Geschichten ums Facebook-Buch: Vom Kritiker zum kritischen User

Mein langjähriger Kooperationspartner Alexander Schestag hatte sich bisher vor allem aus Datenschutzgründen geweigert, Facebook beizutreten. Jetzt hat er es doch getan und erklärt in diesem Interview warum und wie ihm „Das Facebook-Buch“ dabei geholfen hat:

Bitte stelle Dich kurz vor: wer bist Du, was machst Du?

Mein Name ist Alexander Schestag. Ich bin seit 2003 selbständig in der Internet-Branche tätig. Ein wesentlicher Schwerpunkt meiner Arbeit liegt neben anderen Dingen mittlerweile auf barrierefreier Kommunikation im Netz. Dazu gehören vor allem barrierefreie Webseiten. Das ist für mich insbesondere in Zeiten des Web 2.0, da Kommunikation im Web immer wichtiger wird, ein unverzichtbares Element gesellschaftlicher Teilhabe. Ich biete aber auch Dienstleistungen wie ökologisches Webhosting, Webprogrammierung in PHP und MySQL sowie technischen Support für Webanwendungen wie WordPress an.

Wie sah Deine Online-Kommunikation bislang aus?

Sie war auch bisher schon ziemlich vielfältig. Neben E-Mail nutze ich seit 1995 Internet Relay Chat (IRC). Anfangs war das eine rein private Angelegenheit, aber seit ich selbstständig bin, mache ich darüber auch einen Großteil meines Kundensupports. IRC ist für mich nach wie vor neben E-Mail der wichtigste Kommunikationskanal, um mit meinen Kunden in Kontakt zu bleiben, weil viele meiner Kunden auch dort anzutreffen sind. Darüber hinaus nutze ich verschiedene Messenger und bin bei einigen wenigen Social Networks angemeldet. Bisher habe ich vor allem Xing und Twitter sehr aktiv genutzt. Mit LinkedIn möchte ich mich zukünftig noch näher befassen. Früher war ich auch häufig im Usenet unterwegs. Das hat für mich aber an Qualität und somit an Nutzen verloren. Hinzu kommen einige weitere Kommunikationskanäle wie Onlinetextrollenspiele, sogenannte MUDs, die ich aber rein privat und zum Spaß nutze.

Du hast Dich lange geweigert, Facebook zu nutzen. Welche Gründe hattest Du dafür?

Ich lege auf Datenschutz ziemlich großen Wert, und in diesem Punkt sehe ich bei Facebook nach wie vor große Defizite. Das hat sowohl mit Facebooks Umgang mit Daten wie auch mit der Sorglosigkeit mancher Nutzer im Umgang mit fremden Daten zu tun, von der Facebook wiederum profitiert.
Ich will das an einem Beispiel deutlich machen, das mich auch als Nichtmitglied betroffen hat. Facebook hat ja eine Einladungsfunktion und eine Funktion zur Synchronisation von Adressbüchern mit dem eigenen Profil. Die so synchronisierten Adressen benutzt Facebook, um Nichtmitgliedern, die eine Einladung erhalten haben, Kontaktvorschläge zu unterbreiten. Daraus wird offensichtlich, dass Facebook zumindest an diesem Punkt die Daten von Nichtmitgliedern mit denen von Mitgliedern verknüpft. Solche Verknüpfungen sind aus Sicht des Datenschutzes hochproblematisch, weil sie Schlüsse auf soziale Beziehungen zulassen, die im Falle von Nichtmitgliedern Facebook überhaupt nichts angehen. An diesem und an einigen anderen Beispielen wird deutlich, dass Facebook dringend Nachbesserungen vornehmen muss.

Jetzt hast Du Dich doch bei Facebook angemeldet. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?

Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Einerseits hatte ich immer das Gefühl, etwas zu kritisieren, was ich nicht wirklich kenne. Natürlich konnte ich schon beurteilen, dass der Umgang mit meinen Daten als Nichtmitglied problematisch war. Aber nun wollte ich mir auch eine Innenansicht verschaffen. Bei dieser Innenansicht hilft mir dein „Facebook-Buch“ übrigens gerade sehr. Der zweite Grund ist, dass ich in Facebook mittlerweile – leider – eine gewisse wirtschaftliche Notwendigkeit für mich sehe. Bei meiner Arbeit spielen Vernetzungen eine sehr große Rolle, und Facebook als das größte Social Network kann ich in dieser Hinsicht einfach nicht mehr ignorieren.

Welche Elemente von Facebook nutzt Du bislang und warum?

Ich habe mir sehr schnell eine Fanseite eingerichtet, weil ich Facebook ja vor allem beruflich nutzen wollte. Für meine private Nutzung bin ich einigen Gruppen beigetreten. Darüber hinaus nutze ich ein paar Anwendungen wie Twitter Tab und Networked Blogs und mittlerweile auch ein paar Spiele.  Einen Developer-Account habe ich auch, weil ich mich mit der Anwendungsentwicklung auf Facebook befasse.

Du bist auch auf Twitter aktiv und bloggst. Hast Du Deine Facebook-Präsenz mit diesen Tools verknüpft und wenn ja wie?

Teilweise. Meinen geschäftlichen Twitteraccount habe ich mit Facebook so verknüpft, dass ich nun direkt von meiner Facebook-Seite aus twittern kann. So erscheinen Updates auf Twitter und auf Facebook. Mein privater Twitter-Account ist über die Anwendung Twitter Tab in mein Profil eingebunden. Meine privaten Blogs habe ich noch nicht mit Facebook verknüpft und entscheide noch, ob ich das überhaupt tun will. Für mein geschäftliches Blog, das bisher über http://www.wordpress.com gehostet wurde, hatte ich mir ursprünglich überlegt, ein eigenes WordPress auf meiner Domain aufzusetzen. Derzeit gehe ich aber einen anderen Weg und teste, ob sich die Notizen-Anwendung auf meiner Facebook-Seite zum Bloggen eignet. Ich sehe darin den Vorteil, vielleicht noch näher an meiner Zielgruppe zu sein.  Problematisch finde ich allerdings, dass man dann ohne Facebook-Account nicht kommentieren kann.

Welche Erfahrungen hast Du inzwischen mit der Nutzung von Facebook gemacht?

Ich fand die ersten Schritte und auch das Einrichten der Fanseite eigentlich recht einfach. Auch mit den Privatsphäre-Einstellungen bin ich recht gut klargekommen. Aber jetzt, da ich tiefer einsteigen will, ist vieles doch verwirrend, und ich bin sehr dankbar für dein Buch und deine Hilfsbereitschaft. Erstaunlich finde ich, wie schnell man dort neue Kontakte knüpfen kann. Die Zahl meiner Kontakte wächst erheblich schneller als in anderen sozialen Netzwerken. Da merkt man eindeutig die vielfältigeren Vernetzungsmöglichkeiten, die andere viel schneller auf einen aufmerksam machen. Ein Manko finde ich, dass Facebook auf mich teilweise sehr instabil wirkt. Auch die Barrierefreiheit könnte noch besser werden.

Hat sich durch die praktische Erfahrung Deine Sicht auf Facebook schon verändert und wenn ja wie?

Dass Facebook für mich durchaus von Nutzen sein kann, war mir ja auch schon vorher bewusst, und das scheint sich auch zu bestätigen. In einigen Punkten hat sich meine Sichtweise auch zum Positiven gewandelt. Die Privatsphäre-Einstellungen beispielsweise sind besser als ich dachte. Wenn man richtig damit umgeht und sich bewusst macht, welche Daten man veröffentlichen will und welche nicht, kann man selbst schon viel zum Schutz der eigenen Daten gegenüber anderen Usern beitragen. Natürlich werden aber auch die Defizite in diesem Bereich noch offensichtlicher. Ich habe schon den Eindruck, dass Facebook möchte, dass man so viele Daten wie möglich preisgibt und dass man einen laxen Umgang mit den eigenen und mit den Daten anderer pflegt. Daher sollte jeder die Hinweise in deinem Buch beherzigen und entsprechend vorsichtig mit diesen Funktionen umgehen.

Wo kann man Dich auf Facebook – aber auch sonst im Netz – finden?

Danke für das Interview, Alex! 🙂

Haben Sie auch eine Geschichte zu Ihren Erfahrungen mit dem Facebook-Buch zu erzählen? Dann melden Sie sich doch bei mir für ein Interview oder schicken Sie mir Ihren Erfahrungsbericht an office@schwindt-pr.com 🙂

Annette Schwindt
hat sich inzwischen als "schwindt-pr" verabschiedet und bloggt jetzt unter annetteschwindt.de.