph von Facebook). Dies macht aber nur dann Sinn, wenn man dort auch wirklich etwas weiterzusagen hat! (Siehe Beispiel) Durch diese Erweiterung des Like-Buttons entsteht nämlich beim ersten Anklicken des Buttons eine versteckte Fanseite, die dann eben diesen Sucheintrag zur Folge hat.

Die besagte Musikplattform hatte nun automatisiert auf allen pages Ihrer Website den Like-Button so eingebaut, dass die entsprechenden meta-tags aus dem Inhalt der Seite gezogen werden. Dadurch entstand die Anbindung an den Open Graph und das oben beschriebene Phänomen.

Und jetzt?

Hätte das o.g. Kulturzentrum bereits eine eigene offizielle Facebook-Seite und vielleicht auch den erweiterten Like-Button auf ihrer eigenen externen „Über uns“-Seite eingebaut, würde der Sucheintrag der Musikplattform durch die eigenen aussagekräftigeren Sucheinträge bei Facebook „verdrängt“. Da dies aber nicht der Fall ist, finden Suchende dort nur den Eintrag der Musikplattform und wundern sich, wo sie da landen…

In diesem konkreten Fall führte die Recherche zumindest dazu, dass der Betreiber der Musikplattform das (ohnehin nicht mehr aktuelle) Logo des Kulturzentrums von der entsprechenden Webpage genommen hat. Wenn das Kulturzentrum jetzt eine eigene Facebook-Präsenz aufbaut, sollte das Problem erledigt sein. Die PR-Verantwortliche sagte mir, mit dieser Lösung könne sie leben und hofft jetzt auf das Go für eine eigene offizielle Facebook-Seite.

UPDATE: Der Seitenbetreiber der Musikplattform hat zunächst die Schuld für das Phänomen bei Facebook gesehen, hat dann aber auf meine Hinweise hin das Ganze an seine Technikabteilung weitergegeben und bemüht sich nun um eine Lösung des Problems.

Fazit:

Man sollte den erweiterten Like-Button mit Anbindung an den Open Graph also nur einsetzen, wenn man GEZIELT über ein Produkt oder etwas anderes kommunizieren möchte, …

a) das man selbst repräsentiert,

b) für das es noch keine eigene offizielle Facebook-Seite gibt,

c) über das es auch News zu kommunizieren gibt.

Wer nur etwas auf Facebook weitersagen möchte, kann auch den einfachen Share-Button verwenden. Entweder direkt den von Facebook (auch wenn man dort zum unbedachten Anschluss an den Open Graph und die Verwendung des Like-Buttons verleitet werden soll) oder über eines der vielen Tools zum Weitersagen, die es im Web gibt (z.B. addthis, sharethis, oder sexy bookmarks).

Fragen, die bleiben

  • Sollte man Faceoook also einfach als weitere Suchmaschine ansehen, auf der man eine eigene Art von Suchmaschinenoptimierung betreiben muss, um nicht einem Phänomen wie dem hier beschriebenen zu erliegen?
  • Ist es überhaupt rechtens, dass jemand den Like-Button auf die erweiterte Weise (für Dinge, die er nicht selbst repräsentiert) einbaut oder sollte der Button in solchen Fällen nur ohne Anbindung an den Open Graph eingebunden werden dürfen?
  • Ist das Ganze nun die Schuld dessen, der den erweiterten Button einbaut oder ist Facebook dafür verantwortlich?

Was denken Sie?

 

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.

14 Kommentare

  1. Das ist wirklich nicht so einfach und ich versuche mich mal mit einer Verallgemeinerung zu nähern, ohne dabei den Anspruch auf eine richtige Meinung zu erheben – toll nicht?

    Facebook stellt eine Technologie zu Verfügung, so wie Google u.A. die Suche zur Verfügung stellt. Wer sich nicht darum bemüht bei Google mit seinem SUCHBEGRIFF zu erscheinen, darf sich nicht darüber beschweren, wenn andere mit seinem SUCHBEGRIFF dort erscheinen – außer dem stehen Schutzrechte (Marken-, Urheber-,…) entgegen. Das würde ich nun auch auf die Technologie von Facebook anwenden.

    Inwiefern Facebook die Rolle einer Suchmaschine einnimmt, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass man unter SEO Gesichtspunkten, nicht umhinkommt sich näher mit Facebook zu beschäftigen.

    Viel interessanter finde ich die Technologie… Auf der Suche nach Open Graph bin ich auf folgenden Artikel gestoßen http://www.golem.de/1004/74655.html und habe mich gleich mal bei docs.com eingeloggt. Unbewußt nutzen wir selbst mit dem WordPress Plugin „Facebook Comments“ seit kurzem auch Open Graph. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis man seine Pizza mittels Facebook ID ordern kann. Die Entwicklung der Tools bleibt jedenfalls spannend.

  2. Gibt es tatsächlich noch Fachleute, die daran zweifeln, dass Facebook eine Suchmaschine IST bzw in naher Zukunft sein wird?

    Glaub ich nicht. SEO für Facebook gehört mittlerweile genauso zu den Marketingaufgaben wie die Optimierung speziell für Google. Wenn wir zuviel Geld haben und nicht wissen wohin damit, können wir ja immer noch Adwords schalten 😉

  3. Der (etwas kuriose) Fall ist – ganz unabhängig von der Notwendigkeit, sein Unternehmen grundsätzlich durch entsprechende Massnahmen für die Facebook-Suche zu optimieren – rechtlich nicht uninteressant. Für eine rechtliche Einschätzung im Einzelfall bräuchte man natürlich umfassende Detailinformationen. Allgemein kann aber gesagt werden, dass etwa bei zwei Unternehmen, die „Mitbewerber“ im Sinne des UWG sind (die also mit einem oder mehreren Unternehmern als Anbieter oder Nachfrager von Waren oder Dienstleistungen in einem konkreten Wettbewerbsverhältnis stehen) und von denen einer den Sucheintrag des anderen bewusst nutzt, um sodann auf die eigene externe Webseite zu verlinken, ein wettbewerbsrechtlicher Verstoß in Betracht kommt. Was die Verantwortlichkeit Facebooks anbelangt, so ist nach den Grundsätzen der derzeitigen Rechtsprechung in vergleichbaren Fallkonstellationen wohl anzunehmen, dass Facebook selbst jedenfalls nicht verantwortlich gemacht werden kann, bevor der betroffene Nutzer auf den Rechtsverstoß hinweist und Facebook daraufhin untätig bleibt.

  4. den schluss, den ich jetzt daraus ziehe: wer nicht will, dass womöglich falsche oder schlechte werbung für sich über facebook gemacht wird – was ein link, der ins nichts oder zu einer „komischen“ seiten führt ja eigentlich ist – sollte sich nicht darüber beschweren, sondern selbst im netzwerk aktiv sein…
    das beispiel zeigt doch die einfache lösung: selbst eine seite bei facebook haben, dann stören solche like-überschneidungen nicht.

    es ist doch nichts anderes bei google – wer nicht will, dass unter seinem namen schlechter content gefunden wird, der kann es am einfachsten damit lösen, viel guten content selbst zu liefern…

    aber vielleicht sehe ich das auch zu blauäugig und erkenn das grundproblem gerade nicht…

  5. Dem, was schneeengel sagt, kann ich nur bedingt zustimmen, zeigt es doch m. E. auch eine Problematik auf, nämlich den Zwang, mitmischen zu müssen, um negative Publicity zu verhindern. Das ist zwar aus Sicht der PR eine logische Vorgehensweise und sicher auch klug, kann aber letztlich rechtlich kein Argument sein. Es ist ganz klar, daß sich jemand, dem ein Verstoß gegen geltendes Recht zu seinem eigenen Nachteil widerfährt, ganz legitim beschweren darf und sich sicher nicht vorwerfen lassen muß, er hätte den Verstoß verhindern können, wäre er nur selbst in diesem Netzwerk präsent gewesen. Denn dafür, daß solche Dinge nicht passieren, gibt es Gesetze. Wenn sich soziale Netzwerke nun zu einer Art digitaler Wilder Westen entwickeln, in dem einfach nur das Recht des Stärkeren – bzw. wie hier das Recht des Schnelleren – gilt und nicht mehr unser normales geltendes Recht als natürliche Grundlage, dann ist das eine ganz klare Fehlentwicklung.

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